Sanierungsfall Jesuitenkolleg

Stadt Landsberg erwägt Übernahme des Gebäudes

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Die Sanierung des ehemaligen Jesuitenkollegs in Landsberg wird teurer als gedacht: Statt knapp sieben Millionen Euro stehen jetzt eine Million Euro mehr im Raum.

Landsberg – Die Sanierung des Jesuitenkollegs wird teurer als gedacht. Statt der bisher angesetzten 6,9 Millionen Euro steht nun eine Summe von acht Millionen Euro im Raum. Deshalb soll geklärt werden, ob vorerst eine Notsanierung ausreicht. Außerdem beschloss der Stadtrat, ein Verkehrswertgutachten in Auftrag zu geben. Grundsätzlich kann man sich vorstellen, das Gebäude zu übernehmen. Die Entscheidung fiel nach heftiger Diskussion mit neun Gegenstimmen.

Denkbar ist, dass die Sanierungskosten zwischen Stadt und Stiftung aufgeteilt werden, und zwar entsprechend der geplanten Nutzungen. Die Stadt würde in diesem Fall den Anteil für Nord- und Ostflügel übernehmen (4,2 Millionen Euro), wo VHS- und Büroräume geplant sind. Auf die Stiftung entfiele die Sanierung des für Wohnnutzung vorgesehenen Westflügels (3,8 Millionen Euro). Das Gebäude würde aber laut Kämmerei weiterhin ein Defizit erwirtschaften, zumal die Stadt im Gegenzug für ihren Sanierungsbeitrag für einen bestimmten Zeitraum - die Rede ist von 30 Jahren – keine Miete für die von ihr genutzten Räume zahlen würde.

Als Alternative könnte die Stadt Landsberg das denkmalgeschützte Gebäude aber auch komplett übernehmen, sprich, der Stiftung abkaufen. Aus Sicht der Verwaltung wäre das der bevorzugte Weg, um – wie es im Sachvortrag heißt – „die Heilig-Geist-Spital-Stiftung auf gesunde Füße zu stellen und auch in Zukunft einen möglichen Stiftungszweck finanzieren zu können“.

In seiner Rolle als Stadtrat – denn die Gremiumsmitglieder sind in diesem Fall auch Stiftungsräte – sah Christian Hettmer (CSU) es allerdings nicht ein, „ein heruntergekommenes Gebäude zu sanieren und dann auch noch einen Kaufpreis dafür zu zahlen“. Eher müsse die Stiftung „noch etwas drauflegen“.

Hettmer schlug vor, den Westflügel bei der Stiftung zu belassen, Nord- und Ostflügel aber an die Stadt zu übertragen. Hier könnten unter Umständen Räumlichkeiten an den Bezirk vermietet werden, der Interesse an Speisesaal und Küche hat. Die Stiftung wiederum könnte den Wohnteil an den Landkreis vermieten. Bliebe sie dennoch auf einem Defizit sitzen, gelte es, ihr die fehlende finanzielle Leistungsfähigkeit zu bescheinigen.

An dieser Stelle widersprach Stefan Meiser (ÖDP) vehement – für ihn wäre das der erste Schritt hin zur Auflösung der Stiftung. Er plädierte zunächst für eine Notsanierung, damit sich die Gebäudesubstanz nicht weiter verschlechtert. Damit würde man Zeit gewinnen, um die zukünftigen Eigentumsverhältnisse, die Nutzung und die Finanzierung zu klären.

Während Meiser bereits seit geraumer Zeit dafür eintritt, die Stiftung wieder zu verselbstständigen, möchte Petra Ruffing (CSU) sie dauerhaft bei der Stadt belassen. Die Problematik, in der die Stiftung stecke, werde am Beispiel des Jesuitenkollegs deutlich. „Wenn die Stiftung in Schwierigkeiten ist, soll die Stadt einspringen und sich ansonsten zurückhalten.“

Auch Fraktionskollege Berthold Lesch möchte nicht, dass „die Stadt die Bad Bank für die Stiftung“ ist. Er schlug vor, in dem Gebäude Satellitenarbeitsplätze zu schaffen und sie dem Freistaat anzubieten. Was allerdings offenbar noch niemand bedacht habe, sei das Thema Parkplätze. „Wir brauchen dort 50 bis 70 Stück – die habe ich noch nirgendwo gesehen.“

Felix Bredschneijder (SPD) möchte, dass das Gebäude komplett an die Stadt geht. „Die Stiftung braucht es nicht.“ Dazu müsse man den Verkehrswert ermitteln, so OB Mathias Neuner (CSU) – und der werde, trotz des sanierungsbedürftigen Zustands, „nicht null sein“.

In Einzelbeschlüssen wurde die Verwaltung beauftragt, Umfang, Kosten und Folgekosten einer Notsanierung zu ermitteln. Dabei sollen auch die Kosten einer Nachnutzung untersucht werden. Die Kosten für das zu beauftragende Wertgutachten teilen sich Stadt und Stiftung.

Ulrike Osman

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