Jahresbilanz 2017 präsentiert

Sparkassen-Wachstum "mit Beigeschmack"

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Der Vorstand der Sparkasse Landsberg-Dießen (von links): Hans-Peter Träger, Roland Böck und Vorsitzender Thomas Krautwald.

Landkreis – Die Sparkasse Landsberg-Dießen hat ihre Bilanz für das Jahr 2017 vorgelegt. Alles ist im grünen Bereich: Einlagen, Kredite und die Bilanzsumme sind gewachsen. Erstmals haben Aktiva und Passiva die „Schallgrenze“ von zwei Milliarden Euro überschritten. Auch der Gewinn kann sich sehen lassen. Das derzeit noch im Eigentum des Kreises, der Stadt Landsberg und des Marktes Dießen befindliche Kreditinstitut hat aber, summarisch betrachtet, ein Problem: Es reibt sich in Kleinteiligkeit auf.

Das hat vor allem mit der Kräfte bindenden Regulatorik zu tun. „Die Aufsichtsbehörden verlangen von uns immer mehr hochmathematische und hochwissenschaftliche Berichte. Dabei ist der Erkenntnisgewinn gering“, klagte Vorstandsvorsitzender Thomas Krautwald in der Bilanzpressekonferenz. Immer höhere Anforderungen führten zu großem Umsetzungsaufwand; neue Vorgaben kämen mit immer größerem Zeitdruck daher. Die zeitweise genährte Hoffnung auf Reduzierung erfülle sich wohl nicht. „Wir plädieren für mehr Proportionalität in der Bankenaufsicht für mittelständische Institute“, sagte Krautwald.

Damit einher geht das Problem, dass die Sparkasse große Schwierigkeiten hat, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. „Personal ist das größte Thema, das wir im Moment haben“, klagte Krautwald. Das erstrecke sich nicht nur auf hochrangige Experten, sondern sogar auf Auszubildende: „Die Qualität der Bewerber ist signifikant gesunken. Viele Auszubildende, von denen wir glauben, dass wir sie gerade noch durch die Prüfung bekommen, springen zwischendurch wieder ab. Da haben wir Stress, da zieht Besorgnis auf.“

Kosten ohne Ertrag

Dazu trage auch die Digita­lisierung bei, die das Institut „vor sich her treibt“. Zwar stelle sich die Sparkasse dieser Herausforderung; besonderes Au­genmerk gelte derzeit dem Online-Bezahlverfahren „Paydirekt“, aber auch Diensten wie Kontowecker, Fotoüberweisung und eSafe, einem 2018 geplanten Schließfach für elektronische Dokumente. Die Digitalisierung erfordere aber auch viel Personaleinsatz, zumal Datenschutz und -sicherheit im Vordergrund stehen müssten: „Das sind hohe Kosten ohne unmittelbaren Ertrag“.

Insofern sei, so Krautwald, auch das zunehmende Einlagengeschäft ein „Wachstum mit Beigeschmack“. Die Sparkasse verwaltet nun Einlagen von 1,57 Milliarden Euro, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 6,2 Prozent entspreche. Aber 83 Prozent der Einlagen können täglich abge­- rufen werden, weil sie auf Tagesgeld- oder Girokonten liegen. „Dieses Geld können wir im Grunde nicht brauchen“, meinte Vorstandsmitglied Hans-Peter Träger; „das erhöht die Einlagen-Entgelt-Problematik für die Sparkasse“. Inzwischen zahlen Kommunen und Gewerbetreibende ab einem individuell festgelegten Sockel bereits „Verwahrentgelte“, also Negativzinsen. Privatkunden sind davon nicht betroffen.

Die Sondereffekte Personalmangel, Regulatorik, Digitalisierung und Niedrigzinsen führen nach Darstellung aller drei Vorstände auch dazu, dass der 2017er Gewinn mit geschätzten 18 Millionen Euro zwar in etwa auf Vorjahresniveau liegen wird; von den reinen Geschäftszahlen her könnte er aber höher sein. Das Ergebnis liege lediglich „leicht über Verbandsdurchschnitt“ und führe dazu, dass die Sparkasse ihre Position halte. Bei der letzten Prüfung durch die Bundesbank habe der Prüfer lapidar gemeint, es sei ziemlich langweilig, die Sparkasse Landsberg-Dießen zu prüfen, womit er wohl meinte, dass es nur noch wenige Institute gibt, die sich so stark mit klassischem Brot- und Butter-Geschäft befassen.

Fusion: Lösungen in Sicht

Das ist zwar ein Kompliment – wer will schon sein Geld einer „aufregenden“ Sparkasse anvertrauen? Aber es ist auch ein externes Alarmsignal. Letztlich lassen sich alle vier Herausforderungen nur dann bewältigen, wenn man die Qualität der Sparkassenangebote in einem komplizierten Finanzmarkt weiter erhöht und zugleich die Kosten reduziert. Deswegen ließen Krautwald, Träger und Vorstandsmitglied Roland Böck auch keinen Zweifel daran, dass sie weiterhin für die Sparkassenfusion eintreten.

Dazu bedarf es aber noch eines längeren Atems. Hinter den Kulissen wird über einige Themen, etwa einen Gewerbesteuerausgleich zwischen Dachau und Fürstenfeldbruck, noch verhandelt. Lösungen gibt es bereits bei zwei Themen, die den Kreis Landsberg betreffen. Sollte in der neuen Sparkasse über die Schließung von Geschäftsstellen entschieden werden, können sich die Vertreter des Kreises, der Stadt und des Marktes nicht überstimmen; das sieht der derzeitige Entwurf des Fusionsvertrages vor.

Geregelt ist wohl auch, was mit der Sparkassenstiftung geschieht. Ihr Vermögen von sieben Millionen Euro bleibt im Landkreis Landsberg und geht nicht in die neue Sparkasse Amper-Lech über. Sie soll wenn möglich eine „Verbrauchsstiftung“ werden und ihr Kapital nach und nach für gemeinnützige Zwecke im Landkreis ausgeben. Bisher darf sie nur die Erträge aus ihrem Vermögen ausschütten, nicht das Vermögen selbst.

Alle drei Vorstände betonten bei der Pressekonferenz, dass die Sparkasse nicht beabsichtige, sich aus der Fläche zurückzuziehen. Weitere Reduzierungen der personell besetzten Geschäftsstellen seien nicht geplant. Die Geschäftsstelle in Prittriching werde 2018 umgebaut. In Rott ist die Sparkasse auf der Suche nach neuen Räumen. Vielleicht kann da die eigene Immobilienabteilung helfen: Sie legte 2017 mit einer Ertragssteigerung von 25 Prozent ein glänzendes Ergebnis hin.

Werner Lauff

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