Am Ammersee "Übern Zaun schaun"

Gute Gespräche im Garten

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Wollen am 8. Juli rund um an Ammersee „Übern Zaun schaun“ (von links): Hannah Büttner, Uta Kachel, Solveig Grundler und Gabriele Übler, die Organisatorinnen der Kampagne gegen Rassismus und Populismus.

Dießen – Am 8. Juli 1990 wurde Deutschland gegen Argentinien Fußball-Weltmeister. Im Rausch der Euphorie fielen sich Fremde und Freude in die Arme und feierten friedlich zusammen. Populismus und Rassismus waren damals noch Fremdworte, unsere freiheitlichen Grundwerte waren nicht bedroht. 27 Jahre später sieht es in vielen Teilen Deutschlands leider anders aus. Dagegen wollen zwei Dießener Unternehmerinnen Zeichen setzen: Solveig Grundler und Gabriele Übler laden für Samstag, 8. Juli, alle Anwohner rund um den Ammersee ein, sich ab 16 Uhr an ihrer Kampagne„Übern Zaun schaun“ zu beteiligen.

Dabei geht es ihnen um Begegnungen mit „bekannten Fremden“. Solveig Grundler: „Wir richten uns an alle Menschen, die unsere pluralistische Gesellschaft schätzen und für die unsere Demokratie immer noch die beste aller Demokratien ist. Gemeinschaftlich wollen wir aktiv zu werden und bunt und kreativ ein Zeichen setzen gegen den zunehmenden Populismus und Rassismus.“

Das Konzept ihrer ehrenamtlich organisierten Kampagne ist einfach. Wer immer rund um den Ammersee, also auch in den Landkreisen Starnberg und Weilheim-Schongau, einen Garten hat, der lädt am Nachmittag des 8. Juli Menschen aus der unmittelbaren Umgebung ein. Leute, die man vielleicht nur vom Sehen kennt und mit denen man bislang nichts oder nur wenig zu tun hatte. „Bekannte Fremde“ also, die möglicherweise einer anderen Generation angehören, die andere Sprachen sprechen oder mehr oder weniger sichtbar andere Weltanschauungen vertreten.

Die Idee der Aktion ist, gemeinschaftlich über Hecken und Zäune zu blicken – und zwar in beide Richtungen: Hinein in heimische Lebenswelten und -reali­täten und hinaus aus dem Garten in wenig bekannte oder sogar fremde Welten in der unmittelbaren Nachbarschaft oder auf der anderen Straßenseite.

Das Ziel der Aktion „Übern Zaun schaun“: Solveig Grundler und Gabriele Übler wollen demonstrieren, dass unsere offene Gesellschaft kein leere Worthülse ist, sondern ein Gesellschaftskonzept, das es zu verteidigen gilt. Und dies so individuell und kreativ, wie die Menschen rund um den Ammersee nun einmal sind.

Laut Grundler geht es hier nicht um die beste Party am See. Vielmehr sollen Gastgeber und Gäste in offener Atmos­phäre gute Gespräche führen, Distanziertheiten überwinden, Fremdheiten aushalten und Meinungsverschiedenheiten Raum geben. „Auf diese Weise wollen wir deutlich machen, dass die offene Gesellschaft hier am Ammersee gewollt ist.“

Ideen, was am 8. Juli konkret in den Gärten rund um den Ammersee passieren kann, liefern die hauptberuflichen „Dialoggestalter“ Grundler und Übler und ihre Mitstreiter Uta Kachel und Hannah Büttner am Donnerstag, 11. Mai, um 19 Uhr im Gasthof Unterbräu in Dießen. Wer also an der Aktion „Übern Zaun schaun“ mitmachen will, ist herzlich eingeladen, sich an diesem Informationsaustausch zu beteiligen. Die Initiatorinnen stellen sogar schriftliche Einladungen für die Aktion zu Verfügung, die über den Hintergrund aufklären und die das Logo tragen: Die Silhouette des Ammersees mit einem Punkt als Ausrufezeichen.

Dieter Roettig

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