"Nie alle Rechnungen bezahlt!"

Ex-EVL-Vorsitzender zu Geldstrafe verurteilt

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Für eine Reihe von Akteuren des in der Insolvenz untergegangenen EV Landsberg sind keine Sozialversicherungsbeträge bezahlt worden. Dafür wurde der damalige Vor­- sitzende, Hans-Jürgen B. jetzt verurteilt.

Landsberg – Zahlen müssen alle drei, trotzdem ging der Strafprozess gegen die letzten Vorstände des EV Landsberg für die Angeklagten höchst unterschiedlich aus. Den ehemaligen 1. Vorsitzenden, Hans-Jürgen B., verurteilte das Amtsgericht Augsburg heute zu einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen, insgesamt 4500 Euro.

Das Verfahren gegen die beiden Stellvertreter wurde gegen eine Auflage von jeweils 3000 Euro an soziale Einrichtungen eingestellt.

Mit der Geldstrafe gegen Hans-Jürgen B. blieb Richter Michael Nißl noch unter dem Antrag der Verteidigerin, die auf „nicht mehr als zehn Monate“ Haft zur Bewährung plädiert hatte, Staatsanwältin Christina Wilhelm hingegen wollte B. keine Bewährung mehr zuerkennen. „Das kann man durchaus so sehen“, räumte der Vor­sitzende Richter ein, der vor allem das umfangreiche Vorstrafenregister von Hans-Jürgen B. negativ bewertete. „Die großen Straftaten liegen zwar schon eine Zeit zurück, aber gewerbsmäßige Hehlerei in mehr als 1700 Fällen ist schon ein Brett.“

Auch Diebstahl, Betrug, Urkundenfälschung und Untreue hatte sich B. schon geleistet, zuletzt saß er eine über zweijährige Haftstrafe wegen Betrugs in 36 Fällen ab und ist erst seit kurzem wieder auf freiem Fuß. „Wenn Sie das nicht klug gemacht hat, hilft's irgendwann auch nichts mehr“, so der Richter zum Angeklagten.

Konkret ging es darum, dass vor der Insolvenz des EV Landsberg keine Sozialversicherungsbeiträge mehr bezahlt worden waren, was laut B. eher die Regel als die Ausnahme war. „Es wurden nie alle Rechnungen bezahlt, es war einfach nicht genug Geld da, so sehr ich mich auch gestreckt habe und versucht habe, etwas hereinzubekommen.“ Obwohl er seit Jahren für das EVL-Marketing verantwortlich war und beinahe täglich in der Geschäftsstelle ein- und ausging, habe er von der kritischen Finanzlage zunächst nichts gewusst. Als er das Amt übernahm, „hat mir meine Vorgängerin gesagt, dass vielleicht 5000 Euro offen sind. Dann war aber schnell klar, dass es eher 450000 bis 500000 waren."

Schuldbewusstsein bewies B. vor Gericht nicht. „Ich weiß nicht, wo ich mich strafbar gemacht habe“, so der 66-Jährige, „auch wenn das vielleicht so auf dem Papier steht. Ich habe nur versucht, den Verein am Leben zu erhalten“, meinte er und weiter: „Ich habe die Fehler der anderen ausbügeln dürfen.“

Den Sachverhalt an sich hatte der Angeklagte bereits im Vorfeld eingeräumt, was ebenfalls strafmindernd wirkte. Vor Gericht war dann auch unumstritten, dass Hans-Jürgen B. das Sagen in der EVL-Geschäftsstelle hatte. Einer seiner beiden Stellvertreter war so gut wie nie anwesend, der andere kümmerte sich ausschließlich um den Nachwuchs. Dass beide dennoch ihre Kontrollpflicht verletzt haben, warfen ihnen Gericht und Staatsanwaltschaft zwar vor, dennoch wurde das Verfahren gegen sie eingestellt. Zwar sei das bei den hohen Summen – es ging um über 50000 Euro – „normalerweise nicht möglich“, in diesem Fall wurde aber berücksichtigt, dass beide den Schaden großteils wiedergutgemacht und auch noch privates Geld verloren hätten: „Man will nicht den Leuten, die sich im Ehrenamt aufreiben, auch noch Knüppel zwischen die Beine werfen.“

Die Einstellung wird erst rechtskräftig, wenn die Auflage bezahlt ist. Hans-Jürgen B. kann gegen das Urteil binnen einer Woche Berufung einlegen.

Christoph Kruse

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