Jetzt "vertieft untersuchen"

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Der Standort des Stadtmuseums soll nun „vertieft untersucht“ werden. Dabei geht es unter anderem auch um das Thema Barrierefreiheit.

Landsberg – Kultur-Bürgermeister Axel Flörke hätte es gerne gesehen, wenn der Stadtrat am vergangenen Mittwoch Nägel mit Köpfen gemacht hätte. Er bat „inbrünstig“ darum, zu beschließen, dass das Stadtmuseum im ehemaligen Jesuitengymnasium „beibehalten und nachhaltig entwickelt wird“. Der Stadtrat folgte diesem Antrag nicht. Freilich wird der Standort nun „vertieft untersucht“.

22 von 28 Stadträten waren sich letztlich einig: Es wäre für eine abschließende Festlegung zu früh. Allerdings hatten sie unterschiedliche Motive für diese Haltung. Einige wollten mehr über die Kosten der notwendigen Umbauten erfahren. Andere bezweifelten, dass es jemals möglich sein wird, das Gebäude barrierefrei zugänglich zu machen; außerdem halten sie die Parkplatzsituation für problematisch. Wiederum andere vermissten ob der vorgesehenen Fokussierung des Museums auf die Stadtgeschichte ein Konzept für die Gemälde, insbesondere für die Scholle-Sammlung. Und eine vierte Gruppe wollte andere Standorte noch nicht abhaken, insbesondere nicht die Schlossberg- und die Spitalplatzschule.

Was kostet das?

Ausgangspunkt war ein in mehreren Punkten nachgebessertes Gutachten von FranKonzept. Allerdings sind in der Stellungnahme des Würzburger Kulturbüros offenbar keine Kostenangaben zu finden. Überprüfen können wir das nicht: FranKonzept weigert sich „aus Gründen des Urheberrechts“, das Gutachten der Presse zugänglich zu machen. Anscheinend haben aber auch die Stadträte, die den 180 Seiten umfassenden Text erst am Tag vor der Sitzung erhielten, keine derartigen Angaben gefunden. Was kostet es also, das ehemalige „Neue Stadtmuseum“, das künftig „Landsberg Museum“ heißen soll, umzugestalten – inklusive Brandschutz und Aufzug? Das soll nun ein Ideenwettbewerb ermitteln, bei dem Architekten Lösungen vorschlagen. Die Kosten sind durch Fördermittel reduzierbar, unter anderem durch bereits zugesagte Zuschüsse der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern.

Geht das barrierefrei?

Dass das Innere des Museums mit einigem Aufwand barrierefrei gestaltet werden kann, steht außer Frage. Stadträte, die sich aus eigener Betroffenheit mit dem Thema auskennen, bezweifeln aber, dass die barrierefreie Erreichbarkeit des ehemaligen Gymnasiums gewährleistbar ist. Stellplätze und Rampen müssten unmittelbar am Gebäude geschaffen werden. Geht das? Generell stellt sich die Frage nach der Parkplatzsituation. Auch für Menschen ohne Behinderungen kann der Weg auf den Berg beschwerlich und die Anfahrt mit dem Auto angezeigt sein.

Wo ist die Kunst?

Ursprünglich hatte FranKonzept eine Formel entworfen: „Geschichte am Berg, Kunst am Fluss“. Allerdings hatten die Gutachter offengelassen, wo und zu welchen Kosten denn die Kunst „am Fluss“ untergebracht werden soll. Nun vertreten sie die Auffassung, die Gemälde der Stadt, insbesondere die Scholle-Sammlung, sollten nur gelegentlich in Sonderausstellungen „auf dem Berg“ gezeigt werden. Das Angebot des Freistaats, der Stadt die gesamten Scholle-Gemälde zur Verfügung zu stellen, sehen sie offenbar zurückhaltend. Die Scholle-Kunst habe außerhalb der Region nur einen geringen Bekanntheitsgrad, erklärte FranKonzept-Gesellschafter Jochen Ramming dazu. Das Interesse daran müsse erst noch geweckt werden.

Wo ginge es noch?

Mehrere Stadträte waren der Meinung, dass man die Standorte Schlossberg und Spitalplatz noch nicht hinreichend geprüft hat. Nach Ansicht der Gutachter ist das frei werdende Gebäude der Schlossbergschule zu groß und das der Spitalplatzschule (das frei würde, wenn die Schlossbergschule zur Grundschule wird) zu „profan“, weil nicht historisch. Das überzeugt nicht alle Mitglieder des Stadtrats. Das Thema „Landsberg Museum“ ist also noch lange nicht abgehakt. Museumsleiterin Sonia Fischer kann dennoch bereits an die konzeptionelle Arbeit gehen. Sie wurde einmütig beauftragt, das neue Museum inhaltlich zu entwickeln. Dass es auch die neuere Stadtgeschichte, insbesondere den Aufstieg und Fall des Nationalsozialismus, dokumentieren soll, war ebenfalls gemeinsame Überzeugung. 

Werner Lauff

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