Kein blinder Aktionismus

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Längst überfällig aber im kommenden Jahr finanziell nicht Darstellbar: die Sanierung des Bayertores.

Landsberg – Die Finanzlage ihrer Stadt macht den Landsbergern große Sorgen. Das Thema nahm bei der Bürgerversammlung erwartungsgemäß breiten Raum ein. „Zeigen Sie uns Wege, wie wir aus den Schulden herauskommen“, forderte ein Zuhörer von OB Mathias Neuner.

Besagter Zuhörer meinte damit nicht nur die Stadt, sondern auch die defizitären Stadtwerke. Deren Vorstand Norbert Köhler sprach prompt von einer Anhebung der Parkgebühren und auch davon, dass die Höhe der Wasser- und Kanalgebühren demnächst im Verwaltungsrat diskutiert würde.

„Uns steht das Wasser bis zum Hals“, gab Kämmerer Peter Jung zu. Ein Bürgerantrag lautete deshalb auf Verhängung einer Haushaltssperre und darauf, alle nicht notwendigen Ausgaben auf den Prüfstand zu stellen. Zwar ist eine Haushaltssperre in der jetzigen Situation wohl rechtlich nicht mehr möglich, doch will die Stadt vorläufig keine Neuinvestitionen außerhalb der Pflichtaufgaben vornehmen. Neuner verwies unter anderem darauf, dass man die 800000 Euro teure Sanierung des Bayertors und auch die des Mutterturms schieben beziehungsweise streichen müsse. Geld nicht auszugeben, das man ohnehin nicht habe, sei allerdings noch kein Sparen, wie ein Zuhörer anmerkte.

Auch der Stadtverwaltung galten kritische Kommentare. Ein Anwesender warf der Stadt vor, 2010 und 2011 in eine „Beförderungsorgie“ verfallen zu sein, die die Personalkosten um neun Prozent in die Höhe getrieben habe. „Das ist eine absolute Katastrophe.“ Man sei dran an der Überprüfung des Personals, versicherte Neuner und sprach von einer „leichten, gesunden Verschlankung“, die sicherlich möglich sei. Kämmerer Jung will ein Umdenken in der Verwaltung bemerkt haben. Aus den Reihen der Mitarbeiter kämen plötzlich Anregungen, wie die Verwaltungsarbeit effizienter werden könne, „und es sind tolle Vorschläge dabei.“ Er warnte jedoch vor blindem Aktionismus.

Neben den städtischen Schulden in Höhe von rund 51 Millionen Euro stehen auch die Stadtwerke mit 29 Millionen Euro erheblich in der Kreide. Wie hier Abhilfe geschaffen werden könne, wollten die Anwesenden von Stadtwerke-Vorstand Norbert Köhler wissen. Der wies auf substanzielle Probleme hin. Das Inselbad fahre von Haus aus ein Minus ein. Die Parkgebühren seien viel zu gering angesetzt. „Mit dem, was wir auf der Waitzinger Wiese einnehmen, kann man nicht mal das Schneeräumen im Winter bezahlen.“ Das Stromnetz, das die Stadt von den Lechwerken (LEW) gekauft hat, verursacht offenbar auch Kosten, mit denen man im Vorfeld nicht gerechnet hatte. „Als klar war, dass die Stadt das Stromnetz kauft, haben die LEW die Wartung eingestellt“, schilderte Köhler. „Jetzt gibt es Nachholbedarf.“ 

OB Neuner wies abschließend darauf hin, dass nicht alles nur unter finanziellen Gesichtspunkten gesehen werden könne. „Die Stadt ist keine Firma, die gewinnorientiert arbeitet. Es geht nicht immer nur ums Geld.“ Ulrike Osman

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