Hybrid-Stadtbusse im Fokus

Verschwiegene Förderung?

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Ab 2018 könnte der Stadtbusbetrieb auf Hybridfahrzeuge umgestellt werden. ÖDP-Stadtrat Stefan Meiser kämpft entschlossen dafür, dass es auch so kommt.

Landsberg – Stefan Meiser ist entschlossen: Er kämpft dafür, dass der Stadtrat von seiner Mehrheitsentscheidung, den Stadtbusbetrieb ab 2018 mit Hybridfahrzeugen durchzuführen, in seiner anstehenden Sitzung zumindest nicht vollständig abweicht. Nachdem sein Konzept auch im Kreistag nicht auf komplette Ablehnung stieß (siehe untenstehenden Bericht), sieht er gute Chancen dazu.

„Bis zum Jahr 2026 nichts Anderes als Diesel? Daran mag ich einfach nicht glauben!“, erklärt Meiser im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Der ÖDP-Stadtrat, der auch Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses ist, verweist zunächst auf das Klimaschutzkonzept des Landkreises. Es sieht eine Reduzierung der Treibhausgase um 50 Prozent bis zum Jahr 2030 vor. In der Tat wird die Nutzung nachhaltiger Kraftstoffe und effizienter Antriebe im Konzept ausdrücklich als Möglichkeit genannt, um CO2-Emissionen zu reduzieren. „Diesen Worten sollten Taten folgen“, fordert Meiser.

Meiser macht auch auf die im Dezember 2014 im Bundesanzeiger veröffentlichten Richtlinien des Bundesumweltministeriums zur Förderung der Anschaffung von diesel-elektrischen Hybridbussen im öffentlichen Nahverkehr aufmerksam. Die hatte Meiser selbst recherchieren müssen; weder die Kreis- noch die Stadtverwaltung hatten darauf hingewiesen. Die dort angebotene Förderung – es handelt sich um einen nicht rückzahlbaren Investitionszuschuss – führe nicht nur zur Kostenreduzierung, sondern sei auch ein Signal, über das man nicht einfach hinweggehen könne – „wenn man denn davon in Kenntnis gesetzt wird“, sagt Meiser.

Dass das Thema am kommenden Mittwoch (21. Oktober, ab 18 Uhr) erneut auf der Tagesordnung steht, geht auf einen Antrag der Fraktionen der CSU und der SPD im Stadtrat zurück. Auch aus ihren Reihen hatten Stadträte dem Antrag Meisers auf Aufnahme von Hybridbussen in die Ausschreibung für den Stadtbusbetrieb zugestimmt, obwohl der Ältestenrat zuvor eine Vereinbarung getroffen hatte, nur Dieselantrieb vorzusehen. Oberbürgermeister Mathias Neuner hatte Meisers Antrag schnell zur Abstimmung gestellt, weil er glaubte, jedes Mitglied des Stadtrats sei über die Tage zuvor erfolgte Vereinbarung informiert. Das war aber offenbar ein Irrtum.

Nun wird sich das Gremium auch mit den bisher nicht in die Diskussion eingeführten Argumenten des Bundesumweltministeriums befassen müssen. „Linienbusse im öffentlichen Personennahverkehr sind besonders für eine Elektrifizierung ihres Antriebs geeignet“, heißt es in dem Förderangebot. „Da sie häufig bremsen müssen, kann mit Hilfe des elektrischen Speichers ein wesentlicher Teil der Bremsenergie zurückgewonnen und für den Betrieb des Elektromotors genutzt werden. Die Busse werden dadurch nicht nur effizienter, sondern auch leiser. Zudem stoßen sie weniger Kohlendioxid und Luftschadstoffe aus. Die Hybridtechnologie ist nur der erste Schritt zur Erschließung alternativer Antriebspfade für den öffentlichen Nahverkehr der Zu­- kunft. Am Ende dieser Entwicklung kann eine Bustechnologie stehen, die komplette Strecken rein elektrisch bedient.“

Antragsberechtigt sind auch kleine und mittlere Stadtbusbetreiber, also auch die Firma Eisele, die sich erneut um den Auftrag bemühen will. Förderfähig ist die Anschaffung einer Hybridbusflotte aber nur, sofern sie mindestens drei Fahrzeuge umfasst. Da in Landsberg fünf Busse plus ein Ersatzfahrzeug für Ausfälle benötigt werden, zeichnet sich damit vielleicht ein Kompromiss ab, mit dem wohl auch Stefan Meiser leben könnte: dreimal Diesel, dreimal Hybrid.

Werner Lauff

Nicht gleich zurückzucken

Die Stadt könnte ab 2018 im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Hybridbusse einsetzen. Doch da hat auch der Landkreis ein Wörtchen mitzureden, denn er übernimmt als Aufgabenträger die Hälfte der Verluste der städtischen Buslinien. Und der Landkreis ist skeptisch, wie vergangene Woche im Kreisausschuss deutlich wurde. Hybridbusse seien „teurer und krankheitsanfälliger“, wie Landrat Thomas Eichinger (CSU) sagte.

Schützenhilfe bekam Eichinger von ÖPNV-Referent Dietmar Winkler. Er erklärte, dass die Technik der Hybridbusse noch nicht ausgereift sei. Ihre Verfügbarkeit liege bei 73 bis 80 Prozent, im Gegensatz zu 95 Prozent bei Dieselbussen. Eine vollständiger Umstellung der städtischen Busflotte berge die Gefahr, dass die Verkehrsleistung nicht stabil durchgeführt werden könne.

Zwar werde die Technik sich voraussichtlich im Laufe der Jahre verbessern, doch 2017 laufe die Bundesförderung für Hybridbusse aus. Ob es danach noch einen Markt für die Fahrzeuge gebe, sei fraglich. Außerdem sei das Vergabeverfahren aufwändig und komplex, eine Vorabbekanntmachung müsse bereits im kommenden Januar erfolgen. Die Zeit drängt also.

Laut Winkler sind Hybridbusse in der Anschaffung um rund 100000 Euro teurer als Dieselbusse. Sechs Busse würden rund 2,16 Millionen Euro kosten, von Bund und Land könnte es dafür maximal 810000 Euro Förderung geben.

„Wenn diese Angaben stimmen, ist das für mich so nicht umsetzbar“, sagte Wilhelm Böhm (CSU). Ohne konkrete Zahlen auf dem Tisch zu haben, brauche man jedoch nicht weiter zu reden. ÖDP-Kreisrat Robert Sedlmayr erinnerte an das Klimaschutzkonzept des Landkreises und plädierte dafür, sich unvoreingenommen zu informieren. Es gebe Städte, die bereits positive Erfahrungen mit der kraftstoffsparenden Technik machen würden.

„Als wir das Klimaschutzkonzept verabschiedet haben, war uns klar, dass dadurch Kosten entstehen können“, betonte auch Albert Thurner (SPD). „Jetzt sollten wir nicht gleich bei der ersten Maßnahme zurückzucken.“ Vielleicht lasse sich aber für das Geld auf einem anderen Weg ebensoviel CO2 einsparen wie mit den Hybridbussen.

Ulrike Osman

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