Für ein würdevolles Grab

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Beim Spezialkurs für Gartenpfleger: Kurt Scherdi (Mitte) moderierte in seiner Hofstettener Gärtnerei den praktischen Kursteil „Floristik“ an.

Hofstetten – Ein Spezialkurs für Gartenpfleger hat kürzlich in der Gärtnerei Scherdi stattgefunden: „Zeitgemäße und würdevolle Gestaltung einer Grabstätte“. Veranstalter war der Bayerische Landesverband für Gartenbau und Landespflege, deren Kursleiterin Sabine Zosel immerhin 35 Gartenpfleger aus dem Freistaat und sogar aus der Schweiz begrüßen durfte.

Der Gartenpfleger als Multiplikator des Landesverbandes beantwortet Fachfragen, die im Zusammenhang mit dem Freizeitgartenbau stehen, hält Vorträge ab und bietet praktische Vorführungen an, um so als verlängerter Arm der Kreisfachberatung in den Gartenbauverei- nen tätig zu werden.

Den ersten Vortrag des Tages gestaltete Susann-Kathrin Huttenloher, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Landsberg. Ihr Thema: Grabgestaltung mit mehrjährigen Pflanzen. Sie machte deutlich, dass die Anwendung gärtnerischer Grundpraktiken auch für die Grabge­staltung gilt. Es käme bei der Bepflanzung einer Grabstelle genauso auf die Beachtung des Standorts, der Pflanzengestalt und -qualität an wie im Garten. „Besonders die Persönlichkeit des Bestatteten und seine Vorlieben sollten in der Bepflanzung nachgezeichnet werden und so bewahrt bleiben“, sagte Huttenloher.

Im Anschluss umriss Landesinnungsmeister Hermann Rudolph anhand einiger Bildern die aktuelle Situation unserer Friedhöfe. Erschreckend deutlich wurde die Tatsache, dass immer mehr Grabstellen aufgelöst und nicht wieder belegt werden können, ganze Friedhofsteile leer stehen und immer weniger Menschen sich traditionell erdbestatten lassen.

Diese Entwicklung habe auch bei uns Einzug gehalten und zwinge die Friedhofsträger dazu, sich andere Lösungen zu überlegen, weil eine Kostendeckung immer schwieriger werde. „Dem zu begegnen ist Aufgabe von uns allen“, so Rudolf, „auch die der Gartenbauvereine mit ihren Gartenpflegern.“ Neue Bestattungsformen müssten in die bestehenden Strukturen integriert weden. „Platz gäbe es genug“, so der Tenor des Landesinnungsmeisters.

Auch Anja Qayyum-Kocks, Fachlehrerin am Bildungszentrum für Gartenbau in Essen, arbeitete mit Bildern: aktuelle und moderne Gestaltungen von Grabstätten stellte sie vor – von der Planung bis zur Umsetzung. Sie ging dabei besonders auf den wichtigen Bezug zum Grabzeichen ein, der durch die Übernahme von Formen, Konturen und Farbe hergestellt werde, so dass Grabmal und Bepflanzung eine Einheit bildeten. Qayyum-Kocks wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die durch Friedhofssatzungen festgelegten Formen und Größen von Grabstätten teilweise nicht den Wünschen der Hinter- bliebenen entsprächen und nicht den persönlichen Trauerbedürfnissen ange- passt werden könnten.

Schließlich stand noch der praktischen Kursteil in der Gärtnerei von Kurt Scherdi an. Floristin Monika Scherdi stellte den Teilnehmern zeitgemäße Floristik zu Allerheiligen vor, die ohne großen Aufwand und entsprechende Vorkenntnisse nachgepflanzt und von den Teilneh- mern selbst gefertigt werden können. Gärtnermeister Claus Rankl gestaltete und bepflanzte anschließend mehrere Mustergräber und gab dabei Tipps zur Modellierung der Pflanzfläche, zur Anordnung der Pflanzen und des floristischen Grabschmucks.

Auch zur Pflege von Gräbern konnte Rankl viel von seinem Wissen und seiner Tätigkeit als Friedhofsgärtner vermitteln. Er zeigte, wie Einfassungen und Gehölze geschnitten, Flächen gesäubert und für die Pflanzung vorbereitet werden. Als Alternative zur Bepflanzung stellte er auch das Abdecken mit Tannenreisig vor.

Zum Abschluss durften die Kursteilnehmer ihre neu gewonnenen Kenntnisse selbst in der Bepflanzung einiger Mustergräber umsetzten. Sie waren sich darin einig, dass sie das Thema Grabgestaltung nach diesem Tag aus einer ganz anderen Perspektive betrachten und so zu einer Belebung und Erhaltung unserer Friedhofskultur beitragen können.

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