Wenn Stadtradler schwächeln

Erfolgreiche Stadtradler – aber weniger Kilometer als im Vorjahr

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Gruppenbild mit Stadtradel-Siegern (vorne von links): Melina Frahn (JWR), Lino Brüggermann und Stellvertretende Landrätin Ulla Kurz sowie (hinten von links) Martin Baumeister (ADFC), Ruth Baumeister, Hagen Lüttge und Klimaschutzmanagerin Andrea Ruprecht.

Landkreis – Im Kreistag wird immer wieder über Klimaschutzmaßnahmen diskutiert. Doch viele Ideen kosten Geld und es braucht neues Personal zur Umsetzung. „Sie aber haben einfach gehandelt“, freut sich die stellvertretende Landrätin Ulla Kurz mit den Stadtradlern. „Ohne bürokratischen Aufwand, ohne Geld zu kosten.“ Für ihr Engagement wurden die fleißigsten Radler nun geehrt.

Insgesamt haben 2.232 Fahrradfahrer im Landkreis in drei Wochen stolze 80 Tonnen CO2 eingespart. Dabei sind 560.820 Kilometer zusammengekommen. Das Ergebnis liegt zwar etwas unter dem vom Vorjahr. Dennoch konnte sich der Landkreis Platz 36 im deutschlandweiten Vergleich sichern. Und das bei insgesamt über 1.100 teilnehmenden Kommunen.

Die fahrradaktivste Kommune im Landkreis ist die Stadt Landsberg. Klar, hier gibt es ja auch die meisten Einwohner. Wenn es aber nach den meisten Radkilometern pro Einwohner geht, dann hat Thaining die Nase vorne. 137 Teilnehmer sind 1.022 Kilometer gefahren. Das macht 31,6 Kilometer pro Einwohner. Unterdießen und Apfeldorf folgen auf Platz 2 und 3. Bundesweit belegen die drei Gemeinden die Ränge 2, 7 und 9.

Zum großen Erfolg des Landkreises haben unter anderem Ruth Baumeister (1.283 Kilometer), Inge Jehle (1.233) und Regina Schmelzer (951) beigetragen. Alle drei wurden in der Kategorie Einzelradler Damen geehrt. Zusammen haben sie 310 kg CO2 eingespart. Die Herren waren nicht minder fleißig. Die meisten Kilometer brachten Hagen Lüttge (2.647), Werner Franz (2.298) und Dieter Dankesreiter (2.122) zusammen. Sie können eine CO2-Ersparnis von knapp über 1.000 kg vorweisen.

Die Teamergebnisse sind nicht weniger beeindruckend. Der ADFC Landsberg sparte mit 76 Radlern über 5.400 Kilogramm CO2 ein, die Ritzelschinder mit 70 Radlern knapp 4.800 und die 87 Freitagsradler setzten sich mit gut 4.700 Kilogramm CO2 auf den 3. Platz. Den ehrenwerten Titel als fahrradaktivste Sportvereine sicherten sich die Finninger TSV-Radler (20.874 km), der VfL Denklingen (19.965) und der FC Dettenschwang (12.094).

Und um allen Fridays for Future-Skeptikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, sammelten die Schüler heuer auch wieder fleißig Kilometer. Der Johann-Winklhofer-Realschule konnte dabei niemand das Wasser reichen: Die ersten fünf Plätze werden ausschließlich von JWR-Klassen belegt – auf dem Podest: 5c (4.083 km), 7h (3.152) und die 8d (1.645). Für die Grundschule Kaufering gab‘s einen Sonderpreis, und zwar für die meisten Teilnehmer je Schule, prozentual orientiert an der Gesamtschülerzahl.

Ohne Auto – das geht

Ebenfalls geehrt, aber außer Konkurrenz gefahren, wurden die diesjährigen Stadtradel-Stars Reinhard Kolke vom Technikzentrum ADAC und Gerhard Schmid, Geschäftsstellenleiter der VG Fuchstal. Die beiden hatten sich im Vorfeld dazu verpflichtet, die drei Aktionswochen komplett auf ihr Auto zu verzichten. Schmid musste zugeben, dass es nicht immer einfach war. Beim Einkaufen mit dem Fahrrad wollten etwa partout nicht zwei Getränkekästen in den Anhänger passen. „Aber auf mein Bier wollte ich nicht verzichten“, scherzte Schmid. Und so musste er halt zweimal fahren. Auch seine Familie habe ihn nicht immer verstanden: „Setz‘ dich doch einfach hinten ins Auto rein, da sieht dich schon keiner.“ Aber Schmid war eisern. „Die Einschränkungen waren am Anfang hart. In der Mitte der Zeit wird man dann aber richtig ehrgeizig. Und am Ende freut man sich, dass man‘s durchgezogen hat“, resümiert Schmid.

Kolke sieht das genauso. Er hatte zudem noch ein paar Tipps parat, was der Landkreis für eine fahrradfreundlichere Kommune tun könne: Ein großer Punkt seien die Abstellplätze für Fahrräder. Damit würde auch gewährleistet, dass kurze Strecken bevorzugt mit dem Rad statt dem Auto gefahren werden.

Außerdem regte ADAC-Mann Kolke einen autofreien Sonntag in der Innenstadt an. „Eine Stadt lebt von Pilotprojekten.“ Andere Kommunen seien da viel mutiger als Landsberg. So wie etwa Düsseldorf oder Pfaffenhofen, wo es den autofreien Sonntag schon länger gebe. Kolkes abschließendes Plädoyer: „Lasst uns etwas tun, statt den Kopf in den Sand zu stecken.“
Stephanie Novy

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