Stadtheimatpfleger Dr. Werner Fees-Buchecker klärte über das fast vergessene Denkmal auf

Der Herd im Englischen Garten

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Da war der Stein noch an seinem Platz in der Mitte des Englischen Gartens. Im Moment wird er restauriert. Am 10. Juni wird das Ergebnis wieder an alter Stelle zu sehen sein.

Landsberg – „Ungefähr in der Mitte des Gartens steht zwischen zwei mächtigen Lindenbäumen ein Würfel.“ Bürgermeister Arnold, ab 1863 im Amt, kannte den Landsberger Verfassungsstein noch im Original: Eine Platte, darauf ein Würfel, obendrauf der Verfassungsstein. Würde man jetzt nach dem Stein suchen, fände man nur eine Lücke. Denn das Denkmal ist beim „Friseur“. Anlässlich des 200-Jährigen der Verfassung des Königreichs Bayern wird es derzeit im Auftrag des Historischen und des Verschönerungsvereins Landsberg restauriert – und am 10. Juni wieder feierlich enthüllt.

Dabei war der Stein schon früh in Vergessenheit geraten. Rund 50 Jahre nach der Einweihung erzählt Arnold von einer Sage, die den Stein zum Herd für Festivitäten im englischen Garten degradiert. Auch in den Jahren danach sank er immer tiefer, setzte Moos und Grünspan an, die eingravierte 1818 war nicht mehr sichtbar. Man lief vorbei. Denn eigentlich ist es nur ein grauer Würfel aus Tuffstein. Aber er ist besonders. Zwar gibt es in Bayern mehrere Verfassungssteine. Die ehren jedoch allesamt Maxi­milian I. Joseph. Nicht der in Landsberg.

Eingesetzt wurde auch er erst am 16.2.1824, dem 25-jährigem Regierungsjubiläum vom „Kini“. Ein Festtag sondergleichen. Es blinkte und blitzte, allein am Rathaus prangten 2.000 Lichter. Das ließ den Verfassungsstein in Landsberg kalt, könnte man meinen. Ein König? Pfff! Kein Max, keine Raute, kein Löwe. Und das hebt ihn hervor, ist Fees-Buchecker überzeugt: „Er ist das am wenigsten monarchische Denkmal.“ Hergestellt hat es der Landsberger Steinmetz Joseph Bogner, wie dessen Rechnung zeigt: „zwey Stück abgerichte Tuffstein in hiesigen Englischen Garten, wo auf einem die römische Jahrzahl 1818 eingehauen und schwarz eingelassen“. Die Kosten: Fünf Gulden 44 Kreuzer. Ein Nasenwasser.

Dass es ein Würfel ist, habe seinen Sinn, meint Fees-Buch­ecker in Anlehnung an den bereits 2010 erschienenen Artikel Anton Lichtensterns. Der Kubus stehe in der Aufklärung für Ebenmäßigkeit, Vernunft und somit für die Stabilität des Staates. In der „Magna Charta Bavariae“ vom 26. Mai 1818 führte Max I. Gewissensfreiheit, Meinungsfreiheit und Gleichheit – mit Einschränkungen –ein. Die gleichen Seiten des Würfels, im Landsberger Fall je 44 Zentimeter, stehen somit auch für die Gleichheit der Rechte aller Bürger. „Dies sind die Grundzüge der aus Unserm freyen Entschlusse euch gegebenen Verfassung, sehet darin die Grundsätze eines Königs, welcher das Glück seines Herzens und den Ruhm seines Thrones nur von dem Glücke des Vaterlandes und von der Liebe seines Volkes empfangen will!“, lauten Max‘ volltönende Abschlussworte.

Das Besondere der Magna Charta war die Ständeversammlung, ab 1848 Landtag genannt: „Eine Standschaft hervorgehend aus allen Klassen der im Staate ansässigen Staatsbürger, mit den Rechten des Beyrathes, der Zustimmung, der Willigung, der Wünsche und der Beschwerdeführung, berufen, um die Weisheit der Berathung zu verstärken ohne die Kraft der Regierung zu schwächen.“ Kein autokratischer König mehr. Ein Zeichen für eine neue Zeit. Zwar galt immer noch das Zensuswahlrecht: Wer keinen Grundbesitz hatte, ging leer aus. Aber immerhin war diese Verfassung die Basis für 100 Jahre konstitutionelle Monarchie in Bayern.

Schon Stadtheimatpfleger Lichtenstern klagte in seinem Aufsatz, dass der Stein „mehr von Hunden als von Menschen beachtet“ werde. Doch am 10. Juni ist es nun endlich so weit. Der Stein wird samt Infotafel an alter Stelle neu erstrahlen. Zwar gab es die Idee einer Versetzung Richtung Zentrum. Aber das Denkmal steht wie viele seiner Art bewusst in der Natur – zumindest einer ge­zähmten. Die Romantik gab den Ton an mit Spaziergängen in lauer Luft, auf denen man das Denkmal bewundern konnte. Vielleicht diente es dank seiner praktisch quadratischen Form manch einem als Tisch für die mitgebrachte Verpflegung. Also irgendwie doch ein Herd.

Susanne Greiner

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