Auf den Spuren des Bieres

Stadtführung "Wirtshausgeschichten" bietet Geschichte mit Atmosphäre

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Vom Pfletschbräu in der Alten Bergstraße ist nur noch das Schild übrig.

Landsberg – Früher war ja bekanntlich alles besser. Zum Beispiel die Kneipendichte Landsbergs: Im 17. Jahrhundert gab es knapp 20 Brauereien. Und das bei gerade mal 4.000 Einwohnern – also eine Brauerei auf 200 Menschen, inklusive Kinder. Darauf ein herzhaftes Prost! Nicht nur Brauereien, auch Weinhäuser und zwielichtige Lokalitäten versüßten den Lechstädtern den Abend. Wie das so ausgesehen haben mag, zeigt die Stadtführung „Landsberger Wirtshausgeschichten“. Bei der es neben Worten auch Wein und Essen zu genießen gibt.

Der Startpunkt der Stadtführung ist trefflich gewählt: Das Bayertor. Von dort geht‘s bergab – real, nicht im Niveau. Den Anstieg am Ende der Führung zu meistern, wäre nicht ganz so einfach. Zumindest, wenn man bei jedem der drei in der Führung integrierten Gasthausbesuche ein Gläschen Wein konsumiert. Zum Glück gibt‘s Essen. Nichts geht über eine gute Grundlage.

„Im Turm“, dem ehemaligen Zollhaus, werden die Formalitäten erledigt. Dazu gibt‘s pfälzischen Wein und Hühnerfrikassee. Und die ersten Wirtshausgeschichten, die Kulturreferent Axel Flörke unterhaltsam präsentiert: zum Beispiel über das Landsberger Reinheitsgebot. Das existierte ganze neun Jahre vor dem bayerischen, nämlich als Anhang der Bäckerordnung. Hefe ist das verbindende Element.

Ausschenken durften die Brauereien indessen nur ihr eigenes Bier – und auf keinen Fall Wein. Angeblich habe ein Lehrer mal eine Flasche Pfälzer Wein im Brauhaus getrunken, erzählt Flörke. Weshalb der Wirt eine saftige Strafe zahlen musste.

Weiter geht es vorbei am Süßbräu, einer der jüngsten Brauereien. Denn die Stadt erweiterte sich vom Hauptplatz aus nach oben – und mit der Erweiterung kamen die Brauereien. Den Namen hat das Gasthaus von der Familie Sieß, den damaligen Besitzern. Wobei Georg Siez ein „Quertreiber und Haudegen“ gewesen sei und oft die Zelle unterhalb des historischen Rathauses besuchen musste. Das Süßbräu-Haus kennen heute noch viele von den rauschenden Festen die dort bis ins 20. Jahrhundert im riesigen Ballsaal stattfanden. Der ist leider einem Umbau zum Opfer gefallen.

Die Pfletschbräu-Gemse auf den Landsberger Hügeln

Schon wenige Meter weiter grüßt das Schild des Pfletschbräus – eine Gemse auf den drei Hügeln Landsbergs – über einer Praxis. Viel ist von den 20 Brauereigebäuden nicht übrig. Und brauen tut seit 1977, seit der Schließung der Waitzinger Bräu AG, erst recht keine mehr.

Den zweiten Halt gibt‘s im Zirnheld, gleich neben dem ehemaligen „Heidi im Gwölb“, eine wohle eher verruchte Lokalität. Hinter dem Zirnheld verbirgt sich eine ehemalige Konditorei, samt Bergfrauen-Kränzerl. Und in den Häusern daneben waren auch die Bäcker daheim, wie eine kleine Brezel an der Mauer verkündet. Zum italienischen Vorspeisenteller samt Weißwein liest Flörke Erinnerungen an die Nachkriegszeit vor, notiert von Anton Lichtenstern.

Auf dem Hauptplatz gibt es Wissenswertes über das vormals wichtigste Haus am Platz, das Weinhaus Mohren mit seinen barocken ‚Ohrwaschelgauben‘. Besitzer war Bürgermeister Heilberger, der für seine Töchter die Ursulinenschule nach Landsberg holte. Daneben zwei weitere Brauereien: eine in der heutigen Malteser­apotheke, die andere, natürlich, das Zederbräu. Auch in der VR-Bank, damals das Oberfeigerl, wurde Weizensaft gebraut, während man im Unterfeigerl mit der Hausnummer 212 eher den fleischlichen Genüssen frönte. In den Häusern seien die alten Gewöbe wohl noch erhalten, vermutet Flörke. Und denkt schon an eine weitere Themenführung.

Die wäre sicher auch spannend. Bis dahin sollte man sich die Wirtshausgeschichten mit Speis und Trank anhören. Schon allein wegen der entspannten Stimmung. Aber auch wegen ihres lebensnahen Inhalts. Möglichkeit dazu ist am 10. September oder am 15. Oktober.

Susanne Greiner

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