Von Sonnenblumen und Schrottautos

Die Bühnenfassung eines Kultfilms hat es nicht leicht, zu hoch die Mess-latte, zu mächtig die Bilder, die (fast) jeder Zuschauer im Kopf hat. Doch bewies die „landsberger bühne“ unter der Regie von Franziska Dietrich am Samstagabend, dass sich ihre Inszenierung von Colin Higgins schwarzer Komödie „Harold und Maude“ nicht vor der Filmversion verstecken muss.

„Der Tod lächelt uns alle an, das einzige, was man machen kann, ist zurücklächeln“ – dieses Zitat von Marc Aurel steht programmatisch über der Inszenierung. Für Harold lächelt der Tod nicht, er schreit ihn an, verlockt und fasziniert ihn, bleibt jedoch eine abstrakte Größe. Er hingegen instrumentalisiert ihn, um die Aufmerksamkeit seiner Mutter zu gewinnen und sich vor ihren Verkupplungsversuchen zu schützen. Maximilian Huber spielt den Harold weniger düster-depressiv, sondern versponnen; ein liebenswerter Exzentriker, der sich mit versonnenem Lächeln mal eben die Hand abhackt oder seinen Sarg abfackelt. Wirkte Huber anfangs noch angespannt, ging er doch schnell in seiner Rolle auf und überzeugte besonders in der zweiten Hälfte mit der wachsenden Zuneigung zu Maude, seiner Emanzipation gegenüber der Mutter und der dramatischen Geburtstagsfeier, die mit Maudes Tod endet. Wunderbar das Zusammenspiel zwischen dem jungen Maximilian Huber und Barbara Mohrenweis. Ihre Maude ist kraftvoll, positiv, bringt ihre verrückten Ideen so überzeugend vor, dass sie selbstverständlich erscheinen, egal, ob es darum geht, eine gefangene Robbe wieder zum Meer zu bringen oder sogar in letzter Konsequenz, an ihrem 80. Geburtstag, „zu neuen Horizonten aufzubrechen“. Prallen mit Harold und Maude anfangs zwei Welten aufeinander, treffen Schrottautos auf Blumen, nähern sie sich langsam aneinander an, bringt Maude dem orientierungslosen Jungen bei, das Leben zu bejahen, selbst ohne sie. Den Protagonisten gelingt es, die Liebe dieser beiden unterschiedlichen Menschen überzeugend und anrührend darzustellen, ohne zu überziehen oder ins Lächerliche abzugleiten. Auch bei der Besetzung der Nebenrollen traf Franziska Dietrich wieder eine glückliche Wahl. Urkomisch Claudia Dlugosch als oberflächliche Mutter, der ihr Teppich wichtiger ist als ihr Sohn. Witzige Akzente setzt auch Daniela Echterbruch als zunächst korrektes Dienstmädchen, das sich aber vom Wahnsinn des Chasen-Haushalts anstecken lässt und schließlich nur noch irre kichert. Ralph Wilbert als Psychiater kapituliert vor dem schweren Fall Harold und wendet sich lieber dessen Mutter zu, Karlheinz Ehelechners Pater Finnegan versucht sich tapfer an der Aufgabe, dem Jungen die Ehe mit der mehr als 60 Jahre älteren Frau auszureden. Doch nicht nur im Spiel selbst hat die „landsberger bühne“ mit special effects gearbeitet, hat sie doch einen ganzen Wohnwagen auf die Bühne gestellt, der, umgeben von charmantem Chaos das Heimvon Maude darstellt. Besondere Stimmung verbreiten die Diaprojektionen und die Klaviermusik von Michael Lauterbach. Die Lust am Leben zu leben, das wollte diese Inszenierung den Zuschauern laut Programmheft mit auf den Weg geben. Das ist gelungen, oder, um den Bogen zum Film und dessen Soundtrack zu spannen: „If you want to sing out – sing out!“

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