Der Weg in ein selbständiges Leben

Das Sozialkaufhaus BiLL bildet Jugendliche aus, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben

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Timo schätzt das gute Klima an seinem Arbeitsplatz und auch die netten Kollegen, die immer ein offenes Ohr haben.

Landsberg – „Das war die beste Entscheidung meines Lebens“. Timo Fröhlich (20) ist froh, dass er eine Ausbildung als Kaufmann für den Einzelhandel begonnen hat. Das Jugendamt hat ihm vor drei Jahren eine Ausbildungsstelle im MühlenMarkt der Herzogsägmühle bei Schongau vermittelt. Später hat er dann zu BiLL gewechselt, dessen Träger öffentliche, kirchliche und soziale Einrichtungen sind. Obwohl sich die Begeisterung bei Timo zunächst in Grenzen hielt, sei er heute froh drum.

Timo befand sich damals in einer schwierigen Situation. Nach seinem Mittelschulabschluss hat er ein Berufsvorbereitungsjahr begonnen: Das hieß drei Tage Arbeit in einem Baumarkt und zwei Tage Schule. Als er dann an einem Tag drei Stunden zu spät zum Unterricht erschien, wurde er von der Schule geschmissen. Da Timo zu der Zeit im Heim lebte, war das Jugendamt zuständig und besorgte ihm die besagte Stelle im MühlenMarkt.

Zwei Jahre hat er insgesamt dort gearbeitet. Dann ist er nach Landsberg zum Sozialkaufhaus BiLL gewechselt. Er sei froh nun dort zu sein. An seinem neuen Arbeitsplatz „ist die Atmosphäre sehr entspannt, und wenn es Probleme gibt, kann man mit jedem sprechen“. Es herrsche einfach ein friedliches Miteinander.

Auch die Arbeit an sich mache ihm viel Spaß. Zu seinen Aufgaben gehört in erster Linie das Verkaufen. Er arbeitet aber auch am Computer und recherchiert Preise oder hilft bei der Warenannahme.

Timo ist der erste Auszubildende bei dem Sozialkaufhaus. Aktuell werden für den Ausbildungsstart im September wieder junge Menschen gesucht. Timo jedenfalls kann die Ausbildung nur empfehlen.

Wolfgang Fetschele, der Leiter des Unternehmens, erklärt, es gebe mehrere Möglichkeiten der Ausbildung. Neben der drei-jährigen Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann könne man sich innerhalb von zwei Jahren auch zum Verkäufer oder einem sogenannten Fachpraktiker ausbilden lassen. Die Stelle ist vor allem für Jugendliche mit psychischen Erkrankungen oder Lernbehinderungen vorgesehen. Oder für welche mit einer problematischen Vorgeschichte, die es ihnen auf dem Arbeitsmarkt schwer macht eine Anstellung zu finden. Hier bekommt sozusagen jeder eine Chance.

Für Timo ist seine Zeit bei BiLL fast vorbei. Die schriftliche Prüfung hat er bereits hinter sich und ein gutes Gefühl dabei. Jetzt steht ihm nur noch die mündliche Prüfung bevor. Aufgeregt sei er nicht. „Verbal kann ich mich gut ausdrücken. Und genau das wird in der Prüfung gefordert“.

Pläne, wie es danach weitergehen soll, hat er auch schon. Bei einem Autohändler hat er eine Stelle als Automobilverkäufer bekommen. Für einen Auto- und Tuning-Fan wie ihn natürlich eine großartige Stelle. Irgendwann würde er sich auch gerne selbstständig machen. „Sein eigener Chef zu sein, wünscht sich vermutlich jeder.“ Am liebsten wäre es ihm natürlich in der Automobilbranche.

Große Pläne und den Willen sie durchzusetzen hat Timo auf jeden Fall. Auch andere Jugendliche, die auf genauso eine Chance wie bei Timo hoffen, können das mit einer Ausbildung bei dem sozialen Dienstleister erreichen. Timo jedenfalls hat es geholfen, sich ein selbstständiges und eigenverantwortliches Leben aufzubauen. Mit einem festen Arbeitsplatz und hoffentlich bald einer eigenen Wohnung. Nach der sucht er nämlich auch schon.

Stephanie Novy

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