Nach Bürgerprotest:

Der Sarkophag am Brunnen verschwindet wieder

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Der Radlader steht schon bereit: Der rund 70 Zentimeter hohe Sichtschacht am Marienbrunnen soll nach massiven Bürger- und Ratsprotesten wieder verschwinden.

Landsberg – Der Druck aus der Bürgerschaft und der Politik war offensichtlich zu groß, deshalb entschloss sich die Verwaltungsspitze um Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) zum geordneten Rückzug: Der vieldiskutierte Sichtschacht am Marienbrunnen wird wieder entfernt.

Darauf haben sich am Montagabend die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen und Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller (CSU) geeinigt. Ob dieses Schicksal auch dem umstrittenen Bushäuschen widerfährt, ist im Moment noch offen.

Kaum ein Detail des Hauptplatzumbaues, vom Bushäuschen mit den unterschiedlichen Sitzhöhen mal abgesehen, hat die Gemüter zuletzt so erregt, wie der Sichtschacht. Er soll nicht nur den Blick auf die Gewölbereste des alten Rathauses ermöglichen, sondern das bronzene Blinden-Stadtmodell tragen, das der Rotary-Club Landsberg spenden möchte.

Nach der „absoluten Freigabe vom Stadtrat“ hat die Bauverwaltung um Stadtbaumeisterin Annegret Michler den Betonschacht im städtischen Bauhof gießen (Kostenpunkt: 5000 Euro) und danach direkt neben dem Marienbrunnen installieren lassen – zum Entsetzen vieler Lechstädter und auch der Stadtratsmehrheit, die sich von der Verwaltung überrumpelt fühlte. Erst die SPD, dann die Grünen und schließlich die UBV forderten die Beseitigung des 76 Zentimeter hohen Betonklotzes. Von „scheußlicher Sarkophag“, „Sautrog“ und „Pferdetränke“ war nicht selten die Rede.

Auf Einladung von Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller, die urlaubsbedingt derzeit OB Neuner vertritt, kamen am Montag die Fraktionschefs zusammen und einigten sich mit der Verwaltungsspitze auf den Rückbau des Beton-Monstrums vor dem Marienbrunnen. In seiner nächsten Sitzung am 11. September wird der Stadtrat über das weitere Vorgehen beraten.  

Schnellstmöglich solle der Betonschacht entfernt werden, so Pressesprecher Andreas Létang, das sei für den Bauablauf auf dem Hauptplatz am besten. Die Grube und somit das derzeit noch sichtbare Gewölbe werde mit Kies verfüllt, dann komme Pflaster drauf, fertig. Über die Sichtbarmachung des alten Rathauses können man sich ja später noch Gedanken machen. Und der Betonschacht selbst? Den könne man ja komplett abheben, weiß der Pressesprecher. Über den Verbleib des „scheußlichen Sarkophages“ (Dieter Völkel, SPD) vermag er ebenso wenig zu sagen, wie über die Kosten der bisherigen „Sichtbarmachung“. Eines aber sei sicher: Eine begehbare Glasplatte, wie etwa von Grünen-Rat Jost Handtrack gefordert, scheide unter anderem aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht aus.

Nur ein Bushäuserl

Während der Sichtschacht am Brunnen schon wieder Geschichte ist, steht das ebenfalls heftig diskutierte Bushäuschen am Hauptplatz noch. Wenn es nach Tiefbauamts-Chef Hans Huttenloher geht, wird sich daran trotz Kritik aus dem Landesamt für Denkmalpflege auch nichts ändern. „Das bleibt so stehen, wie es ist“, sagt er auf Nachfrage des KREISBOTEN, „natürlich nur, wenn der Stadtrat nicht noch etwas anderes beschließt.“

Das wiederum könnte durchaus passieren. Grünen-Stadtrat Jost Handtrack monierte bereits vor einiger Zeit öffentlich, dass das Häuschen die Sicht auf den Marienbrunnen von Süden aus komplett verdeckt. Inzwischen hat sich auch die UBV-Fraktion klar gegen „das Monstrum aus Glas und schwarzem Stahl“ (Christoph Jell) positioniert. Jells Meinung ist klar: „Das Bushäuschen gehört da nicht hin, die Bäume auch nicht. Die Sichtbeziehungen auf dem Platz werden damit zerstört.“

Die Mehrheit der Stadträte ist bei diesem Punkt momentan zurückhaltender: Die CSU-Fraktion hatte sich zwar schon einige Tage zuvor neben dem Sichtschacht auch die Haltestelle genauer angesehen, bei der Zusammenkunft aller Fraktionsvorsitzenden kam man am Montag dann aber überein, erst einmal abzuwarten – eventuell werde der störende Eindruck des neuen Bauwerks ja gemindert, wenn erst einmal die vier Platanen darum herum gepflanzt sind, lautet die Hoffnung.

Diskutiert wurde auch die Frage, warum das Bushäuschen überhaupt (entgegen der ursprünglichen Planung) in die Mitte des Platzes rückte und warum es dabei seine Größe vervielfachte. Erstaunlich: Zwingende Gründe gibt es dafür offenbar nicht, die Glas-Stahl-- Konstruktion hätte durchaus an anderer Stelle errichtet, kleiner ausfallen oder ganz weggelassen werden können; man entschied sich aber in der Verwal­tung dafür, mehr überdachte Sitzgelegenheiten unterschiedlicher Höhen zu schaffen.

"Nicht korrekt"

Diese aktuelle Ausführung findet nach Informationen des KREISBOTEN wiederum beim Landesamt für Denkmalpflege keinen Gefallen, genauso ist man dort weiterhin strikt gegen die Anpflanzung von Bäumen auf dem historischen Platz. Eine Haltung, die Hans Huttenloher nicht nachvollziehen kann. „Sämtliche Änderungen in der Planung sind immer wieder mit dem Landesamt abgesprochen worden“, betont der Bauleiter, „wenn man dort jetzt so tut, als wüsste man von nichts, ist das nicht korrekt.“ Schriftlich hat man das zwar nicht, aber: „Wir haben die Pläne zur Stellungnahme hingeschickt.“ Die Zustimmung sei telefonisch er­folgt, sagt er und will diese Chronologie auch dem Stadtrat vorlegen.

Bereits geklärt ist indessen, dass das Gremium selbst über die Änderungen informiert worden war, wenn auch eher beiläufig: Bei der Sitzung im Juni 2011 wurde auch ein Umbauplan für den Hauptplatz auf die Leinwand projiziert. Dabei war das Wartehäuschen erstmals an der neuen Stelle eingezeichnet – zuvor war es auf Höhe der Filiale der Deutschen Bank vorgesehen. Angesprochen wurde dieser Punkt allerdings nach der Erinnerung mehrerer Stadträte nicht.

Toni Schwaiger/Christoph Kruse

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