Bekenntnis für den Biergarten

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Der Toilettencontainer (rechts) hinter dem Zollhaus ist nur eine Zwischenlösung.

Landsberg – Das Biergartengeschäft kann wirklich undankbar sein – nicht nur für Wirte und Gäste, die am Dauerregen verzweifeln; auch für die Verwaltung ist die Bewirtung unter freiem Himmel nicht immer das reine Vergnügen.

So auch beim beliebten „Lechgarten“ an der Ka­ro­linenbrücke, zuletzt „Zollgarten“, bei vielen Landsbergern aber immer noch als „Kratzer Garten“ bekannt. Bausünden, verletzte Vorschriften, Beschwerden von Anwohnern, Toilettenkapazitäten: an Problemen und Auseinandersetzungen mangelte es in den letzten Jahren nicht.

In der Bauausschusssitzung am heutigen Mittwoch wird nun (öffentlich) ein Konzept vorgelegt, mit dem sich die Lage dauerhaft entspannen könnte. Kernpunkte: An das Zollhaus wird ein Anbau für eine Küche und Toiletten gesetzt und Baumängel bei der bisherigen Ausschankhütte beseitigt. Bis zur Biergartensaison 2014 könnten die Arbeiten abgeschlossen sein.

Einfach war diese Lösung eindeutig nicht zu erarbeiten, wie auch Claus Müller vom Bauordnungsamt der Stadt Landsberg sagt. „Schwierige und zeitintensive Verhandlungen“ seien geführt worden. Kein Wunder, denn nicht nur seine Behörde hat Vorgaben, die eingehalten werden müssen. Das Bauamt will die städtebaulichen Belange berücksichtigt wissen, das Ordnungsamt erteilt die Gaststättengenehmigung, wegen der historischen Bausubstanz ist das Landesamt für Denkmalpflege im Boot, der Kreisheimatpfleger wurde eingebunden und nicht zuletzt haben auch Eigentümer und die neue Pächterin des Biergartens ihre Interessen.

Nicht alles korrekt

Vor allem deshalb dürfte sich die Vorlage des Konzeptes so lange gezogen haben. Bereits 2011 hatte ein anderer Landsberger Gastronom bei der Stadt eine Baukontrolle beantragt, da offenbar aus seiner Sicht zahlreiche Vorschriften verletzt würden. Der Wirt stellte unter anderem die Frage nach einem zu geringen Abstand der Ausschankhütte zum Anwesen am Klösterl (90 Zentimeter) und nach möglicherweise fehlendem Brandschutz. Außerdem hätte nach Informationen des KREISBOTEN in der Hütte das bestehende Starkstromkabel nicht verlegt werden dürfen.

Müller geht auf die Anfrage nicht im Detail ein, räumt aber ein, dass tatsächlich nicht alles im Biergarten korrekt zuging. Die Hütte sei „abweichend von der 1997 erteilten Baugenehmigung errichtet worden“. Auch die Lage bei den Toiletten war nicht optimal, Gäste beschwerten sich darüber, dass nur ein kleiner WC-Raum für beide Geschlechter im Zollhaus zur Verfügung stand. Um einen Betrieb des Biergartens trotzdem zu ermöglichen, habe das Ordnungsamt aber 2012 „eigentlich letztmalig“ die Aufstellung eines Toilettenwagens ge­- nehmigt.

Offenbar durch die schwierige Interessenslage verzögerte sich aber der Bau einer neuen Toilettenanlage erneut. Die Stadt stellte nach einem ersten Gesamtkonzept hohe planerische Anforderungen, die Denkmalschützer hatten ebenfalls noch Einwände, der Eigentümer war von den hohen Kosten abgeschreckt, die Beseitigung der Mängel stockte erneut. Vor wenigen Wochen schaltete sich deshalb Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) persönlich mit ein, in einer Besprechung mit allen Beteiligten wurde dann „verbindlich“ festgelegt, wie man 2013 noch einmal mit der bisherigen Einrichtung und Ausstattung des Biergartens über den Sommer kommen könnte – danach soll mit dem Um- und Ausbau angefangen werden.

Spürbare Verbesserungen

Im erweiterten Zollhaus soll danach eine größere Toilettenanlage und auch eine Küche zur Bewirtung des Gartens eingebaut werden. Die umstrittene Hütte wird nicht nur drei Meter vom Nachbargrundstück abgerückt, sondern auch tatsächlich nur noch für den Ausschank genutzt. Das führe zu spürbaren Verbesserungen für die Anwohner, so Müller.

Insgesamt scheint man jetzt auf einem guten Weg zu sein. Der geplante Anbau ist mit allen Behörden vorbesprochen und laut Claus Müller auch bereits zweimal im Gestaltungsbeirat „intensiv beraten“ wor­- den. Außerdem liegt inzwischen ein Bauantrag des Eigentümers vor – eine der Kern­forderungen der Stadt.

Im Gespräch mit dem KREISBOTEN stellt Müller klar, dass trotz der schwierigen Verhandlungen auch die Stadtverwaltung insgesamt ein klares Bekenntnis zu dem idyllischen Biergarten abgibt. Zwar müsse man sich auch dort „an bauordnungs- und gaststättenrechtliche Vorgaben halten“, der Biergarten „mit seiner hoch sensiblen Lage direkt am Lech und einem der wichtigsten Stadteingänge“ solle aber nach den Vorstellungen der Verwaltung „auch zukünftig erhalten bleiben“. Immerhin, so Müller, sei er in den Sommermonaten eine „positive Bereicherung“ der Landsberger Gastronomie. Fehlt nur noch der Sommer - sonst bleibt das Geschäft trotz rechtlicher Einigung weiter undankbar…

Christoph Kruse

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