Spendenaktion

Christophs Herzenswunsch: ein Therapierad

Christoph Seliger
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Für den schwerkranken Christoph ist ein E-Dreirad der größte Wunsch.

Fuchstal – Damit er bei aller körperlichen Einschränkung infolge einer schweren erblichen Krankheit wenigstens in gewissem Maß eigenständig und mobil sein kann, wünscht sich Christoph (26) sehnlichst ein Therapiefahrrad. Es handelt sich dabei um ein besonderes E-Bike, um ein Dreirad. Diese Räder sind besonders auf die Bedürfnisse körperlich behinderter Menschen zugeschnitten. Im Fuchstal ist nun eine außergewöhnliche Spendenaktion gestartet worden, damit der Herzenswunsch des jungen Mannes aus dem Ostallgäu bald in Erfüllung gehen kann. 

Im August war Christoph mit seiner Mutter Corina Seliger (54) und deren Partner aus Marktoberdorf, wo sie seit vier Jahren wohnen, nach Leeder gefahren. Er hatte sich über Therapieräder informiert und wollte unbedingt eines testen. Die Probefahrt im und vor dem Fachgeschäft „e-motion“ habe ihm richtig Freude gemacht, erinnert sich die Mutter.

Christoph brauche ein Dreirad, das wie jedes E-Bike mit Energie aus dem Akku versorgt wird. Auf einem normalen Rad sei er wegen Gleichgewichtsproblemen schon gestürzt, schildert die Mama. Auch die Schwäche der Muskulatur schreite voran. Mit dem E-Dreirad könne der Sohn, der sich krankheitsbedingt immer mehr zurückziehe, wieder mehr draußen unterwegs sein.

Regina Renz (links) und ihre Schwester Judith Schlögel zeigen, wie ein E-Dreirad aussieht, funktioniert und auch für therapeutische Zwecke geeignet ist.

Die betriebliche Krankenkasse leiste zu dem speziellen Fahrrad, das mehrere tausend Euro kostet, keinen Zuschuss, schildert Corinna Seliger. Eine finanzielle Förderung gebe es nur für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre. Auch ein Reha-Antrag für den Sohn ist abgelehnt worden.

Christoph stammt wie seine Eltern aus Thüringen. Ihn trifft das gleiche Schicksal wie seinen Vater. Der hatte auch die unheilbare Krankheit Chorea Huntington. Die letzten Jahre seines Lebens war er ein schwerer Pflege­fall, wurde vier Jahre mit der Sonde ernährt. Er starb 2014 im Alter von 44 Jahren.

Die Erbkrankheit bricht in der Regel um das 40. Lebensjahr aus, manchmal auch früher, und endet immer tödlich. Körpereigene Eiweiße zerstören nach und nach die Bereiche des Gehirns, die für die Steuerung der Muskeln und für mentale Funktionen notwendig sind. Die Lebenserwartung liegt nach Ausbruch der Krankheit bei 10 bis 15 Jahren; die letzten Jahre sind Betroffene meist ein schwerer Pflegefall.

Christoph Seliger absolvierte das Abitur bevor er ein Duales Studium in Wolfsburg begann. Doch schon mit 21 Jahren fiel eine Leistungsminderung auf. 2016 stellte sich in einem human­genetischen Test heraus, dass er bereits in jungen Jahren an der schlimmen Krankheit Chorea Huntington leidet. Die Mutter hat ihn vor vier Jahren zu sich nach Marktoberdorf geholt. Er ist auf deren Hilfe angewiesen.

Behandelt wird er an der Universitätsklinik Ulm. Der 26-Jährige ist in eine medizinische Studie eingebunden, um ein Medi­kament zu entwickeln, mit dem die schlimme Krankheit zumindest stabilisiert werden kann. Heilbar ist sie nicht, haben sich Mutter und Sohn von den Ärzten sagen lassen (müssen). Christoph geht seit 2017 tagsüber für mehrere Stunden in die Wertachtal-Werkstätten Kaufbeuren-Ostallgäu. Seine Mutter arbeitet als angestellte Physiotherapeutin.

Der junge Mann und seine Mutter waren dankbar für die Nachricht, dass Judith Schlögel mit ihren Kolleginnen des Fahrradgeschäfts eine Spendenaktion startet, zu der auch in den Sozialen Medien aufgerufen wird. Das schwere Schicksal habe sie „besonders berührt und nicht mehr losgelassen“, so Schlögel, die Ansprechpartnerin im Dreirad-Center ist

Übrigens: Das spezielle Bike will das Fachgeschäft „zum Selbstkostenpreis“ abgeben. Außerdem wollen die Angestellten ihre Trinkgeldkasse „plündern“. Damit auch sie einen Beitrag leisten können für den Herzenswunsch von Christoph: das Therapierad.

Wer helfen möchte: Judith Schlögel, Telefon 08243/9933-311, E-Mail j.schloegel@emotion-technologies.de.
Johannes Jais

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