Straßennamen am Papierbach

Wird es historisch?

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Zwischenstand der Wegbezeichnungen im ULP-Areal.

Landsberg – Es könnte eine Quizfrage bei „Wer wird Millionär“ sein: Wer kurz hintereinander Wege durchschreitet, die nach Heinrich dem Löwen und Ludwig dem Bayern benannt sind, befindet sich (a) in der Ausstellung „Welfen und Wittelsbacher“ (b) im Freilichtmuseum „Die Salzstraße Europas“ (c) beim Kaltenberger Ritterturnier oder (d) im modernen Wohngebiet „Urbanes Leben am Papierbach“. Oberbürgermeister Mathias Neuner wäre da ein guter Telefonjoker. Er weiß: Tatsächlich sollen vier Baufelder im ULP-Areal historische Adressen erhalten. Ist das sinnvoll?

Östlich der Bahnlinie ist alles klar: Aus der Altstadt kommt man (zu Fuß oder mit dem Fahrrad) über den „Herkomer-Steg“ auf den „Johnny-Cash-Platz“. Rechts biegt man ab in „An der Pflugfabrik“, links in „An der Schmiede“. Am Ende dieses Wegs, „An der Papiermühle“, ist das Boarding-Haus und das vorgeschlagene Belvedere (siehe gesonderter Bericht). Die Namen von-Kühlmann-Straße und Margaret-Herkomer-Weg bleiben. Das alles kann man positiv abhaken.

Westlich der Bahnlinie geht der „Johnny-Cash-Platz“ dem Plan zufolge in den „Oberbürgermeister-Hamberger-Platz“ über. Das ist die erste, wenn auch kleine Ungereimtheit: Hamberger würde durch die Bezeichnung „Hanns-Hamberger-Platz“ nicht weniger Ehre zuteil. Dann aber wird’s diffus: Da erhalten auch Wege (nicht nur Plätze) die Namen von Personen. Da wird die Anspielung an die Industrie nicht weitergeführt. Und da springen wir ganz weit in der Geschichte zurück. Johnny Cash starb 2003, Hanns Hamberger 2013. Heinrich der Löwe ist schon 822 Jahre tot, Ludwig der Bayer verließ uns vor 670 Jahren. Wenn das kein Zeitsprung ist.

Ohne Frage: Heinrich und Ludwig machten sich um Landsberg verdient. Lechbrücke und Landesburg gehen auf den Welfen, Rechte und Privilegien auf den Wittelsbacher zurück. Aber passen diese Namen zu den vier modernen Baufeldern, die da entstehen? Daran hatten einige Stadträte in der Sitzung am vergangenen Mittwoch Zweifel. Die neuen Namen seien aber doch im Ältestenrat vorbesprochen worden, wandte der OB ein, doch zum einen klappt der Wissenstransfer von diesem Gremium in die Fraktionen öfters nicht, zum anderen sei es „immer wieder hin- und hergegangen“, merkte Andreas Hartmann (Grüne) an.

Das nun beschlossene erneute Nachdenken könnte man auch auf den „Sommerweg“ erstrecken, der vom „Heinrich-der-Löwe-Weg“ erreichbar sein soll. Nein, da geht es nicht um den bayerischen SPD-Abgeordneten Alfred Sommer, den Maler Georg Sommer oder das Bravo-Pseudonym Dr. Sommer, sondern um die Wiederaufnahme von Herbstweg, Sonnenstraße und Frühlingsstraße am Nord­ende des Baugebiets. Das ist, so könnte man sagen, „weit hergeholt“.

Ewig verschieben kann man die Namensgebung nicht: Investor ehret + klein würde gerne schon in den ersten Verkaufs­prospekt die richtigen Adressen aufnehmen. „An der Schmiede 6“ klingt viel schöner als „Baufeld B2“. Die Abstimmung des Stadtrats soll nun am 21. Juni stattfinden. Nach Vorberatung am 19. Juni, im, raten Sie: Ältestenrat.

Werner Lauff

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