Geleitet vom "Wilden Gesell"

Stadtführung "Von Brücke zu Brücke" erzählt Landsbergs Wasser-Geschichte

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Die Stadtführung „Von Brücke zu Brücke“ am Mühlbach, wo einst der Brunnenmeister von seinem Zuhause (rechts) über einen Holzsteg zum Pumphaus (links) gelangte.

Landsberg – Die Geschichte einer Stadt am Fluss ist immer mit diesem verbunden. Sei es durch Handel, Transport oder Energiegewinnung. Was liegt da näher, als eine Stadtführung am Wasser auszurichten – und an den Wegen, die es überqueren? Genau das tut die Führung „Von Brücke zu Brücke“: Sie führt von der ehemals unteren – der Sandauer Brücke – zur ehemals oberen Brücke: der Karolinenbrücke. Neben Fakten über Brücken, Mühlen und Pumpanlagen gibt es aber auch Wissenswertes über das, was am Ende übrig bleibt: das Abwasser.

„Die Landsberger Geschichte ist ein Fass ohne Boden“, lacht Stadtführerin Hildegard Schmid-Arvaneh. Allein die zahlreichen Reparaturen oder Neubauten der Sandauer und der Karolinenbrücke füllen fast Bücher: „Beide Brücken haben eine sehr leidvolle Geschichte.“ Die der Sandauer Brücke beginnt im 16. Jahrhundert: 1511 wird sie zum ersten Mal urkundlich erwähnt, als Herzog Wolfgang von Bayern die Erlaubnis zur Nutzung der vorgelagerten Gärten und Felder genehmigt. Natürlich gegen Pachtzins – mit dem dann die Instandhaltung der Brücke finanziert wurde. In den folgenden Jahrhunderten wird sie mehrmals zerstört. Zum letzten Mal 1945 von den Deutschen, um die Amerikaner am Weiterkommen zu hindern. 1949 wird sie in ihrer heutigen Form in Betrieb genommen. Die Baukosten betragen 1,2 Millionen D-Mark.

Das Gelände vor dem Sandauer Tor hieß früher Mühlenquartier: Säge- oder Lohmühlen, Mühlen für Handwerksbetriebe wie den Färberhof – „ein richtiges Industriegebiet“, beschreibt Schmid-Arvaneh. Um das Pumpwerk in Schuss zu halten, bedurfte es des Brunnenmeisters. Der wohnte neben dem Fischerwirt. Und konnte über einen Mühlbach-Holzsteg direkt zu seinem Arbeitsplatz schlendern.

„Wohltätig ist des Feuers Macht, Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht“, zitiert Schmid-Arvaneh Schiller. Und zwar in Angesicht der Figur des Feuerwehr-Schutzheiligen St. Florian in der Ludwigstraße. Denn das Wasser des Lechs diente auch dazu, die zahlreichen Brände in Landsberg zu bekämpfen. Feuerwehrlöschkübel aus Leder, transportiert von Menschenketten machten im 14. Jahrhundert den Anfang. Später kamen mobile Löschspritzen dazu. „Und ab 1875 gab es in Bayern eine Pflichtfeuerwehr“, erzählt die Stadtführerin. Und die war wirklich groß: 1833 meldet das Landsberger Anzeigenblatt, dass Bayern mit seinen 7200 Feuerwehren und 370.000 Mann den weltgrößten Feuerwehrbestand hat.

Wo Wasser ist, ist Abwasser nicht weit. Und die Kanalisation in Landsberg feiert heuer ihr 110-Jähriges. Ihren Bau trieb der Arzt voran, nach dem heute die Zufahrtsstraße zum Klärwerk benannt ist: Dr. Friedrich Wacker, wohnhaft im Eckhaus hinter der Stadtpfarrkirche. Der Student des Chemikers Max von Pettenkofer „kannte die Wurzeln für Pest und Cholera“, begründet Schmid-Arvaneh dessen Anliegen. Vorher wurde das Abwasser in offenen Rinnen durch die Straßen geleitet, samt Gestank und Seuchen. Aber erst, als die Infanterie vom Roßmarkt in den Katharinenanger verlegt wurde, willigte der Stadtrat der – teuren – Baumaßnahme zu. Und so wurde Landsberg bereits 1904 zur Großbaustelle. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Landsbergs Kanalisation 15,5 Kilometer lang. Heute sind es, mit Eingemeindungsgebieten, 325 Kilometer.

Das 1364 gebaute, 212 Meter breite Lechwehr war essentiell für die Betriebe der Stadt. Und als es 1635 nach dem 30jährigen Krieg durchbrach, gab es in Landsberg kein Mehl, kein Handwerk und auch kein Trinkwasser. 1643 kam schon das nächste Hochwasser. Und das 1667 spülte das 1643 beim Wiederaufbau aufgestellte Kruzifix kurzerhand weg. Das letzte große Hochwasser war 1970, als sogar der Einlauf zum Mühlbach zerstört wurde. Seine jetzige Form bekam es in den 90ern – wohlgemerkt ohne Turbine.

Den Abschluss der Führung macht die Karolinenbrücke – benannt nach Max I. Josephs Frau. Die Brücke ist natürlich weitaus älter, bildete sie doch den Grundstock für Landsbergs Reichtum durch Salzhandel. Dessen Route Heinrich der Löwe dankenswerterweise auch in Landsberg lokalisierte. Und für den die Stadt Zoll einkassierte. Als Max I. Joseph die Brücke am ersten Januar 1806 einweihte, war sie weitaus repräsentativer als zuvor. Führte sie doch nach Max‘ Zusammenschluss mit Napoleon ins endlich bayerisch gewordene Schwaben. Architekt Carl Friedrich von Wiebeking schuf eine Brücke mit galanten Jochbögen – die schon nach sieben Jahren baufällig war. 1910 zerstörte sie das Hochwasser, 1930 wurde sie verbreitert, 1952 entstand die heutige Brücke. Jetzt hält sie dem „wilden Gesell“ Lech stand. Zumindest vorerst. Denn nicht umsonst meint „Licca“ im Keltischen der „schnell Fließende“.

Susanne Greiner

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