Sozialpädagoge vergreift sich an seinen Stiefkindern

Besser als jeder andere Täter hätte er wissen müssen, was er anrich­tet: Ein 49-jähriger Sozialpädagoge, der sich Tag für Tag um psychisch kranke Jugendliche kümmert, hat seine eigenen Stiefkinder sexuell missbraucht. Deswegen wurde der Mann aus dem südlichen Landkreis vergangene Woche vom Schöffengericht am Amtsgericht Landsberg zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt. Vor allem der inzwischen 21-jährige Stiefsohn des Angeklagten wurde Opfer der Übergriffe. Er trat als Nebenkläger auf.

Eine beklemmende Szene: Mit versteinerter Miene fixierte der junge Mann im Gerichtssaal seinen Stiefvater, der unverwandt vor sich auf den Tisch starrte. Er hatte den Sohn seiner Lebens­gefährtin und späteren Ehefrau im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren mehrfach nach Saunagängen unsittlich berührt und missbraucht. An der Schwester des Buben vergriff er sich einige Male. Dass er den Kindern, für die er wie ein Vater war, solches Leid zufügte, und dabei auch noch in der Jugendhilfe arbeitete, machte den Fall in den Augen des Gerichts besonders schwerwiegend. Der 49-Jährige war jahrelang beim Kreisjugendring der Stadt München beschäftigt und ist Mitbegründer eines Vereins, der Pflegefamilien betreut. Derzeit kümmert er sich um psychisch kranke Jugendliche in stationären Einrichtungen. Spitze des Eisberges? „Nahezu zynisch“ nannte Nebenklägervertreter Joachim Feller diesen Berufsweg. Man müsse sich fragen, ob der Ange­- klagte diese Arbeit gerade deshalb mache, um Kindern nahe zu sein. „Wir haben hier wohl nur die Spitze des Eisbergs“, so Feller. Auch Staatsanwalt Lars Baumann warf dem 49-Jährigen vor, „die Sorge um Kinder pervertiert zu haben“. Gerade er hätte wissen müssen, „wie es Kindern geht, die so etwas durchmachen.“ Sein Stiefsohn leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und ist noch immer in Behandlung. Da half es auch nichts, dass der Angeklagte mit einem Geständnis den Opfern die Aussage ersparte und sich unter Tränen bei dem 21-Jährigen entschuldigte. Nach langer Beratung verhängte das Gericht eine zweieinhalb­jährige Gefängnisstrafe. „Der Angeklagte war viel näher an den Opfern solcher Taten dran als jeder andere Täter“, so der Vorsitzende Richter Dr. Wolfgang Daum. Deshalb komme eine Bewährungsstrafe nicht in Betracht. Der 49-jährige muss seinem Stiefsohn außerdem 7000 Euro Schmerzensgeld zahlen und auch künftig für alle materiellen und immateriellen Folgen des Missbrauchs aufkommen.

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