Heute Abend im Rathaus:

Der Hubschrauber geht vor

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Die geplante Bebauung an der Römerauterrasse rückt auf 80 Meter an den Hubschrauberlandeplatz des Klinikums heran.

Landsberg – Verkaufe Grundstück Nummer 1 an die Stadt, bekomme dafür Baurecht auf Grundstück Nummer 2. So ähnlich läuft jetzt ein Deal an der Römerauterrasse ab. Das ist üblich und eigentlich kein Problem, zumal dann, wenn kaum Widerspruch gegen die Planung eingeht. Eine Win-Win-Situation im Rahmen des alltäglichen Grundstücksmanagements. Problematisch wird es, wenn schon beim Bebauungsplanentwurf nicht an alles gedacht wird. Konkret geht es um die Hubschrauber­landestelle am Klinikum. Am heutigen Mittwoch berät der Stadtrat darüber erneut.

Bis auf 80 Meter rückt die Bebauung nach dem Plan an die Landestelle heran und das könnte in Sachen Lärm, Antennen und Windkraft zu Problemen führen. Die Sorge heißt: Was ist, wenn Eigentümer gegen den Lärm protestieren, der von den Helikoptern ausgeht? Und was ist, wenn diese oder andere Eigentümer genehmigungsfreie Antennen oder Windkraftanlagen jeweils bis zu zehn Meter Höhe installieren und damit der Flugbetrieb gestört wird?

Einige Stadträte hatten bei der letzten Stadtratssitzung wenig Bedenken, zumal vom derzeitigen Eigentümer des Grundstücks wohl keine Forderungen oder Maßnahmen zu befürchten sind. „Wir brauchen aber eine Absicherung, die gegen jedermann wirkt“, forderte Jonas Pioch (Landsberger Mitte). Das richtige Instrument dazu wäre der Bebauungsplan, nur sieht der Entwurf zurzeit keine Begrenzungen vor. Und er steht bereits kurz vor der Verabschiedung, die eilig ist: Die Stadt hatte sich verpflichtet, das Baurecht bis zum 30. Juni zu schaffen. Deshalb: Den Bebauungsplan an der Römerauterrasse noch einmal zu ändern, scheidet als Option daher aus.

Das Thema Lärm hatten die Verfasser der Begründung durchaus auf dem Radarschirm. „Von den startenden und landenden Hubschraubern gehen Schallimmissionen aus“, ist darin zu lesen. Da die Landestelle genehmigungsfrei errichtet werden konnte, lägen keine schalltechnischen Untersuchungen vor. Zumindest nachts könnten die zulässigen Spitzenpegel deutlich überschritten werden. Da es sich aber um „Notsituationen“ und „seltene Ereignisse“ handele, seien zwingende Festsetzungen im Bebauungsplan zum passiven Schallschutz unnötig und unverhältnismäßig. Ein Hinweis auf die zu erwartende Lärmbelastung reiche aus. Ebenso genüge die Anregung, Schlafzimmer „sollten“ mit fensterunabhängigen schallgedämmten Lüftungseinrichtungen ausgestattet werden.

„Die Hinweise kann der Bauherr berücksichtigen, er kann es aber auch sein lassen“, erläuterte Stadtbaumeisterin Birgit Weber und CSU-Fraktionschef Tobias Wohlfahrt plädierte an den Stadtrat: „Lassen Sie das doch den entscheiden, der da baut“. Christoph Jell (UBV) und Wolfgang Weisensee (Landsberger Mitte) bezogen die Gegenposition: Man müsse eindeutig ausschließen, dass der Hubschrauberbetrieb irgendwann einmal gefährdet wird. Das gelte umso mehr, als der Helikopter wegen Notarzt-Personalmangel auch tagsüber öfter starte. Außerdem sei die uneingeschränkte Nutzbarkeit der Landestelle ein wichtiger Faktor, wenn es in möglicherweise fusionierten Krankenhäusern um den besten Standort gehe.

Bis zehn Meter Höhe

Erst in der Sitzung kamen zwei weitere Sorgen auf: Der Bebauungsplan schließe nicht aus, dass die Eigentümer der neuen Wohnhäuser Antennen und Windkraftanlagen bis zu zehn Meter Höhe errichten. Allerdings konnten weder die Stadträte noch die Stadtverwaltung die Frage beantworten, ob dadurch eine Störung des Flugbetriebs stattfinden könne. In der Begründung des Bebauungsplans, die von der Stadtverwaltung selbst erstellt worden war, steht zu diesen beiden Themen nichts.

Auf Antrag von Wolfgang Neumeier (UBV) sollte das nun bis zur Stadtratssitzung am heutigen Mittwoch (ab 18.30 Uhr) geklärt werden. Vielleicht ist diese Sorge unbegründet: Die derzeit noch vorhandene 20 Kilovolt-Doppelleitung wird aus der Luft in den Boden verlegt. Insofern wird das Ansteuern der Landestelle erst einmal erleichtert. 

Werner Lauff

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