Wunder inmitten der Zerstörung

+
Insgesamt sieben jüdische Mütter bekamen ihre Kinder im Konzentrationslager Kaufering I. Diesem unglaublichen Schicksal widmet sich ab dem 6. April die Ausstellung „Sie gaben uns wieder Hoffnung“ im Neuen Stadtmuseum.

Landsberg – Unbegreiflich ist diese Geschichte von sieben Müttern: Sie alle kamen schwanger in das Konzentrationslager Kaufering I, sie alle brachten dort gesunde Kinder zur Welt. Was an ein Wunder grenzt, thematisiert in "Sie gaben uns wieder Hoffnung" eine Ausstellung im Neuen Stadtmuseum.

Als am 29. April 1945 die Amerikaner das Lager Dachau befreien, stoßen sie zu ihrer größten Überraschung auf sieben Frauen mit Babys. Ein Wunder wird bestaunt inmitten der Zerstörung. Das Buch „Geboren im KZ“ (erschienen im Verlag C.H. Beck) von Eva Gruberová und Helmut Zeller erzählt die unglaubliche Geschichte von zwei dieser sieben jüdischen Mütter, die verschiedene KZs durch viele glückliche Zufälle überstanden haben

 Gruberová ist gleichzeitig, zusammen mit Dr. Sabine Schalm, Kuratorin der Ausstellung. Erstmals wurde „Sie gaben uns wieder Hoffnung“ vor zwei Jahren in der KZ-Gedenkstätte Dachau gezeigt und widmet sich einem bislang nur wenig berücksichtigten Aspekt der Geschichte: dem Schicksal der weiblichen Häftlinge, unter denen sich auch schwangere Frauen befanden. Zwar waren Schwangerschaften in Konzentrationslagern nicht selten, doch wurden die Frauen und ihre Kinder zumeist ermordet. Um zu verdeutlichen, dass das Überleben der sieben Mütter im mörderischen KZ-System eine Ausnahme bildete, werden in der Ausstellung die Verfolgungsschicksale der Frauen in den historischen Kontext eingebunden.

Die Biographien der Frauen werden in sieben Abteilungen vorgestellt: das Leben vor der Deportation, ihre Ankunft und Haft in den Konzentrationslagern Auschwitz und Płaszów, ihre Überführung in die Dachauer Außenlager, ihre Erfahrungen als weibliche Häftlinge, die Entdeckung und ihr Umgang mit der Schwangerschaft und die Geburten ihrer Kinder in Kaufering I, das Verhalten der SS, die Evakuierung des Lagers und ihre Befreiung in Dachau sowie ihr Leben nach dem Holocaust.

Alle sieben Frauen, die aus Ungarn und aus den von Ungarn annektierten Gebieten stammten, waren bereits während ihrer Deportation schwanger. Sie überlebten die Selektion in Auschwitz und weitere Konzentrationslager, bis sie nach der Entdeckung ihrer Schwangerschaft Anfang Dezember 1944 in das Dachauer Außenlager Kaufering I deportiert wurden. Unter den katastrophalen Bedingungen eines Konzentrationslagers brachten sie dort ihre Kinder zur Welt. Nach den Entbindungen bildeten die Mütter Eva Fleischmannová, Sara Grün, Ibolya Kovács, Elisabeth Legmann, Dora Löwy, Magda Schwartz und Miriam Rosenthal ein sogenanntes Schwangerenkommando und mussten in der Häftlingswäscherei arbeiten. Noch am 13. März 1945 verfügte der 1. SS-Lagerarzt des KZ Dachau, dass die Mütter in das Sterbelager KZ Bergen-Belsen überstellt werden sollten. Dieser Befehl wurde jedoch nicht mehr ausgeführt – alle Frauen und ihre Kinder überlebten den Holocaust.

Zur Eröffnung der Ausstellung „Sie gaben uns wieder Hoffnung“ am kommenden Samstag um 15 Uhr kommt neben der Buchautorin Eva Gruberová und Kuratorin Dr. Sabine Schalm auch Mária Nováková, eines der im KZ geborenen Kinder. Bis zum 2. Juni ist die Sonderausstellung in Landsberg zu sehen, zum Programm gehören auch Zeitzeugengespräche für Schulklassen mit den Überlebenden Uri Chanoch, Abba Naor und Bernhard Marks. Außerdem zeigt das Filmforum am 8. Mai um 20 Uhr „Geboren im KZ“ mit anschließender Diskussion im Stadttheater.

Weitere Informationen auf www.museum-landsberg.de.

Meistgelesen

Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Toll: Das erste Azubi+ ist da!
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"
Herzhaft finstere Lebenslieder
Herzhaft finstere Lebenslieder

Kommentare