Stadt-Papier – Wie geht die Verwaltung mit Papier um?

Der Stadtrat erteilte dem Antrag der Grünen und ÖDP, zukünftig ausschließlich Recyclingpapier in der Verwaltung zu verwenden, mit 17:11 Stimmen eine klare Absage. Grund: UmweltfreundlichesPapier sei aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung nicht so haltbar und daher für eine Archivierung diverser Unterlagen nicht geeignet.

Laut Stadtarchivarin Elke Kiefer sei das Recyclingpapier nicht altersbeständig und komme für eine Archivierung der Unterlagen nicht in Frage. Ihre Aussagen stützte sie auf zwei wissenschaftlichen Aufsätze. Die Auffassung der Verwaltung, wollten nicht alle im Gremium teilen. Reinhard Skobrinsky (B.A.L.) plädierte dafür, nicht gleich alles pauschal abzulehnen. „Es gibt sehr viel Papier, das nicht ablegungswürdig ist.“ Die Verwaltung sollte dahingegen „durchforstet“ werden, wo Recyclingpapier verwendet werden kann. Ähnlich sah es auch sein Ratskollege Dr. Andreas Hartmann (Grüne): „Der verschwindend kleine Teil des Schriftverkehrs der zu archivieren ist, könne auf hochwertigem Papier gedruckt werden . Doch hier widersprach Kiefer, da man nicht von vornherein wissen könne, welche Drucksache später archiviert werden muss. Auch gäbe es technische Probleme bei den kürzlich beschafften Druckern. Als Zentraldrucker angelegt, verfügen diese nicht über Mehrfachschubladen, sodass ständig das Papier gewechselt werden müsse, äußerte Petra Mayr-Endhart von der Stadtverwaltung. Keine große Bedeutung messen Reinhard Steuer und Christoph Jell (beide UBV) der Archivierung mittels Papier bei. So würde das Zeitalter der Digitalisierung weiter fortschreiten. Aus Steuers Sicht hätte sich so das Argument der Archivarin erledigt. Ferner gab Jell zu bedenken, dass selbst große Behörden inzwischen vollständig auf Recycling papier umgestellt hätten. Dies sah auch Ludwig Hartmann (Grüne) so, der zu bedenken gab, dass viele Städte bereits bis zu 90 Prozent auf das umweltfreundliche Papier umgestellt hätten. „Dies muss auch in Landsberg möglich sein“, forderte er. Darüber hinaus nahm er Anstoß an der wissenschaftlichen Studie, die aus seiner Sicht nicht mehr aktuell sei. Zudem ginge es bei dem Antrag nicht darum, zu Fragen, wie Papier 500 Jahre archiviert werden könne. Wolfgang Buttner (ÖDP) indes ärgerte der Umstand, dass er in der Verwaltung „Urwaldpapier“ neben einem Drucker gesehen hat: „Das macht mich richtig wütend.“ Auch fragte er, wie die Verwaltung mit Briefen aus München umgehe, die auf Recyclingpapier geschrieben wurden: „Muss dieser dann kopiert werden?“ OB Ingo Lehmann beteuerte, dass er in Bezug auf die Papierfrage sehr „schmerzfrei“ sei. Er räumte aber ein, dass in bestimmten Bereichen bereits umweltfreundliches Papier verwendet wird. Zudem sollten Sitzungs- unterlagen für den Stadtrat laut Mayr-Endhart zukünftig via Mail versandt werden. „Dann kann sich jeder selbst entscheiden, was er ausgedruckt haben möchte oder nicht.“ Wie die Verwaltung ferner mitteilte, wird im Reinigungsbetrieb der Stadt bereits bei Handtuchpapier und Handtuchpapierrollen Recyclingpapier verwendet. Das Toilettenpapier könne ebenfalls gegen umweltfreundliches Papier ausgetauscht werden. Die großflächige Verwendung von Recyclingpapier in der Verwaltung wird aus archivfachlicher Sicht abgelehnt. „Wegen der unsicheren Stoffzusammensetzung gilt es als nicht archivierbar.“

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