Entscheidung vertagt

Personaldebatte in öffentlicher Sitzung?

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Welche beiden externen Fachleute den Verwaltungsrat der Stadtwerke Landsberg (Foto) in Zukunft „verstärken“ sollen, ist noch offen. Mangels ausreichender Informationen hat der neue Stadtrat diese Entscheidung vertagt.

Landsberg – Das war irgendwie anders geplant: Der neue Stadtrat lehnte es einstimmig ab, über die beiden externen Fachleute abzustimmen, die künftig neben sechs Stadtratsmitgliedern plus OB im Verwaltungsrat der Stadtwerke Landsberg sitzen sollen.

Die Räte fühlten sich offenbar im Vorfeld nicht ausreichend informiert und vertagten die Entscheidung – nicht gerade zur Freude der Kandidaten und der Stadtwerke-Spitze.

Aus Sicht des selbständigen Kommunalunternehmens und der Verwaltung war man nach eigenem Bekunden gut vorbereitet. „Wir haben uns einige Bewerber angeschaut und sind zu dem Schluss gekommen, dass diese beiden Herren sehr gut geeignet wären“, leitete OB Mathias Neuner (CSU) den Tagesordnungspunkt im Rahmen der konstituierenden Sitzung ein, blickte aber schon zu diesem Zeitpunkt in einige skeptische Gesichter.

Flankiert von den Stadtwerke-Vorständen Norbert Köhler und Christof Lange präsentierten Walter Dürr und Raimund Pröll kurz ihren beruflichen Hintergrund und Werdegang. „Ich bin seit 25 Jahren Landsberger“, sagte Dürr, seit 1993 in der kommunalen Energiewirtschaft tätig und seit 2008 Geschäftsführer der Stadtwerke Haar. Pröll arbeitet seit knapp 20 Jahren als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, zwischenzeitlich, wie er auf Nachfrage sagte, auch für die Münchener Kanzlei „Becker, Büttner, Held“, in Landsberg inzwischen bestens bekannt, weil seit Jahren für die Stadtverwaltung tätig.

Ein bißchen umgehört

Insgesamt nicht die schlechtesten Qualifikationen für den Posten als Verwaltungsrat, möchte man meinen. In den kritischen Nachfragen aus mehreren Stadtrats-Fraktionen ging es dann auch stark um das Auswahlverfahren an sich. „Wie kamen denn die Bewerbungen zustande? Waren diese Stellen ausgeschrieben?“ wollten etwa die Grünen wissen. OB Neuner klärte auf: Eine Ausschreibung habe es nicht gegeben, man habe sich lediglich „ein bisschen in der Branche umgehört“. Die Rückfrage ließ nicht lange auf sich warten: Wer denn dann die Bewerber ausgesiebt habe? Neuner: „Ich und Herr Köhler von den Stadtwerken.

Nach einigen irritierten Blicken zwischen den Fraktionen ging Dr. Reinhard Steuer (UBV) in die Offensive. „Ich kann diese Entscheidung mit den wenigen Informationen jetzt ehrlich gesagt nicht treffen, ich würde da schon gerne noch einmal drüber schlafen.“ Seine Kollegen waren offenbar derselben Meinung und so verschob man den Tagesordnungspunkt auf die nächste Stadtratssitzung – dann aber in den nicht-öffentlichen Teil. Immerhin hätten viele Gremiumsmitglieder auch gerne die Frage der Entlohnung der Experten geklärt, was sich aber in Öffentlicher Sitzung von selbst ver­bietet.

Dass man nach der Vorbereitung und der Anreise der Kandidaten unverrichteter Dinge wieder abziehen musste, löste bei den Verantwortlichen des Kommunalunternehmens sichtlich keine Begeisterung aus. Doch auch ein Teil der Stadträte fühlte sich durch die Art des Vorgehens brüskiert. „Wer diese Sitze besetzt, ist eine wichtige Frage, das ist doch klar, dass wir da mitgenommen werden wollen“, begründete ein Ratsmitglied später. „Das ist nicht sehr glücklich, wenn wir von diesen Kandidaten und dem Auswahlverfahren vor der Abstimmung zum ersten Mal überhaupt hören.“ Zudem hatten offenbar mindestens zwei Fraktionen eigene Leute, die sie gerne für die zwei Posten vorgeschlagen hätten.

Christoph Kruse

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