Spaziergänger und Gegendemonstranten in Landsberg

Die Maske als Erkennungszeichen

Spaziergang Landsberg 10. Januar
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Beim abschließenden Singen auf dem Hauptplatz: Die ‚Spaziergänger‘ hatten vorbereitete Zettel mit dem Liedtext von „Die Gedanken sind frei“ mitgebracht.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landsberg – Die Lechstadt ist beliebt: Am vergangenen Montagabend waren laut Polizeibericht rund 1.200 ‚Spaziergänger‘ in einem nicht angemeldeten Demonstrationszug in der Altstadt unterwegs. Die Kritiker der Corona-Maßnahmen liefen mehrere Runden, wobei sie die von der Initiative „Landsbergbleibtbunt“ (LBB) angemeldete Gegendemonstra­tion auf dem Hellmairplatz mit rund 250 Personen mieden. 

Der Hellmairplatz war dabei zur Ludwigstraße und zur Herzog-Ernst-Straße hin abgesperrt, ebenso der Marienbrunnen auf dem Hauptplatz, an dem gemäß Polizei und Landratsamt maximal 50 Personen zugelassen waren. Die zahlreich anwesenden Einsatzkräfte der Polizei Landsberg wurden durch einen Zug der Bereitschaftspolizei unterstützt. Nachdem die ‚Spaziergänger‘ abschließend wieder am Hauptplatz eintrafen, sammelten sie sich, ohne Abstand zu halten, zum Singen des Liedes „Die Gedanken sind frei“. Nach rund 30 Minuten deklarierte die Polizei nach dreimaligem Hinweis, Abstand zu halten, um 19.31 Uhr das Geschehen auf dem Hauptplatz als Versammlung und beendete sie. In der Pressemitteilung der Polizei Landsberg ist nur der Begriff „unangemeldete Versammlung“ zu lesen. Es gab keine nennenswerten Vorfälle.

Wie bereits bei den vorhergehenden ‚Spaziergängen‘ fragte die Polizei anfangs nach dem wie üblich nicht vorhandenen Versammlungsleiter, wobei das Megaphon so leise eingestellt war, dass „Lauter“-Rufe zu hören waren. Kurz darauf setzte sich der Zug wieder in Bewegung, anders als bisher aber über die Hintere Salzgasse, um den Hellmairplatz, wo rund 200 Gegen­demonstranten warteten, zu meiden. Aufgrund der Absperrungen der Ludwig­straße und der Herzog-Ernst-Straße war der Marienbrunnen der einzige Kontaktpunkt der beiden Gruppen. Die Demonstranten dort buhten die ‚Spaziergänger‘ aus, riefen „Ihr könnt nachhause gehen“, „Nazis raus“, „Maske auf“ oder auch „Impfen, Impfen, Impfen“. Einige ‚Spaziergänger‘ konterten mit „zu faul zum Arbeiten“ oder auch „Assoziale“. Vereinzelt gab es auch Gespräche zwischen ‚Spaziergängern‘ und Gegendemonstranten.

Die Teilnehmer der nicht angemeldeten Versammlung kamen auch aus anderen Landkreisen. Auf Telegram waren im Vorfeld mehrere Anfragen zu lesen, die einen Plan der diversen ‚Spaziergänge‘ anfragten, um mehrere nacheinander besuchen zu können. Ebenso wurde auf Telegram in einem Landsberger Chat die abgeänderte Route im Voraus kommuniziert.

Generell wenden sich die ‚Spaziergänger‘ gegen die Corona-­Maßnahmen. Eine Nachfrage bei Teilnehmern des ‚Spaziergangs‘, warum sie konkret dabei seien, blieb unbeantwortet. Man gehe auf Söders Anweisung spazieren, das sei ja gesund. Nochmals nachgefragt hieß es, man rede nicht mit der Presse, „denn ihr schreibt nicht, was wir sagen“. Eine andere Teilnehmerin antwortete, es sei doch „offensichtlich“, warum sie dabeigewesen sei. Dieses ‚Offensichtliche‘ nachgefragt, antwortete sie lediglich „alles gut“.

Die Absicht der Gegendemonstranten war deutlich zu erkennen: „Verantwortung ist kein Spaziergang“, oder „Schluss mit illegalen Demos“ kritisierte das bewusste Nichtanmelden der ‚Spaziergänge‘ sowie das Fehlen eines Versammlungsleiters. Aussagen wie „Kein Fußbreit dem Faschismus“ wiesen darauf hin, dass unter anderem die rechtsextreme Partei „Der III. Weg“ zu den ‚Spaziergängen aufgerufen hatte. Kritisiert wird hier vor allem die fehlende Abgrenzung der ‚Spaziergänger‘ gegen rechte, seien sie nun Organisatoren oder ‚Trittbrettfahrer‘.

Einen Kommentar zu dem „Montagsspaziergang“ lesen Sie hier.

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