Aus SS-Baracke wird das BAWAG-Baubüro

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So sah die Baracke am Hindenburgring im Jahre 1956 aus.

Landsberg – Die Debatte und das Tauziehen um die Herkunft der Baracke am Hindenburgring gehen jetzt in die nächste Runde. Stadtarchivarin Elke Kiefer wartet nun mit Variante drei auf: Es sei ein ehemaliges Bürogebäude der BAWAG.

Die Landsberger Historiker Dr. Edith Raim und Dr. Stefan Paulus sowie Dr. Ernst Raim wollen in dem ehemaligen Vereinsheim des „1. EVL-Fanclubs“ zweifelsfrei eine ehemalige SS-Baracke vom KZ-Außenlager VII erkannt haben, für den Vorsitzenden der „Bürgervereini- gung Landsberg im 20. Jahrhundert“, Anton Posset, gibt es Hinweise darauf, dass sie von der Baustelle der Lech­staustufe 15 stammt.

Die beiden KREISBOTEN-Berichte „Würfel am Hindenburgring“ und „Doch keine SS-Ba­racke“ bewogen die Stadtarchivarin, sich mit dem geschichtlichen Hintergrund und der Her­kunft der Baracke auseinanderzusetzen. Dies wohl auch, weil die Anfragen des KREISBOTEN beim Presseamt der Stadt zuvor nicht ausreichend beantwortet werden konnten. Nach dem Studium verschiedener Dokumente und Bilder im Archiv der Lechstadt, darunter auch Sitzungsniederschriften und Bauakt „Hindenburgring 15 ½“, sowie der Festschrift „50 Jahre BAWAG“ und des vor drei Jahren erschienen Buches „Landsberg in der Zeitgeschichte. Zeitgeschichte in Landsberg.“ von Volker Dotterweich und Karl Filser kommt Stadtarchivarin Kiefer zu dem Schluss: „Bei der Baracke am Hindenburgring handelt es sich um ein ehemaliges Bürogebäude der Baye­rische Wasserkraftwerke AG.“ Bereits 1940 sei es am Hinden­burgring errichtet worden.

In einer ausführlichen Presseerklärung führt Elke Kiefer aus, dass die im Jahre 1940 gegründete Aktiengesellschaft „Kraftstufen zur Stromgewinnung am Lech von Füssen bis Augsburg“ baute und betrieb. Von 1940 bis 1950 habe man neun Kraftwerke an der Strecke Schongau-Lands­berg. „Nicht die Stadt Landsberg, sondern der NSDAP-Kreisleiter genehmigte die Aufstellung der Bürobaracke am Hindenburgring im Jahre 1940“, so Kiefer, „im September 1944 waren dort auch 18 Arbeiter der BAWAG untergebracht.“

Am 27. April 1945 hätten US-Kampftruppen beim Einmarsch die Baracke am Hindenburgring verwüstet, Panzerschränke aufgebrochen, Einrichtungsgegenstände, Kraftwagen, Motor- und Fahrräder. „Sie hinterließen die Baracke in einem Zustand, dass eine ,Wiedereinordnung der dienstlichen Schriftstücke zunächst unmöglich erschien.“

Als die BAWAG 1946 ihr Büro nach München verlegte, habe sie die Baracke der Stadt Landsberg für Wohnzwecke überlassen. 1947 erwarb die Stadt den Holzbau, habe ihn jedoch „bald an eine Privatperson“ verkauf. Bei dieser Privatperson dürfte es sich um Possets „Zeitzeugen und Elektrohändler Ruse“ oder dessen Mutter handeln.

Wie auch immer, Stadtarchivarin Kiefer erinnert daran, dass in der Nachkriegszeit durch Beschlagnahmungen und eine Vielzahl von Flüchtlingen große Wohnungsnot in Landsberg“ herrschte. Deshalb seien viele Baracken aus der Kriegszeit bis Anfang der 1960er Jahre als Wohnraum oder für sonstige Zwecke begehrt gewesen. Bis 1961 habe die angebliche SS-Baracke am Hindenburgring Familien als Notwohnung ge­- dient, dann als Einzelhandelsgeschäft für Elektroartikel und später unter anderem als Vereinsheim.

Toni Schwaiger

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