"Es könnte voll werden"

+
Von 30. Januar bis 1. Februar wird Landsberg wieder „Filmstadt“.

Landsberg – „Wir kurbeln natürlich auf Hochtouren“, sagt „Snowdance“-Direktor Tom Bohn vier Wochen vor dem Independent-Filmfestival. Immerhin: „Es läuft!“ Besonders viel Zeit für Ruhe dürfte das Team des „Snowdance“ – den Direktoren Jürgen Farenholtz, Tom Bohn und ihren Mitarbeitern – aber seither kaum gehabt haben.

Einen anstrengenden Teil hat die Shortlist-Jury (neben Bohn selbst Claudia Flörke und Beate Maes) schon einmal hinter sich. Die 20 Langfilme, die zwischen 30. Januar und 2. Februar im Olympia-Kino und im Stadttheater in Landsberg gezeigt werden, stehen nach teilweise langen und intensiven Diskussionen fest. Doch nicht nur die Zahl der Filmeinreichungen, die begutachtet werden mussten (369), übertraf die Erwartungen der Organisatoren. 

Auch die Schauspiel-, Regie- und Drehbuchseminare, die in der Festival- woche angeboten werden, erfreuen sich eines hohen Zuspruchs. „Wir sind schon gut gebucht, es könnte richtig voll werden, die Teilnehmer melden sich bis aus Berlin und von noch weiter weg in Landsberg an“, berichtet Creative Director Tom Bohn, der sich aber auch aus anderen Gründen für die Zukunft hier einen Schwerpunkt beim Snowdance-Festival vorstellen kann. „Nicht alles, was eingereicht wurde, war auch wirklich vorzeigbar“, sagt Bohn, selbst renommierter Regisseur und Drehbuchautor. 

Er sieht außerdem die bisherige Ausbildung an den Filmhochschulen mindestens mittelfristig einem Ende entgegendämmern. „Die Leute bekommen da einen sehr starren Weg vorgezeichnet, der sie zu einem Titel führt, der ihnen in der Praxis nicht viel bringt“, hat der 55-jährige beobachtet, „entweder du kannst Kamera oder du kannst es nicht.“ Er geht davon aus, dass die „stark von öffentlicher Förderung geprägte Filmlandschaft in einigen Jahren größte Probleme haben wird.“ Wenn seine Pläne Realität werden, könnte das Landsberg einen weiteren Schritt in Richtung „Filmstadt“ bringen. 

Losgelöst vom Festival schwebt Bohn eine ganzjährige „Snow- dance-Akademie“ in der Lechstadt vor, an der die Teilnehmer, nach ihren Bedürfnissen einzelne Kurse oder Module buchen können, um in den jeweiligen Feldern weiterzukommen. „Das wird sicher noch nicht im nächsten Sommer passieren und hängt vom Erfolg des Festivals selbst ab, aber es gibt konkrete Gedanken in dieser Richtung.“ Bis dahin soll aber erst einmal das Festival selbst auf seinem Weg weiter nach oben geführt werden. 

Im Vergleich zur Premiere rechnen die rührigen Organisatoren bereits bei der Neuauflage mit einer „mächtigen Steigerung“ – und mit einer national und international deutlich gestiegenen Aufmerksamkeit. Aus aller Welt werden zu den Filmen Darsteller und Regisseure nach Landsberg reisen, einige bereits lange vor den tatsächlichen Vorstellungen. Damit dürfte schon jetzt klar sein, dass die Stadt und sogar der Landkreis an die Grenzen ihrer Übernachtungskapazitäten stoßen; Ende Januar ein eher ungewohntes Phänomen. 

Für die Zukunft hat man aber auch für diese Aufgabe eine kreative Lösung in Aussicht, über die Bohn allerdings jetzt noch nicht reden will. Für die Umsetzung wird der Organisatorische Direktor jedenfalls voraussichtlich die Unterstützung von Oberbürger- meister Mathias Neuner benötigen – daran dürfte es nach den bisherigen Erfahrungen aber nicht scheitern. „Wir rennen bei ihm offene Türen ein, er erkennt sehr genau das Potenzial, das im Snowdance für Landsberg steckt und hilft uns, wo er kann“, so Bohn. 

Auch dank Neuners Hilfe konnte schon jetzt der Unterhaltungsaspekt bei der zweiten Auflage deutlich ausgeweitet werden: Auf dem Flößerplatz macht die „Piratabus Bar“ (ansonsten auf Formentera beheimatet) Station und dient als Info-Center und Anlaufpunkt, im Inselbad wird zudem eine Partyzone für die Festivalbesucher eingerichtet. Im Vergleich zur Premiere wird zudem eine der häufigsten Anfragen der Besucher umgesetzt, die gerne mehr Programm genossen hätten – sich allerdings zwischen dem Programm im Stadttheater und im Olympia-Kino entscheiden mussten. „Wir haben das sehr ernst genommen, diesmal laufen alle Filme zweimal, so dass jeder alles sehen kann, wenn er möchte“, gibt Bohn bekannt. 

Für ihn und seinen Partner Farenholtz ist das „Snowdance-Festival“ bis jetzt eine un- geahnte Erfolgsgeschichte – wenn auch noch nicht in finanzieller Hinsicht. Vermutungen, die Organisatoren würden mit der Veranstaltung den großen Reibach machen, rufen bei Bohn ein breites Schmunzeln hervor. „Wir sind froh, wenn die Veranstaltung selbst auf Null aufgeht. Wir als Selbstständige arbeiten fast sechs Monate im Jahr dafür und verdienen noch gar nichts daran, das wird auch noch einige Zeit so bleiben.“ Für den Regisseur durchaus ein harter Einschnitt, wie er einräumt: „Ich habe dafür in diesem Jahr zwei Tatorte abgesagt, das kann sich jeder selbst vorstellen, was das finanziell heißt.“

Christoph Kruse

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Ex-Rechtsanwalt steht mit einem Bein im Gefängnis
Ex-Rechtsanwalt steht mit einem Bein im Gefängnis
Adé Blumenladen Klostereck
Adé Blumenladen Klostereck
Töpfermarkt am Limit
Töpfermarkt am Limit

Kommentare