Italienrundreise mit Gerd Lohmeyer

"Liebesrausch" im Theatergarten

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Gerd Lohmeyer (rechts) führt als Hundedompteur durch eines der vier im „Liebesrausch“ verarbeiteten Shakespearestücke beim Landsberger Sommertheater. Mit dabei Ferdinand Schmidt-Modrow alias Hund Krab.

Landsberg – Der knatternde Sound ist unverkennbar. Der Geruch auch: Was hier auf die Bühne rast, ist ein Sinnbild Italiens: die Vespa. Himmelblau. Ihr „scooterista“ ist Schauspieler Gerd Lohmeyer. Er nimmt die Zuschauer mit auf eine Italienreise, von Verona über Padua nach Mailand und wieder zurück. Dort wehrt sich die widerspenstige Catarina gegen Petruchio, lärmen Beatrice und Benedikt um Nichts, der Veroneser Herr Valentin bellt um Silvias Gunst. Und es leiden Romeo und Julia – die Liebespaare aus Skakespeares italienischen Dramen. Was sich in den folgenden eineinhalb Stunden im Theatergarten des Stadttheaters abspielt, ist beste Unterhaltung im „Liebesrausch“.

Es beginnt und endet mit Shakespeares Number-One-Hit. Wir sind also in Verona, und ja, da ist er auch: der Balkon. Unter ihm streiten sich die Familien Capulet und Montague, während Romeo seinem Cousin Benvolio das Herz ausschüttet: „Du schöngeformte Missgeburtenwelt!“ Denn die Angebetete, „sie schwor der Liebe ab“. Story ist bekannt: Tragische Liebe, vermeintlicher Tod, wirklicher Tod. Im Theatergarten kommt Humor mit dazu. Da trägt Amme Lohmeyer durchsichtige Plastikbrüste, bevor sie/er zu Fra Lorenzo wird, der Julia beisteht. Denn es gilt, „den alten Streit in Liebe beizulegen“.

Gerd Lohmeyer reist mit seiner hellblauen Vespa durch Italien und nimmt die Zuschauer im Sommertheater mit auf einen Shakespeare’schen „Liebesrausch“. Gute Unterhaltung garantiert.

Der Theatergarten – ein weites Feld. Die Shakespeare-Protagonisten stürmen und promenieren durch die Zuschauerränge. Rechterhand die Vespa-Garage. Links eine hohe Mauer, oberhalb der sich ein Plätzlein für intime Gespräche findet. En face die Spitalschule mit dem berühmten Balkon. Grandios ist dort Romeos erster Besuch bei Julia (Isabel Segmüller): Wie sich Roland Schreglmann an das Geländer klammert, wie er die Hand zitternd zur Geliebten reckt – fast könnte einem schwindlig werden. Zur Hochzeit bläst der von Lohmeyer angekurbelte Leierkasten den Marsch. Und weiter geht die Reise: Zur widerspenstigen Zähmung nach Padua.

Die Widerspenstige (Laura Cuenca Serrano) muss verscherbelt werden: „Catarina, schöngewachsen, blond, 60-90-60!“, preist ihr Vater. Der glorreiche Zähmer, den Ferdinand Schmidt-Modrow als perfekten Macho gibt, erstickt Widerworte in Küssen, Sex ist Catchen (auf Julias Balkon!) und am Ende bleibt sie doch oben.

Bekannte Szenen

Regisseur Ioan C. Thoma, der das Potpourri mit Bonnie Tillemann und Lohmeyer verfasst hat, nimmt von jedem Drama die bekanntesten Szenen. Die kennt man – und wenn nicht, so tut das dem Vergnügen keinen Abbruch.

Weiter nach Mailand. „Die Beiden Veroneser“ werden hier zur Farce: Lohmeyer spielt den Diener Lanz mit seinem Hund Krab – Schmidt-Modrow interpretiert diesen mit knurrendem R frei nach Blondi. Die Bühne wird zur Manege: Dompteur Lohmeyer zeigt mit Krab, Hund Julia – die durch umgehängte Bällchen zum Rüden Sebastian mutiert – und Hund Valentin das Bäumchen-wechsel-dich-Drama, das Kritiker Harold Bloom als „die schwächste aller Komödien Shakespeares“ bezeichnete. Dieser Worte spottet die Landsberger Aufführung Hohn. Und zeigt eine perfekte Hundeperformance mit Würstchen und Beißring.

Der letzte Abstecher führt in Italiens Süden nach Messina. Benedikt und Beatrice aus „Viel Lärm um Nichts“ zeigen Shakespeare’sche Wortakrobatik. Lohmeyer dirigiert den Kampf der Gladiatoren als Moderator in Show-Manier. Ein zweites Fenster der Spitalschule wird zum verrufenen Ort, Gerüchte schwirren aus Lautsprecherboxen und sorgen dafür, dass jeder den bekommt, den er verdient. Zurück fährt die Vespa nach Verona. Zum tragischen Balkon. Lohmeyer begleitet auf der Geige, das Drama nimmt seinen Lauf. Doch bevor Romeo den Dolch im eigenen Leib vergraben kann, schreitet der Moderator ein. Und lotst alias Puck die Spieler zum Happy End eines „Sommernachtstraums“.

Für Zuschauer des noch bis zum 13. August stattfindenden Rauschs empfiehlt es sich, auf die Reise ein kühles Getränk mitzunehmen. Helm benötigen Sie keinen, jedoch sollten empfindlichere Damen und Herren wegen der Kühle im nördlichsten Norditalien eine wärmende Decke im Gepäck haben. Gar unromantische Socken. Die erste Reihe nehme sich in Acht. Leichter Regen wird geduldet, nässt es stärker, ziehen Schauspieltross und Zuschauer in den prunkvollen Saal des Landsberger Stadttheaters.

Gute Fahrt! 

Susanne Greiner

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