Im Stadttheater Landsberg:

Ein Ehrungsabend in neuem Format

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Der Träger des Goldenen Ehrenrings Prof. Franz Bernhard Weißhaar im Gespräch mit Stadtpfarrer Michael Zeitler (rechts) und Oberbürgermeister Mathias Neuner (links).

Landsberg – Kann man eine Auszeichnung von 10 Persönlichkeiten mit 30 Laudationes und Danksagungen so gestalten, dass man als Zuschauer nicht vor lauter Lob (der Ehrenden) und Selbstlob (der Geehrten) das rasche Ende der Veranstaltung herbeisehnt? OB Mathias Neuner bewies am Freitagabend im Stadttheater: Man kann. Der „Ehrungsabend“ der Stadt Landsberg geriet dank geschickter Konzeption zu einem amüsanten und interessanten Erlebnis.

Dabei erfand der OB das Rad nicht neu, sondern machte Anleihen beim Fernsehen. Sein „Format“ war: Begründung für die Ehrung, Übergabe der Insignien „Ehrenring“ oder „Bürgermedaille“, ein „Podiumsgespräch“ am Stehtisch mit Hilfe eines „Experten“, der den Geehrten gut kennt, Überreichung der großformatigen Urkunde und Abschlussfoto. Neuners Idee war zwar nicht immer umsetzbar; mancher Interviewer erzählte über den Geehrten lieber Anekdoten anstatt ihm Fragen zu stellen. Das Konzept hatte aber einen Vorteil: Es nahm dem Anlass jede potentielle Peinlichkeit und ermöglichte einen veränderten Blickwinkel auf die Geehrten.

Vom „Oberbürgermeister a.D.“ zum „Altoberbürgermeister“: Franz-Xaver Rößle.

Hätte man sonst erfahren, dass Stadtrat Dr. Reinhard Steuer (Goldener Ehrenring) sein schon in jungen Jahren begonnenes politisches Engagement unmittelbar aus seiner (klösterlichen) Schulausbildung ableitet? Dass Feuerwehrkommandant Karl-Heinz Novy (Silberne Bürgermedaille) noch immer an den Verkehrsunfall mit mehreren Toten denkt, zu dem er vor langer Zeit, noch vor dem Bau der A96, gerufen wurde? Und dass Franz-Xaver Rößle (der den Ehrentitel „Altoberbürgermeister“ erhielt) eigentlich gar nicht OB werden, sondern Richter bleiben wollte, und der abrupten Nominierung durch Rasso Leitenstorfer nur zustimmte, weil er mit einer erneuten Kandidatur von Hanns Hamberger und daher seiner eigenen Niederlage rechnete?

Die Bindung stärken

Das alles war erfrischend (wozu die Musik von „Hailix bLECHle“ unter der Leitung von Hans-Günter Schwanzer beitrug) und ging weit über die üblichen Pflichtmitteilungen von Ehrungsgründen hinaus. Dem vor Kurzem aus dem Amt ausgeschiedenen evangelischen Pfarrer Detlev Möller (Silberne Bürgermedaille) entlockte sein katholischer Amtskollege Michael Zeitler das Geständnis, dass er bei der ersten Bestattung in Thaining fast ins offene Grab gestürzt wäre, weil er mit einem Böllerschuss bei der Aussegnung nicht gerechnet hatte – „ich kannte die Gepflogenheiten noch nicht“.

Freilich ging es in den Interviews und Nachfragen nicht nur um Kuriosa. Möller berichtete über die Verbindungen, die er zur muslimischen Gemeinde aufgebaut hat. Bei einer Türkeireise vor vielen Jahren habe er die Freundlichkeit der Türken verspürt; er finde sie hier in Landsberg wieder. Deswegen sei ihm die Differenzierung zwischen Islam und Islamismus wichtig. Gerade jetzt gelte es, die Bindung zu stärken: „Politik bildet nicht das ganze Leben ab und der türkische Präsident nicht die ganze Türkei“, betonte Möller.

Über Anton Hafenmaier (Goldener Ehrenring) berichtete Zeitler, in seinen 40 Jahren als Kirchenpfleger habe er „27 Millionen Euro gesammelt und auch wieder ausgegeben“, unter anderem für jeweils zwei Restaurierungen der Stadtpfarrkirche, der Johanniskirche, von St. Benedikt in Sandau und der Heilig-Kreuz-Kirche. 45.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit habe Hafenmaier geleistet – „Sie haben neben Ihrem Beruf über Jahrzehnte einen zusätzlichen, unbezahlten Halbtagsjob in der Pfarrei ausgeübt – das ist wirklich beeindruckend“.

Ehrenring posthum

Zeitlers Rolle als Co-Moderator des OB erstreckte sich auch auf die Ehrung von Professor Franz Bernhard Weißhaar (Goldener Ehrenring), der die Renovierung der Landsberger Kirchen seit 2001 künstlerisch begleitet. Der Theologe und frühere Hochschullehrer an der Akademie der Bildenden Künste München hob im Interview die Bemühungen um die Wiederherstellung von St. Benedikt in Sandau hervor; allerdings habe Stadtpfarrer Gabriel Beißer die Bereitstellung von Geldern damals davon abhängig gemacht, dass er in der Kirche auch wieder predigen könne – „sonst gibt`s nix“.

Posthum verlieh die Stadt Landsberg den Goldenen Ehrenring an Bernhard Ott. Eine Urkunde nahm seine Tochter Anita entgegen. Die Laudatio hielt Stadtrat Harald Reitmeir (CSU): „Bernhard Ott stellte sich stets in den Dienst der Gemeinschaft. Er hatte immer eine klare Meinung und auf ihn war jederzeit Verlass.“ Die Städtepartnerschaft mit Waldheim habe Ott intensiv gepflegt; „der jährliche Besuch beim Waldheimer Stadtfest war für ihn ein Fixtermin“. Ott hätte sich über den Goldenen Ehrenring „unsagbar gefreut“. Ott (CSU) gehörte dem Landsberger Stadtrat über 20 Jahre an; dies gilt auch für Dr. Andreas Hartmann (Grüne), Reinhard Skobrinsky (BAL), Ludwig Kaiser (SPD) und Dr. Reinhard Steuer (UBV), die jeweils Goldene Ehrenringe erhielten. Sie befragte der SPD-Fraktionsvorsitzende und Rats-Älteste Dieter Völkel.

Die letzte Ehrung des Abends nahm Mathias Neuner gemeinsam mit Altlandrat Walter Eichner vor: Aus Oberbürgermeister a.D. Franz-Xaver Rößle wurde kraft Urkunde Alt­oberbürgermeister Franz-Xaver Rößle. Mit diesem Ehrentitel haben die Städte und Gemeinden die Möglichkeit, besondere Verdienste von ehemaligen Amtsträgern zu würdigen. Rößle, der von 1988 bis 2000 Stadtoberhaupt war, schuf die Grundlagen für die „Herkulesaufgabe“ (Neuner), nach dem Abzug der Bundeswehr aus den Kasernen Wohngebiete werden zu lassen. Auch die Entscheidungen zur Nutzung des Frauenwalds für Industrie- und Gewerbe fielen in seine Amtszeit, ebenso wie die Renovierung des Stadttheaters und die Einführung des Stadtbusses.

Werner Lauff

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