Technologiepark Lechrain

Hightech hinter Maschendraht

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Die rote Linie markiert die Umgriff des neuen Bebauungsplanes „Technologiepark Lechrain“ in der ehemaligen Lechrain-Kaserne, den die im südöstlichen Bereich bereits angesiedelte Firma 3C-Carbon entwickeln möchte.

Landsberg – Unsere Anfrage beantwortete 3C-Carbon prompt – das ist nicht selbstverständlich. Das Unternehmen und Geschäftsführer Karsten Jerschke gelten eher als öffentlichkeits­scheu. 3C-Carbon, in der ehemaligen Lechrainkaserne angesiedelt, arbeitet diskret, aber weltweit höchst erfolgreich: Jetzt will man erneut expandieren und gar einen „Technologiepark“ schaffen.

Dazu kauft 3C-Carbon der Stadt Landsberg vermutlich den kompletten Rest des Areals ab. Der Stadtrat stimmte der zuvor nötigen Änderung des Bebauungsplanes einstimmig zu.

Nicht nur Martha Borgmann (UBV) hatte das Beispiel des Klebstoff-Herstellers Delo noch im Hinterkopf: „Der ist damals weggezogen, nur weil wir gemeint haben, wir müssten nicht um vielleicht 10 Euro pro Quadratmeter nachgeben. Das darf uns um Gottes Willen nicht noch einmal passieren.“ Auch die Verwaltung wies in ihrer Beschlussvorlage darauf hin, dass es darum gehe, ein „mögliches Abwandern der Firma bei eingeschränkter Entwicklungsfähigkeit zu verhindern.“

Und der Carbonhersteller hat viel vor. Nicht nur Produktionsanlagen sollen gebaut werden, auch eine Kindertagesstätte, Sportanlagen für die Mitarbeiter, Gastronomie und eine Art Firmenhotel. Ein möglicher Verkauf des Geländes dürfte der Stadt Einnahmen im Millionenbereich bringen (die Verhandlungen laufen), allerdings ist dafür auch einiges an Vorarbeit nötig. Der Bebauungsplan muss neu erstellt und weitere Flächen aufgenommen werden, auch der Flächennutzungsplan wird modifiziert. Dabei wird unter anderem das bisherige Landschaftsschutzgebiet zum Mischgebiet gemacht – sofern der Kreistag den Plänen zustimmt. Das nötige Artenschutzgutachten hat das Unternehmen bereits vorgelegt, mit der Unteren Naturschutzbehörde gab es schon eine gemeinsame Gesprächsrunde. Ergebnis: Das Vorhaben „erscheint ohne artenschutzrechtliche Konflikte möglich“.

Sich davon vor Ort zu überzeugen, ist kaum machbar, denn das Gewerbegebiet Lechrain ist mit Zäunen, Toren und Mauern so gut gegen Zutritt gesichert wie zu Bundeswehrzeiten. Dass man zum gesamten Gelände nur Zutritt bekommt, wenn man von einer der dort angesiedelten Firmen Einlass erhält, findet OB Mathias Neuner (CSU) aber nicht ungewöhnlich. „3C-Carbon ist eine Firma von Weltrang, hätten wir den Zaun da vorne nicht, müssten sie ihn hinten vor ihrem Gebäude hochziehen, das ist dann ja egal.“

Das Thema wird sich jetzt ohnehin erledigen. Der Carbonhersteller kauft nicht nur Flächen für Produktion und die genannten Nebennutzungen, sondern auch das Wegenetz. Um ihr eigenes Museumsdepot auf dem Areal künftig noch zu erreichen, muss es die Stadt über eine Zufahrt von außen neu erschließen. Den Antrag von Reinhard Skobrinsky, das „statt mit neuen Zäunen und Straßen“ über ein Zutrittsrecht zu lösen, beantwortete Neuner mit „ist in Ordnung, wir denken darüber nach“.

In den Augen von Stadtbaumeisterin Annegret Michler ist die Aufgabe der Rechte durchaus positiv zu sehen. „Das Unternehmen will das Gelände komplett über Privatwege erschließen. Das ist für uns deshalb interessant, weil wir den Winterdienst und Unterhalt der Straßen dann nicht mehr leisten müssen.“ Auch in der Beschlussvorlage zeigt sich die Verwaltung begeistert von den Erweiterungsplänen. Man sieht Parallelen zum „Novartis Campus in Basel“ oder zum „Adlershof in Berlin“. Bei diesem Ver­- gleich fällt allerdings auf: in beiden größten Technologieparks Deutschlands und der Schweiz gibt es öffentliche Führungen. 3C-Geschäftsführer Karsten Jerschke ist sich der Problematik durchaus bewusst. „Wir sind der Meinung, dass die Leistung sprechen soll und man sich nicht produzieren muss.“ Sagt‘s und kündigt an: „Wir wissen aber auch, dass wir mit zunehmender Größe etwas an unserer Öffentlichkeitsarbeit ändern müssen.“


3C-Carbon gibt sich bescheiden, trotz Formel 1


Der Stadtrat wurde eine Woche vor der Abstimmung über die Erweiterungspläne zu einer Betriebsbesichtigung bei 3C-Carbon eingeladen. Eine „beeindruckende“ und „tolle“ Firma habe man da gesehen, hieß es hinterher unisono, recht viel mehr wollte man nicht kund tun – das Unternehmen hatte um Diskretion gebeten. Das passt ins Bild: Der Carbonhersteller spielt zwar weltweit in der ersten Liga und ist inzwischen zu einem der wichtigsten Gewerbesteuerzahler in Landsberg geworden, hält sich aber vor Ort extrem zurück. OB Neuner hat dafür Verständnis: „Das ist die Entscheidung des Unternehmens. Der Chef will eben nicht in der Öffentlichkeit stehen, das ist sein gutes Recht.“ Dabei gäbe es nicht wenig, was man stolz vorzeigen könnte. Die Firma erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen, und wer heute in einem deutschen Mittel- oder Oberklasse-Auto schick glänzende Armaturen findet, kann fast sicher sein, dass sie von 3C-Carbon gefertigt wurden. Der Verbundwerkstoff aus Landsberg ist auch in der Formel 1 und im Flugzeugbau gefragt. Seit einiger Zeit entwickelt sich die Medizintechnik zu einem weiteren wichtigen Absatzmarkt für das Unternehmen. Der KREISBOTE wird demnächst ausführlich über 3C-Carbon berichten.

Christoph Kruse

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