Sorgenbrecher und Ragout

Der Hoagartn in Dießen war wieder ein voller Erfolg und sorgte für Stimmung sowohl bei den Mitwirkenden als auch beim Publikum. Foto: Bentele

Der Saitenschinder-Hoagartn ist ganz schön berühmt geworden: „Die Musiken werden immer mehr und das Programm immer besser“, lobt ein Stammgast das volksmusikalische Treffen, zu dem Saitenschinder-Chef Magnus Kaindl regelmäßig in den Unterbräu-Saal in Dießen einlädt. Besetzt bis auf den letzten Platz wurde musiziert, g’sungen, g’lacht und Gaudi g’macht bis Mitternacht. Die Saitenschinder gehören zum Heimat- und Trachtenverin d’ Ammertaler Diessen – St. Georgen.

Mit ihrer schmissigen Blasmusik sorgten die Windacher Blechbläser gleich am Anfang für Superstimmung. Ihr „Sorgenbrecher“ bereinigte die Luft und versetzte die Gesellschaft in sorglose Fröhlichkeit. Dass das berühmte Rehragout als Klassiker bayerischer Unterhaltungskultur folgte, regte zum Mitsingen an – grad so wie auf der Wies’n in München. Zum ersten Mal ist das Duo Knöpf und Soatn in Diessen aufgetreten. Herta Wanner und Horst Huber sind Unterhaltungskünstler aus München, die mit Ziach, Gitarre, Okarina und Gesang echte Lachsalven auslösten. Mit ihrem komödiantischen Talent boten sie weit mehr, als nur Musik und Gesang. „Unsere Lieder sind erotisch und dramatisch“, kündig-te Wanner Schmankerl von der Isar an. Daneben zeigte das Duo, wie stark es auch von der böhmischen Musik geprägt ist, „die viele gute klassische Komponisten hatte.“ Das Schönste, fuhr Wanner fort, sei aber die böhmische Hausmusik. Max Kümmeth ist mit seiner Ziach extra zum Saitenschiner-Hoagart aus der Schweiz angereist. Die Muggenthaler Hausmusik begeisterte mit ihrem bairischen G’sang. Vom Heimat- und Trachtenverein Dießen sind die Okarina-Musik mit Regina und Albert Hinterbichler aufgetreten und die Ziachmusi mit Evi Patermann, Albert Hinterbichler und Sepp Kaindl. Die Saitenschinder selbst präsentierten Neues aus ihrem weltmusikalischen Repertoire. Da wurde ein Hochzeitsmarsch angekündigt, der sich – wie Waltraud Elsässer erzählt – bei näherer Betrachtung als eine Musik aus Schweden entpuppte und Zimtschnecken-Marsch heißt. Neu im Programm ist der „Dreher aus dem Orff’schen Schulwerk“. Den hatten die Saitenschinder eingeübt, um Liselotte Orff eine Freude zu bereiten, die den Trachtenverein und dessen Veranstaltungen sehr mochte, keinen Hoagartn ausließ und im Frühjahr auch mit einer Spende sicherstellte, dass die Dießener Trachtenjugend ihr Orff-Instrumentarium erweitern konnte. Weil die Witwe des Komponisten Carl Orff drei Tage vor dem Hoagartn unerwartet starb, widmete ihr Magnus Kaindl den Dreher aus dem Orff’schen Schulwerk.

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