Püttners neuer Plan

Alt-Kaufering gerät ins Wanken

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Die Kauferinger CSU fordert schon lange den Abriss des Wohngebäudes auf dem ehemaligen Schmittenbauerhof. Heute Abend erfolgt ein neuer Anlauf im Marktgemeinderat.

Kaufering – Das Grundstück des ehemaligen Schmittenbauerhofes in Alt-Kaufering gilt als Sahnestück in der Marktgemeinde. Die Verwaltung hatte das Areal 2009 erworben, um Einfluss auf die zukünftige Bebauung zu haben. Nun sind Überlegungen bekannt geworden, auf dem Gelände mit staatlicher Unterstützung Flüchtlings- und Sozialwohnungen zu errichten. Morgen (Dienstag) und am Mittwoch soll das in einer Bürgerinformation und im Marktgemeinderat erstmals diskutiert werden.

Das Thema bringt die Kauferinger CSU schon im Vorfeld auf die Palme, zumal sie unterstellt, dass das Vorhaben nur dazu diene, Fördergelder abzugreifen. Kritik kommt aber auch wegen der Eile. Die CSU schreibt in ihrer Presse-Information, dass die Verwaltung bereits 2015 den Förderantrag gestellt, den Marktgemeinderat aber erst Ende Januar 2016 informiert habe.

„Das stimmt“, bestätigt Bürgermeister Erich Püttner. Ende Dezember sei ein Vorab-Antrag abgegeben worden, „um den Fuß in der Tür zu haben“. Damit sei aber noch nichts entschieden oder gebaut. Die Verwaltung hat, sagt der Rathauschef weiter, den Vorab-Antrag auch deswegen gestellt, um sich hinterher nicht dem Vorwurf auszusetzen, man habe von der Förderung gewusst und nichts dafür getan.

Püttner bestätigte weiterhin, dass in der Planungsausschusssitzung am 27. Januar ein Mitarbeiter der Regierung von Oberbayern über die Fördermöglichkeiten informiert habe. Somit hätten zu diesem Zeitpunkt alle Fraktionen die Informationen gehabt. Der Marktgemeinderat müsse nun die Entscheidung treffen, ob auf dem Gelände eine kleine Wohnanlage mit Sozialwohnung entsteht und ob die Renovierung des Wohngebäudes mit einem sehr hohen Förderbetrag realisiert werden soll.

Soziales Gefüge

Die CSU führt eine Reihe von Argumenten ins Feld, die gegen eine Bebauung von Sozialwohnungen für Flüchtlinge sprechen. Insbesondere macht sich die Partei Sorge um das soziale Gefüge in Alt-Kaufering. Die Unterbringung von 300 Flüchtlingen in der ehemaligen Tennishalle am Schwimmbad und die Schaffung zusätzlicher Wohnungen auf dem Schmitten­bauergelände würden das soziale Gleichgewicht gefährden. Bei einer Einwohnerzahl von knapp 1.000 Menschen im alten Dorfkern stimme schon jetzt die Relation zwischen angestammter Bevölkerung und Asylsuchenden nicht mehr.

In der Vergangenheit hatte es mehrere Versuche gegeben, das Grundstück mit oder auch ohne Bebauung zu verkaufen. Zuletzt hatte das Architekten­ehepaar Kramer aus Weil im Auftrag eines potenziellen Investors dem Marktgemeinderat eine Planung vorgelegt. Es sollte ein Dorfzentrum mit 20 Wohnungen, Läden, Bistro, Arzt- und Massagepraxis und Versammlungsraum entstehen. Damals waren sich die Marktgemeinderäte heftig in die Wolle geraten, ob das Objekt überhaupt ins Ortsbild passe, unabhängig von Pult- oder Satteldach. Das Spektrum der Meinungen reichte von totaler Ablehnung bis zur Zustimmung, wobei die kritischen Stimmen überwogen. Einige Marktgemeinderatsmitglieder plädierten sogar dafür, das Grundstück zu nutzen, um die Verkehrsführung zu verbessern und darauf eine Abbiegespur einzurichten.

Nicht zuträglich

Stall und Stadel des Hofes sind längst abgerissen worden. Das ehemalige Wohnhaus steht zwar noch, ist aber nach Aussage der CSU in einem optische und technisch „bedauernswerten Zustand, der dem Ortsbild nicht zuträglich ist“. Zudem hat die Marktgemeinde heuer allein für Sicherungsmaßnahmen 25.000 Euro zurückgestellt. Die CSU fordert schon längst den Abriss und wird das heute Abend erneut tun.

Die jüngsten Pläne, den verfallenen Hof zu renovieren und zusätzliche Sozialwohnungen auf dem Gelände zu errichten, lehnt die CSU ab. Dies würde nach derzeitigem Stand etwa 2,5 Millionen Euro an Steuer­geldern kosten. Trotz des hohen Förderanteils würde die Gemeinde nach derzeitigem Stand auf geschätzten 60.0000 Euro sitzen bleiben. Dies sei dem hoch verschuldeten Markt nicht zuträglich und könne dem Bürger nicht mehr vermittelt werden. Weitere befürchtet die CSU, dass die Marktgemeinde selbst kaum noch Einflussnahme auf die Bebauung haben würde.

Die Christsozialen sprechen sich vehement dagegen aus, weiteres Geld in die Erhaltung eines maroden Gebäudes zu stecken, zumal sich das ganze „Projekt Schmittenbauerhof“ als gewaltige Geldvernichtungsmaschine erwiesen habe. „Es wäre strukturpolitisch grob fahrlässig, dieses zentral im Ort gelegene Grundstück jetzt mit einem Schnellschuss zu bebauen“, so die CSU mit Verweis auf die „massiven Bedenken aus der Dorfgemeinschaft“.

Als Alternative schlägt die CSU vor, im geplanten Neubaugebiet Kaufering-Nord Sozialwohnungen zu errichten. Gefragt sei daher ein intensiver Dialog mit den Bürgern, der sicher nicht in wenigen Tagen bis zur kurzfristig angesetzten Bürgerinformationsveranstaltung am 16. Februar oder der Marktgemeinderatssitzung am 17. Februar abgeschlossen werden kann.

Siegfried Spörer

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