Sozialzentrum St. Martin

Erst vernichtende Details, dann das große Schweigen

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Mithilfe von Drehleitern suchten Mitglieder der Landsberger Feuerwehr den Bereich unter der Lechstaustufe 15 ab.

Landsberg – Entsetzen in der Lechstadt: Nur wenige Stunden nachdem der Aufsichtsrat des Landsberger Sozialzentrums St. Martin mit Details zur fristlosen Kündigung von Klaus Drössler an die Öffentlichkeit gegangen war, nahm sich der Ex-Geschäftsführer das Leben.

Taucher der Bereitschaftspolizei fanden seine Leiche am Donnerstagnachmittag in der Lechstaustufe 15. Für den Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Dr. Manfred Rapp, ist es „tragisch“, dass Drössler „dem Druck nicht standgehalten hat.“

Zwei Geistliche, ein Notar im Ruhestand und ein Landratskandidat hatten in den Tagen nach Bekanntwerden der fristlosen Kündigung Drösslers „abzu­wägen zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Herrn Drössler und dem Interesse der Patienten, Mitarbeiter sowie der Öffentlichkeit an der Aufklärung der Ereignisse.“

So zumindest ist der Wortlaut in der „Stellungnahme des Sozialzentrums St. Martin zum Ableben von Herrn Klaus Drössler“ – geschrieben aber nicht unterzeichnet von Vorstand Dr. Man­fred Rapp. Er sowie die Stadtpfarrer Michael Zeitler, Stadtpfarrer Detlev Möller und Mar­- kus Wasserle waren der „Auffassung, in der Öffentlichkeit die erkennbare Wahrheit nicht unterdrücken“ zu dürfen. „Wir haben weder verschleiert noch übertrieben“, sagt Rapp. 

Der Aufsichtsrat hatte bereits am Montag eine erste Erklärung abgegeben, „nachdem die Presse auf uns zugekommen ist“, so Dr. Rapp. Ohne auf Details einzugehen, führte er in diesem Papier „Verfehlungen im vermögensrechtlichen Bereich“ sowie in der „Führung und Behandlung von Mitarbeitern“ als Grund für die fristlose Kündigung an. Und weiter wies Dr. Rapp darauf hin, dass man den gesamten Vorgang bei der Staatsanwaltschaft in Augsburg angezeigt habe.

Im Grunde war die Öffentlichkeit damit ausreichend informiert, alles weitere wäre eine Angelegenheit des Ermittlungsverfahrens gewesen. Das Führungs-Quartett, allen voran Stadtpfarrer Möller und Vorsitzender Dr. Rapp, plauderte jedoch im Rahmen der Pressekonferenz am Mittwoch Details zu den Verfehlungen aus, die man im Zuge der Kündigung weder Drössler selbst noch seinem Rechtsanwalt Miguel Bertoll genannt hatte. „Öffentlich an den Pranger gestellt“, habe sich sein Mandant gefühlt, beklagt Bertoll. Und weiter: „Ob die Vorgehensweise von den Beteiligten aus Ungeschicklichkeit, Stillosigkeit oder in verleumderischer oder beleidigen­der Absicht gewählt wurde, wird gegebenenfalls ein Richter zu beurteilen haben.“

Nachdem die örtliche Presse am Mittwoch ein zweites Mal über die Vorwürfe im Sozialzentrum St. Martin berichtet hatte, fährt Drössler in der Nacht zum Donnerstag mit dem Fahrrad zur Lechstaustufe 15 im Süden Landsbergs und nimmt sich das Leben. Stunden später läuft die Suche nach dem Vermissten an. Polizei, Feuerwehr und Wasserwacht sind unter anderem mit Hubschraubern und Booten im Einsatz; am späten Nachmittag bergen Taucher der Bereitschaftspolizei den Leichnam Klaus Drösslers.

Die schreckliche Todesnachricht bereits erahnend, stellt Drössler-Anwalt Bertoll fast zur selben Zeit in einer „persönlichen Stellungnahme“ zunächst fest, dass es sich um einen kirchlichen Arbeitgeber handle, dessen Einrichtung dem „gemeinsamen Werk christ­licher Nächstenliebe“ diene. Bertoll stellt infrage, „ob sich der Dienstgeber oder die für diesen handelnden Personen sich entsprechend dieser Grundsätze verhalten haben“.

Die Vorgehensweise des Aufsichtsrats jedenfalls findet Miguel Bertoll „ungeheuerlich“. Wer, wie im Fall Drössler, über jemanden derartige Behauptungen veröffentliche, bezwecke, dass derjenige keine andere adäquate Arbeitsstelle mehr finde und wolle dessen Ruf nachhaltig beschädigen.

Nach dem Tod Klaus Drösslers wollte sich keines der Aufsichtsratsmitglieder mehr zu dem tragischen Geschehen äußern oder waren telefonisch nicht erreichbar. Vorsitzender Dr. Rapp kündigte auf Anfrage des KREISBOTEN eine „persönliche Stellungnahme“ an. Sie liegt aktuell noch nicht vor, wohl aber die der Belegschaft des Sozialzentrums – versehen mit 25 Unterschriften.

Von „Befreiung“ ist in dem zweiseitigen Papier die Rede und auch davon, dass man dem Aufsichtsrat sehr dankbar sei, dass er sich „schützend vor uns gestellt“ habe. Dass dieser und die Mitarbeiter des Sozialzentrums St. Martin in der Öffentlichkeit für den Freitod Drösslers verantwortlich gemacht würden, nehme man „mit Bestürzung“ wahr.

Toni Schwaiger

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