Für die deutschlandweite Beachtung:

Stadtmuseum: Eine Etage für Landsbergs dunkelstes Kapitel

Neues Stadtmuseum Landsberg
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Während die Sanierung weiter auf sich warten lässt, steht das Konzept für die neue Dauerausstellung im Neuen Stadtmuseum (Foto) bereits.
  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Landsberg – Ein Ort der Begeg­nung und des Austausches, ein Ort, der die Stadtgeschichte in vielen Facetten lebendig macht, ein Ort der inklusiv ist und mit mehr Sinnen als nur den Augen erkundet werden kann – das ist die Zukunftsperspektive für das Neue Stadtmuseum Landsberg. Der Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss des Stadtrates bekam jetzt einen ersten Eindruck davon, was die Besucher erwartet, wenn das Museum nach Sanierung und Neugestaltung endlich wieder öffnet.

Um die Neukonzeptionierung der Dauerausstellung hatten sich 30 Büros beworben. Fünf kamen in die engere Wahl und durften anhand konkreter Aufgabenstellungen Vorschläge einreichen. Der Stadtrat hat den Auftrag inzwischen an das Gewinnerbüro facts and fiction aus Köln vergeben. Dessen Vertreter Andreas Horbelt – ein gebürtiger Dachauer – stellte das Konzept nun auszugsweise vor.

In gestalterischer Hinsicht wird viel mit Rahmen gearbeitet – Rahmen, die flexibel eingesetzt und unterschiedlich gefüllt werden können, zum Beispiel mit Bildern, Grafiken, Bildschirmen oder Mitmachsituationen. Das Farbkonzept der Räume soll an die Farben der Hausfassaden in der Altstadt angelehnt sein.

Inhaltlich sollen die Landsberger in das Konzept einbezo­gen werden – indem etwa in der Abteilung „Landsberger Leute“ nicht nur Bilder von historischen Persönlichkeiten Platz finden, sondern auch Fotos von Landsbergern mit interessanten Geschichten und Erinnerungen. Vorgesehen sind außerdem Elemente wie magische Spiegel, die mit Hilfe unsichtbarer Bildschirme den Betrachter in histo­rischen Gewändern zeigen.

Besonderes Augenmerk liegt auf der Geschichte der Stadt im 20. Jahrhundert. Dieser Zeit ist ein ganzes Geschoss gewidmet. „Hitlers Weg nach Landsberg“ von der Festungshaft bis zu den Schrecken des Holocaust, die Nachkriegszeit mit DP-Lager und War Criminal Prison No. 1 sowie die Verarbeitungsgeschichte sollen sachlich dargestellt werden und dennoch einen emotionalen Bezug herstellen.

Metaphorisch fühlbar wird der Nationalsozialismus mit Hilfe von Betonkuben, die sich im Ausstellungsrundgang von Raum zu Raum verdichten und damit ein Gefühl der Überwucherung erzeugen. So entsteht eine für die Besucher körperlich erfahrbare Situation. Die Kuben, die mit Texten, Objekten und digitalen Medien bespielt werden können, symbolisieren die zunehmende Gewalt und vermitteln die Radikalisierung der Gesellschaft in der NS-Zeit.

Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) hofft, dass das Stadtmuseum mit dieser Dauer­ausstellung deutschlandweit Beachtung finden wird. „Die Stadt Landsberg leistet damit einen wichtigen Beitrag für alle Nachfolgegenerationen, die nicht mehr auf Zeitzeugen zurückgreifen können.“ Von den Ausschussmitgliedern kam durchgängig Lob. Kulturreferent Axel Flörke (Landsberger Mitte) zeigte sich überzeugt, dass das Konzept auch „die Kritiker, die es immer noch gibt“, überzeugen werde.
Ulrike Osman

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