Heimat- und Trachtenverein Dießen

Spurensuche nach Dießener Tracht

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Bei der Übergabe der Dokumention dabei waren (von links)Andreas Huber, Stefan Hirsch, Barbara Blankenburg, Peter Kaindl, Bürgermeister Herbert Kirsch sowie Sepp und Leni Kaindl.

Dießen – Schwer zu tragen hatten Bürgermeister Herbert Kirsch und Archivarin Barbara Blankenburg. Vier prall gefüllte Ordner mussten ins Gemeindearchiv im Dachgeschoss des Rathauses: die Trachtendokumentation des „Heimat- und Trachtenvereins d‘Ammertaler Dießen-St.Georgen“ mit über 300 Dokumenten und 549 Negativen, zusammengetragen und chronologisch aufbereitet in jahrzehntelanger Detektivarbeit von Sepp Kaindl und fleißigen Helfern in Dirndl und Lederhose.

„Dieser wertvolle Schatz soll jetzt für jedermann zugänglich sein“, betonte Initiator Kaindl bei der offiziellen Übergabe an Kirsch im Vereinsheim. Nach Terminabsprache mit dem Gemeindearchiv kann man die Spurensuche nach der „Dießener Tracht“ und ihre Entwicklung anhand von Original-Dokumenten nachvollziehen. Ein ortstypisches Gewand existierte eigentlich nicht. Zwar gab es schon 1892 eine Lederhosen-tragende Schuhplattler-Gesellschaft, wie alte Zeitungsausschnitte belegen. Aber erst 1920 wurde der „Gebirgstrachten-Erhaltungsverein d‘Ammertaler Dießen-St.Georgen“ aus der Taufe gehoben. Der Verein bevorzugte die Werdenfelser Tracht und war fortan bei kirchlichen und gesellschaftlichen Ereignissen in der Ammersee-Region dabei.

Ein Umdenken setzte erst 1985 ein, als der Verein begann, die Kultur des „heimischen Gewands“ zu erforschen. Über Anzeigen rief man die Bevölkerung zur Mitwirkung auf. Mit Erfolg. Alte Fotos, Zeitungsausschnitte, Postkarten, Zeichnungen und viele gut gehütete Originalgewänder und Kopfbedeckungen, auch Trachtenschmuck kamen zutage. Zusammen mit den Erzählungen der Älteren bei „Hausbesuchen“ von Sepp, Peter und Leni Kaindl ergab sich ein Bild der hiesigen Kleiderkultur in zwei Jahrhunderten. Viele sprachen von der „Fischertracht“ wegen den auffälligen Otterfellhauben der Damen. Die hohen Kopfbedeckungen waren aber nicht nur für Dießen typisch, sondern für nahezu alle Fischergemeinden im Fünfseenland. Dank des wertvollen Materials belebte der „Heimat- und Trachtenverein d‘Ammertaler Dießen-St.Georgen“, wie er sich jetzt nannte, die einstige Regionaltracht, zum Beispiel mit dem Festtagsgewand in neuen Materialien – nach dem Motto „Das Alte bewahren als Wurzel für Neues“. Den Initiatoren Sepp und Peter Kaindl stand der damalige Bezirksheimatpfleger Stefan Hirsch mit Rat und Tat zur Seite. Und mit einer Geldspritze, denn so eine neu gestaltete Mustertracht ist eine teure Angelegenheit. Allein die Otterfellhaube kostet rund 800 Euro.

Das komplette und umfangreiche Archiv der Trachtenforschung ging jetzt in den Besitz der Marktgemeinde über. Kirsch sprach seinen Dank aus und freute sich auf die Höhepunkte des Jubiläumsjahres 2020, für das er die Schirmherrschaft übernommen hat. Auch wenn er dann nicht mehr Gemeindeoberhaupt sein wird, feiert er mit beim Dreifach- Vereins-Geburtstag „100 Jahre Trachtenverein“, „50 Jahre Spielmannszug“ und „45 Jahre Alphornbläser“. 
Dieter Roettig

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