"Die Stadt hat Verantwortung"

Stadtmuseum Landsberg: Vereine mahnen Stadtrat zum Beschluss

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Setzen sich für die sofortige Museumssanierung ein: (von links) Stadtheimatpfleger Werner Fees-Buchecker, Sigrid Knollmüller (Historischer Verein), Ruth Sobotta (Museumsfreunde) und Dagmar Schaller (Verschönerungsverein).

Landsberg – „Statt dem Startschuss zur Sanierung geht alles auf Anfang.“ Ruth Sobotta vom Freundeskreis der städtischen Museen ist, wie auch Vertreter des Verschönerungs- und des Historischen Vereins, ob der Diskussion des Stadtrats bezüglich des Stadtmuseums (der KREISBOTE berichtete) – milde gesagt – überrascht. Nicht nur wegen des fehlenden Beschlusses zur Sanierung und damit zur Landesausstellung. Man sei auch wegen des Gebäudes an sich in großer Sorge. „Leerstand ist für ein Gebäude der Tod.“

Die Stadt trage Verantwortung, betont Sobotta. Immerhin präge das ehemalige Jesuitengymnasium nicht nur die Geschichte, sondern auch das Bild der Stadt: „Es ist ein Wahrzeichen Landsbergs.“ Jetzt habe es ein undichtes Dach, die Wasserableitung funktioniere nicht, im Keller bröckele der Putz „und die Heizung funktioniert auch nicht mehr“. Die könne man noch vor Winterbeginn reparieren, dann würde das Haus nicht nochmal einen Winter lang kalt bleiben – was dem Gebäude sicher auch nicht zuträglich sei.

Ein Schließung des Stadtmuseum über 2025 hinaus sei nicht akzeptabel. Man habe ein Depot voll mit Kunstgegenständen, die man präsentieren wolle. Auch die museumspädagogische Arbeit leide: „Es kommen 30 Schulklassen aus Landsberg und über 50 aus dem Landkreis hierher.“ ‚Heimat‘ sei in Bayern ein wichtiger Aspekt. „Wo sonst wollen wir die Grundlagen schaffen?“

„In zwei Jahren gibt es wieder neue Kindergärten und Sozialwohnungen zu bauen“, fügt Sobotta als Replik auf OB Mathias Neuners Aussage an, man müsse andere Projekte, zum Beispiel den Bau von Kindergärten oder Sozialwohnungen, zurückstellen, wolle man das Museum sanieren. „Das darf man nicht gegeneinander ausspielen.“

Auch der Aspekt ‚Personalmangel im Bauamt‘ sei nicht nachvollziehbar. „Was ist das für eine Personalplanung, wenn ich weiß, was auf die Stadt zukommt und trotzdem keine neuen Stellen schaffe?“ Man könne die Bauplanung ja auch extern vergeben. Warte man mit der Sanierung, sei auch die Landesausstellung 2024 weg. „Und dann haben wir uns bundesweit blamiert.“

Nicht zu vergessen: Museumsleiterin Fischer und ihr Team hätten „unglaublich engagiert“ gearbeitet und ein „hervorragendes Konzept“ erstellt. Der Beschluss der Vertagung sei auch für sie eine „riesige Enttäuschung“.

„Die Schäden müssen unverzüglich behoben werden“, betont auch Stadtheimatpfleger und Schriftführer des Historischen Vereins Werner Fees-Buchecker. Das Wasser schädige die Gesimse und den Originalputz. Man sehe am benachbarten Heilig-Geist-Spital, was passiere, wenn man nicht eingreife. Dabei müsse die Sanierung eindeutig an erster Stelle der Prioritätenliste stehen, da auch das Amt für Denkmalpflege dem Aufzug innerhalb des Gebäudes – und damit einer enormen Bauerleichterung – zugestimmt habe.

Die angeblich schlechte Erreichbarkeit sei unsinnig, so Sigrid Knollmüller vom historischen Verein. „Aber wenn man nicht will, will man nicht.“ Der Stadtheimatpfleger stimmt zu: „Die Standortfrage machen wir nicht mehr auf.“ Das von Dr. Reinhard Steuer (UBV) erwähnte Gutachten von Professor Matthias Vogt, das die Spitalschule als geeignet sehe, sei „uralt“ und nicht mehr korrekt. Den jetzigen Standort habe man mit dem Hauptzuschussgeber, der Landessstelle für nichtstaatliche Museen, geklärt. Die bisherige Planung habe 200.000 Euro gekostet, davon seien 76.000 Euro Fördergelder – die man bei einem neuen Standortbeschluss zurückzahlen müsse.

Weiterhin habe die Senioren- und Behindertenbeauftragte des Landkreises und CSU-Stadträtin Barbara Juchem eingeräumt, dass die Barrieren für Menschen mit Behinderung bei der Spitalschule noch größer seien. Man habe am Museum sogar die Möglichkeit, fünf Behindertenparkplätze auszuweisen.

Warum einige Stadträte gegen ein Stadtmuseum seien, kann Fees-Buchecker nicht nachvollziehen: „Da fehlt offensichtlich das Gespür für Kultur.“ In der Bürgerumfrage für Landsberg 2035 sei das Stadtmuseum an zweiter Stelle der Wunschliste gestanden.

Man werde jetzt noch Briefe an den Ältestenrat schreiben, sagt Sobotta. Der tagt am 4. November. Wie es mit dem Stadtmuseum weitergehen soll, wird – hoffentlich – die Stadtratssitzung am 13. November zeigen.
Susanne Greiner

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