Bildung statt Baden?

»Sommerschule« in den Ferien soll auch im Landkreis Lockdown-Lücken schließen

Johann-Winklhofer-Realschule Landsberg im Regen mit Fahrrad
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Vielleicht steht Baden gehen bei dem Wetter eh nicht zur Debatte... Da wäre die Sommerschule, etwa so wie sie an der JWR angeboten wird, vielleicht eine Alternative.
  • VonAndrea Schmelzle
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Landkreis – Weit stärker noch als das letzte ist das laufende Schuljahr von den Auswirkungen der Pandemie geprägt. Monatelanger Distanz- und Wechselunterricht, Unsicherheiten, wie es weitergeht. Für viele Schüler war das mit Stress verbunden. Viele fiebern – gerade im Zuge der aktuellen Lockerungen – den Sommerferien entgegen. Nun wird ihnen angeboten, in den Ferien weiter zur Schule zu gehen, um entstandene Lücken aufzuholen. Das Feedback ist eher verhalten.

Vor allem schwächere Schüler sollen die Möglichkeit bekommen, Versäumtes nachzuholen. In zweiwöchigen Kursen während der Sommerferien. Unterrichtet wird in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathe. Die Teilnahme: freiwillig und kostenfrei. Möglich gemacht wird das durch ein Förderprogramm, das die Bayerische Staatsregierung unter dem Titel „gemeinsam.Brücken.bauen“ beschlossen hat.

Das basiert auf zwei Säulen: Potenziale erschließen (Lernförderung) und Gemeinschaft erleben (Sozialkompetenzförderung). Und beinhaltet neben der Förderung inner- und außerhalb des Unterrichts eben auch die „Sommerschule“ in den Sommerferien. Zuvor bedarf es einer Empfehlung durch den Lehrer. Defizite werden nach einer ersten Phase, der „Lernstandsfeststellung“, aufgespürt.

Dass alles aufgeholt werden könne, was durch Corona versäumt wurde, sei natürlich Unsinn, meint Herbert Woerlein, Schulleiter der Johann-Winklhofer-Realschule Landsberg. Aber es sei für die Kinder eine Hilfe. 70 Schüler hätten sich für die erste Ferienwoche angemeldet, 60 für die letzte. Gearbeitet werde mit Lehrkräften und externen Partnern. Fachliches werde vermischt mit Dingen, die Spaß machen, Tanz, Sport oder Musik. Ergänzt durch Teambuilding-Spiele oder Zeitmanagementübungen. Und durch Eiswagen und Pizzaservice. Ein „gutes Konzept“, so Woerlein. Dennoch sei es für ihn genauso wichtig, mal „sechs Wochen richtig Urlaub zu machen.“ Eine produktive Langeweile habe mindestens denselben Effekt.

„Befüllt“ werden kann das Sommerprogramm von jeder Schule ganz individuell. Das Ignaz-Kögler-Gymnasium bietet etwa ausschließlich digitale Angebote. Viele der Schüler seien ja Fahrschüler, Busfahrkarten würden jedoch während der Ferien nicht bezahlt, erklärt Julia Garbe, stellvertretende Schulleiterin beim IKG. Daher online. Zielgenau würde Material zusammengestellt, zum Wiederholen und Lücken schließen. Zusätzlich stehen die Lehrer für Online-Sprechstunden bereit.

Die Resonanz: sehr verhalten. Von 800 Schülern am IKG haben sich weniger als zehn angemeldet. Für Garbe ist das nicht verwunderlich. „Die Schüler hatten einen Riesenstresss“, meint sie. „Wäre es nicht besser und viel schlauer, in den Ferien Freunde zu treffen und Schwimmen zu gehen?“ Das habe man ihnen auch nahegelegt. Für diejenigen, die dennoch Stoff aufholen möchten, biete man das Programm an.

Auch an der Realschule Schondorf habe sich nur ein einziger Schüler angemeldet – „der ist jetzt bei uns“, berichtet Ruth Riedle, Konrektorin der JWR, die das Konzept ausgearbeitet hat. Ähnliche Situation an der Mittelschule Kaufering: „Da kam eigentlich nichts“, so Schulleiter Ralf Schütt. Deswegen habe man auch nichts auf die Beine gestellt. „Unsere Schüler wollen jetzt einfach mal Ferien haben und nicht an Schule denken“, meint er. Es sei eine anstrengende Zeit gewesen. Die Motivation lasse gerade deutlich nach. Vielleicht sei es besser, nach den Ferien mit frischen Kräften neu zu starten. Dann werde es auch unterrichtsbegleitende, individuelle Lernkonzepte geben.

Auch für Anja Schweikert, kommissarische Leiterin der Mittelschule Landsberg ist die Sommerschule ein schwieriges Thema. „Weil Kinder, für die sie gedacht ist, nicht kommen.“ 27 Anmeldungen gebe es von insgesamt 440 Schülern. Davon hätten nur fünf tatsächlichen Bedarf, seien also durch Corona ins Hintertreffen geraten, meint Schweikert. Ein „Riesenprogramm“ mit 13 verschiedenen Kursen habe man erarbeitet. Aber die ersten würden schon wieder abspringen.

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