Srownal-Premiere im Taubenturm

Vorbei an einem Gesicht aus Stein, das in sich versunken in vergangene Zeiten zurückblickt, und einem Relief, das ein Rudel fliehender Wölfe zeigt, stieg man jüngst die ausgetretenen Stufen des Taubenturms hinauf. Ein wunderbares Entree für die Ausstellung der Künstler Angelika und Franz Srownal, die mit dem Titel „Elemente des Kreatürlichen – eine Annäherung“ im historischen Domizil des Heimatvereins Dießen ausstellten.

Geradezu archaisch muten die Arbeiten der Bildhauerin an, die ihre bevorzugten Werkstoffe, Muschelkalk, Sandstein und Tuff, mit traditionellen Bildhauerwerkzeugen bearbeitet. Wie ein bewegendes Spiel mit Raum und Zeit, mit Fläche und Linie wirken die Gemälde von Franz Srownal. Arbeiten, die mit denen seiner Frau nicht zuletzt durch die bevorzugt erdigen Naturfarben in einen wunderbar schönen Dialog treten. Beide Künstler sind der Archäologie, der grauen Vorzeit, sehr verbunden. Franz Srownal nicht zuletzt durch seine Tätigkeit als Archivar der Stadt Germering. Hier beteiligt er sich an Ausgrabungen, die bis in die Jungsteinzeit zurückreichen. Seine Farben – insbesondere die mit der größten Intensität – stellt der Künstler gerne selbst her. Im Gespräch mit den Betrachtern wird er nicht müde zu beschreiben, wie er seine leuchtend rotbraune Rostfarbe gewinnt, mit der seine Werke gerne akzentuiert und kommentiert. Srownal geht es darum, den malerischen Prozess, das Zusammenwirken von Flächen, Strukturen und Linearem nachvollziehbar zu machen und den Betrachter posthum in den Entstehungsprozess einzubeziehen. Eine Entdeckungsreise, die manchmal für einen Augenblick scheinbar Kreatürliches offenbart, um es dann wieder im Strudel der Gezeiten verschwinden zu lassen. Angelika Srownal nutzt, was ihr ihre Materialien mit auf den Weg geben. Maserungen im Stein sind willkommene Botschaften aus der Vergangenheit, die ihre zarten Gesichter aus Regenbogentuff als Haar umhüllen, ihnen Augenbrauen oder eigenwillige Gesichtszüge verleihen. Die raue Oberfläche des Muschelkalks gibt dem Fell einer aus ihm hervor gezauberten Katze Struktur oder verleiht stolzen Häuptern Verwitterungseffekte, eine Art epische Patina. 1987 begründeten die Srownals (www.ammerseeart.de) die „Ateliergruppe 27“ in Germering, seit acht Jahren leben sie (wieder) in Dießen, im „Malerwinkel“ St. Alban. Die aktuelle Ausstellung ist seitdem die erste Präsentation der studierten und renommierten Künstler in ihrem Wohnort. Franz Srownal, der 2005 mit dem Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis und mit der Bayerischen Denkmalschutzmedaille ausgezeichnet wurde, möchte noch heuer, in seinem 60. Lebensjahr, seine Werkbiographie mit Texten von Professor Franz Josef van der Grinten veröffentlichen.

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