Kunst im Mini-Format

Landsberger Kunstautomat: Eine Galerie für fünf Euro

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Offensichtlich zwei der gleichen Art: Kunstautomatenbetreiber Gregor Netzer (links) und Barde Wolfgang Weise.

Landsberg – Nicht kleckern, sondern klotzen lautet die Devise des Landsberger Kunstautomaten. Denn Betreiber Gregor Netzer verspricht gleich ein ganzes Universum an Werken, die es in den sechs Schächten des umfunktionierten Zigarettenautomaten am Spitalplatz seit letzter Woche zu kaufen gibt. Universal ist auch der Bayer, der bei der Vernissage am Donnerstagabend zu hören war: Wolfgang Weise zupfte Weisen Johnny Cashs – anlässlich dessen 16. Todestages. Aber auch Lieder mit bayerischem Schmäh.

Auch Automaten-Galerist Netzer weiß Cash zu schätzen. „Wo war er stationiert, wo hat er seine erste Gitarre gekauft und wo seine erste Band gegründet?“, fragte er ins Rund der knapp 50 Gäste bei der Vernissage am Ruethenfestbrunnen. Natürlich in Landsberg – die Gemeinde wusste Bescheid.

Viele Kunstgattungen habe man im Kunstautomat schon abgehakt, berichtete Netzer. Aber dennoch seien in der nun 15. Spielzeit zwei neue Arten zu finden: einmal Rumjana Praxenthalers Glasarbeit „Bien“ und Wolfgang Weises „Gedichte, die das Leben schreibt“ – selbstgemachte Poesie auf großformatigem Seidenpapier in rot, kleinstgefaltet in der Zigarettenschachtel.

Fotografie sei gleich zweimal vertreten: mit Gabriele Rothweilers Serien aus Venedig „Blue Prints“ und „The Tempest“. Wobei der zitierte Sturm nicht der windige, sondern der der Touristenmassen in der Stadt der Brücken ist. Und mit Harry Sternbergs „en passant“: eine Galerie voller Handyschnellschnappschüsse. „Und wo bekommt man schon eine ganze Galerie für gerade mal fünf Euro?“, wirbt Netzer für die aus Zeichen-Karton gefaltete Fotowand. Skulptur ist durch Guliana Gerstini und Mariamaggdalena vertreten. Und in ihrem „Spiel mit der Natur“ verwandelt Gerstini natürliche Fundstücke zu Kunstwerken, während Mariamaggdalena für ihre „Köpfe“ die ‚unmenschlichen‘ Materialien Eisendraht und Mull verbindet.

Was den Automatenkunstkäufer bei Wolfgang Weises Gedichten erwartet, ließ der bayerische Barde auch gleich am Spitalplatz wohlintoniert und mit einem gerüttelt Maß an Humor erklingen: Kunst und Schönheit passten ja seit jeher gut zusammen. „Und deshalb heißt mein Lied ‚Ich bin so schön‘.“ 

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