Spitzenernte kündigt sich an

BBV-Kreisobmann Leonhard Welzmiller (links) und Manfred Schmid (rechts) zeichnete bei der jüngsten Erntepressefahrt ein gutes Bild vom Ackerbau im Landkreis. Foto: Osman

„Es ist lange her, dass wir so eine Spitzenernte erwarten konnten wie in diesem Jahr“, sagt Leonhard Welzmiller, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV). „Alle Früchte stehen hervorragend da. Das gilt für Hackfrüchte ebenso wie für Getreide und Grünland.“ Gute Aussichten also für die Landwirte im Landkreis Landsberg. Der Kreisobmann schränkt aber ein: „Man kann erst von einer guten Ernte sprechen, wenn alles unter Dach und Fach ist.“

Die diesjährige Erntepressefahrt führte nach Ramsach auf den Ackerbaubetrieb von Manfred Schmid. Der Nebenerwerbslandwirt bewirtschaftet rund 88 Hektar, baut Winterraps und Winterweizen, Sommergerste, Mais, Erbsen und Kleegras an. Die strenge Frostperiode im Februar habe den Feldfrüchten relativ wenig anhaben können, berichteten die Fachleute. Die Schneedecke zur rechten Zeit habe in der Region starke Auswinterungsschäden verhindert, wie sie unter anderem in Nordbayern zu beklagen waren. Schädling rückt näher Niedrige Temperaturen und kalte Nächte verlangsamten die Frühjahrsentwicklung der Vegetation. Der Bodenfrost im Mai verursachte beim Mais leichte Frostschäden, die sich jedoch mittlerweile ausgewachsen hätten, berichtete Welzmiller. Warum der Mais so stark in der öffentlichen Kritik steht, kann der BBV-Kreisobmann nicht nachvollziehen. „Mais produziert den meisten Sauerstoff von allen Feldfrüchten.“ Außerdem benötige er nur einen geringen Pflanzenschutzaufwand. Dauerhafter Maisanbau auf ein- und derselben Fläche sei ohnehin nicht möglich, ergänzte Albert Höcherl vom Landwirt­- schaft­samt in Fürstenfeldbruck. Der Anbau einer Zwischenfrucht sei als Schutz vor dem Maiswurzelbohrer ohnehin notwendig. Der aus Amerika eingeschleppte Schädling rücke ständig näher an die Region heran. „Österreich ist bereits durchseucht.“ Aktuell ist knapp ein Viertel der Ackerfläche im Landkreis Landsberg mit Mais bepflanzt. Zufrieden ist Landwirt Schmid mit dem Stand seiner Sommergerste, wenngleich er im Moment nicht weiß, wem er sie verkaufen wird. Vorverträge mit Braue­reien gebe es noch nicht. Die seien häufig auf der Suche nach dem günstigsten Preis und importierten Gerste aus dem Ausland. „Dabei sollte für bayerisches Bier auch bayerische Braugerste verwendet werden“, findet Schmid. Gute Preise erzielt heuer der Raps, doch auch er sollte frühestens alle vier Jahre auf einer Fläche angebaut werden. „Wo vorher noch nie Raps stand, sind die Erträge um 20 Prozent höher“, so Schmid. Dünger und Pflanzenschutzmittel sind so teuer wie noch nie und werden deshalb nicht „einfach so“ eingesetzt, sondern nur nach Bedarf, berichtete Höcherl. Würden Pflan­- zenkrankheiten auftreten, gebe das Amt einen „Spritzaufruf“ an die Landwirte heraus. Ohne Pflanzenschutz würden die Erträge um 20 Prozent geringer ausfallen. „Da hätten wir schon Hungersnöte“, so Welzmiller. Für Hobbygartler Der Wunsch nach gesunder Ernährung motiviert viele Menschen dazu, Salat und Gemüse selbst anzubauen. Schmid vermietet deshalb auf einer seiner Flächen 100 Meter lange Streifen an Ramsacher Bürger. Das kostet 25 Euro und einiges an Arbeit, „wird aber immer populärer“, weiß Schmid. Selbst die Karatoffelkäfer sammeln die Hobby­gartler in mühsamer Kleinarbeit zuverlässig von den Pflanzen ab. Land kaufen ist immer richtig, so heißt es – und es wird gerade in Zeiten von Inflationsangst und wackeligen Finanz­- märkten zunehmend praktiziert. Unternehmen und Privatleute kaufen landwirtschaftliche Flächen als sichere Geldanlage. Ein Beispiel liegt in unmittelbarer Nähe zu Schmids Äckern: eine mit Pappeln bepflanzte, ansonsten aber völlig ungepflegte Fläche, die einer Kemptener Entsorgungsfirma gehört. Gegen den Anbau von Energieholz hat der Landwirt nichts, gegen die wild wuchernden Unkräuter gleich neben seinen Äckern aber schon. „Als Landwirt schaut man, dass man seine Flächen sauber hält, und hier verkrautet alles.“

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