Biker, kommt nach Landsberg!

Stadtrat lädt Biker zum Hauptplatzparken ein

Landsberg – CSU, Landsberger Mitte und UBV haben sich durchgesetzt: Die Stadt richtet auf dem Hauptplatz vor der Sparkasse zehn Stellplätze für Motorräder und Motorroller ein. Die Entscheidung fiel gestern Abend im Stadtrat mit knapper Mehrheit.

Die Befürworter der Maßnahme verwiesen darauf, dass der für motorisierte Zweiräder vorgesehene Parkplatz auf dem Infanterieplatz schwer zu finden sei; und der auf dem Spitalplatz werde zu stark genutzt. Daher würden viele Biker ohnehin auf dem Hauptplatz parken, zumal sie auch gerne ihr Bike im Blick hätten.

Wenn die Stadt ihnen kostenpflichtige Verwarnungen ausstelle, stoße das überregional auf Unverständnis. „Mehr Toleranz und Offenheit gegenüber unseren Gästen und Bürgern würde unsere Altstadt stärken“, hatten die Fraktionsvorsitzenden Hans-Jürgen Schulmeister (Landsberger Mitte) und Tobias Wohlfahrt (CSU) zuvor erklärt.

Auch Christoph Jell (UBV) unterstützte den Antrag: „Biker kaufen ja auch ein und konsumieren etwas“. Er wollte sogar noch weitergehen: Man könne doch am Sonntag die Fußgängerzone in der Ludwigstraße zum Biker-Parkplatz definieren. Diesen Vorschlag stellte Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) aber gar nicht erst zur Abstimmung. „Das geht in einer Fußgängerzone nun wirklich nicht.“

Gegenargumente kamen vor allem von den Grünen: „Wir wollten doch den motorisierten Individualverkehr auf dem Hauptplatz reduzieren“, wunderte sich Henrik Lüssmann. „Auf das Image einer Bikerstadt können wir verzichten“, meinte Dr. Andreas Hartmann. Außerdem sei es ein Widerspruch, die Verwaltung mit der Prüfung einer Mess-Station auf dem Hauptplatz zu beauftragen, weil man vermutet, dass die Schadstoffbelastung den errechneten Wert längst überschreitet, und gleichzeitig mehr Verkehr zuzulassen.

Ordnungsamtschef Ernst Müller konnte die faktische Einladung der Biker zum Haupt­platz­parken auch nicht nachvollziehen. Er verwies auf die Wide­rsprüche zum Konzept „Landsberg 2035“: „In all den Foren war immer von der Reduzierung des Verkehrs in der Altstadt die Rede, dagegen verstoßen Sie jetzt einfach“. Stadtrat Berthold Lesch (CSU) bestätigte die grundsätzliche Absicht zu einschneidenden Maßnahmen, meinte aber, man könne sie nicht jetzt verwirklichen, das müsse man später tun.

Wie das Parken abgewickelt werden soll, muss sich nun das Ordnungsamt überlegen; übereinstimmende Auffassung war zumindest, dass es nicht möglich sein soll, sein Motorrad auf dem Hauptplatz lange abzustellen oder gar überwintern zu lassen. Eine Art von „Kurzzeitparken“ solle verwirklicht werden; wie das kontrolliert werden kann, ist aber offen. Problematisch dürfte auch sein, was mit den Bikern geschieht, die neben der gekennzeichneten Zone parken, weil die zehn Stellplätze bereits genutzt werden. Erhalten sie dann Strafen oder erzeugt man damit erneut überregionales Unverständnis?

Einen unumstrittenen positiven Nebeneffekt gibt es: Aktuelle und künftige Besitzer von E-Rollern (noch 2018 kommt die Vespa Elettrica auf den Markt) sollen die Möglichkeit haben, ihr Fahrzeug am Hauptplatz aufzuladen, sofern die Prüfung durch die Stadtverwaltung ergibt, dass das möglich ist.

Werner Lauff

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