Auf der Spur der Temposünder

Halt Polizei: Obermeister David Zimmermann stoppt den nächsten Raser. Fotos: Peters

Es sind Zahlen, die erschrecken: 2953 Unfälle hat die Polizei im abgelaufenen Jahr im Landkreis Landsberg verzeichnet – so viele wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren. Bei knapp jedem zehnten Unfall war überhöhte Geschwindigkeit die Ursache, das entspricht einem Anstieg von 39,8 Prozent im Vergleich zu 2009. Nur einmal in den letzten zehn Jahren hatte die Polizei mehr Unfälle dieser Art aufgenommen. Grund genug für das Polizeipräsidium Oberbayern Nord, die Geschwindigkeitskontrollen im Landkreis Landsberg zu verschärfen.

Konzentriert blickt Christine Jaufmann durch den kleinen grauen Kasten, der auf einem schwarzen Dreibein vor ihr neben der Straße steht. Eine Hand hält den darunter angebrachten Griff des Geräts, wodurch es ein bisschen aussieht, als würde Jaufmann mit einer Waffe auf etwas zielen. Und tatsächlich ist das gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt, doch sind es keine Kugeln, die die Polizeimeisterin auf die entgegenkommenden Autos an der B17neu im Süden Landsbergs abfeuert, sondern es ist ein unsichtbarer Laserstrahl. Acht Teams unterwegs Jaufmann ist Teil eines dreiköpfigen Teams des sogenannten Einsatzzuges in Fürstenfeldbruck, welches an zwei Tagen jeweils sieben Stunden lang Geschwindigkeitskontrollen im Landkreis Landsberg durchführt. Insgesamt acht Teams hat das Polizeipräsidium Oberbayern Nord für die Aktion mobilisiert. Bis zu drei Mal wechseln die kleinen Einsatzgruppen pro Tag ihren Standort, um alle 22 zuvor ausgewählten Kontrollstellen abzudecken. Ausgewählt habe man die Plätze nach der Statistik, erklärt Polzeipressesprecher Peter Grießer. Dort, wo zuletzt am meisten Unfälle passiert sind, wollen die Beamten durch ihre Kontrollen Raser abschrecken. „Für uns ist wichtig, dass das ganze einen Verkehrssicherheitseffekt hat. Uns geht es nicht darum, möglichst viele Autofahrer zu bestrafen“, betont der Polizeioberkommissar. Jaufmann und ihre beiden Kollegen haben an der B17neu „Stellung bezogen“, direkt hinter der Abzweigung zur Lechrainkaserne parkt ihr VW-Bus ein wenig versteckt zwischen den Bäumen. Die Polizeimeisterin visiert die entgegenkommenden Fahrzeuge an, immer wieder piepst das Lasergerät. Dann auf einmal sagt Jaufmann laut: „121, silberner Opel.“ 121 Kilometer pro Stunde, das sind 21 mehr als auf der Bundesstraße erlaubt und liegt einen Stun­den­kilometer über der Grenze, ab der das Kontrollteam einschreitet. Für David Zimmermann ist es das Zeichen, den Fahrer anzuhalten. Mit gelber Schutzweste bekleidet streckt der Polizeiobermeister dem Verkehrssünder die rot-weiße Kelle mit der Aufschrift „Halt Polizei“ entgegen. Es folgt die übliche Prozedur: Zimmermann überprüft Fahrzeug- und Führerschein und klärt den Fahrer über sein Vergehen auf. 35 Euro kostet diesen sein zu schwerer Gasfuß, die Rechnung kommt mit der Post. Zu schnell sei er gewesen, weil er in die Arbeit müsse, sagt der Kontrollierte entschuldigend, ehe er weiterfährt. „Das hören wir sehr oft“, sagt Zimmermann. Nicht immer zeigen sich die Temposünder jedoch so einsichtig wie in diesem Fall. „Manche führen sich natürlich auch ziemlich auf“, erklärt Jaufmann, von „Abzocke“ sei dann oftmals die Rede. Doch daran haben sich die drei Beamten längst gewöhnt. Nur Strafen helfen Auch der nächste Autofahrer, den sie kontrollieren, reagiert äußerlich gelassen. Dabei droht ihm ein Monat Fahrverbot, nachdem er bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres deutlich zu schnell in eine Geschwindigkeitskontrolle geraten ist. Für Grießer sind derartige Strafen ein Mittel zum Zweck. „Reine Ermahnungen haben leider keine Wirkung. Nur Punkte und Geldstrafen bringt die Leute dazu, sich am Riemen zu reißen.“ Nach zwei Stunden brechen Jaufmann und ihre Kollegen ihre Zelte ab und wechseln zum nächsten Kontrollpunkt. Nach den beiden Einsatztagen werden die acht Teams 671 Autos angehalten haben, deren Fahrer sich nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit hielten. 232 Mal waren die Temposünder derart schnell unterwegs, dass sie einen Eintrag im Flensburger Verkehrszentralregister erhielten. Am eiligsten hatte es dabei ein Autofahrer vor dem Kreisverkehr am Knotenpunkt B17neu/A96. Statt erlaubter 80 km/h bretterte er mit 142 Stundenkilometer über die Bundesstraße. Die Strafe: vier Punkte, 440 Euro Bußgeld und zwei Monate Fahrverbot. Wie gefährlich eine nicht angepasste Geschwindigkeit sein kann, zeigte sich am vergangenen Sonntag auf schreckliche Art und Weise weiter nördlich auf der B17neu. Ein Motorradfahrer touchierte kurz nach der Auffahrt Igling beim Überholen die Leitplanke und stürzte. Der 27-Jährige starb noch an der Unfallstelle.

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