Zweigeschossige Tiefgarage unter dem neuen Jugendzentrum wird gebaut

Landsberg wagt den Tiefgaragenbau

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Die Suche nach oberirdischen Parkplätzen in der Landsberger Innenstadt soll reduziert werden. Der Bau der Tiefgarage unter dem neuen Jugendzentrum könnte ein erster Schritt dazu sein.

Landsberg – Er geht das Wagnis ein: Gegen die Stimmen von UBV und ÖDP entschied der Stadtrat am vergangenen Mittwoch mit großer Mehrheit, unter dem neuen Jugendzentrum in der Lechstraße eine zweigeschossige Tiefgarage mit 186 Plätzen zu bauen. Die Stadt geht damit ein Stück weit in Vorleistung; ausgelastet werden die Plätze, die man über die bisherige Zufahrt zur Lechgarage erreicht, nämlich nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Man könnte es so formulieren: Der Stadtrat hat die Gunst der Stunde genutzt. So schnell kommt wohl kein zweites Bauvorhaben im Zentrum, das sich für eine Tiefgarage eignet, ja sogar aufdrängt, weil wegen Altlasten ohnehin ein tiefer Aushub erfolgen muss. Und so schnell bekommt man wohl auch kein zweites Mal nichtstaatliche Finanzmittel, wie die von Bauträger ehret + klein, der der Stadt 5,3 Millionen Euro zahlt, weil das alte Jugendzentrum im Baubereich des Papierbach-Areals liegt und von dort verlagert werden muss.

Allerdings: Da die vorhandene Lechgarage, von Spitzenzeiten abgesehen, nur eine Auslastung von 60 Prozent hat, ist die Wirtschaftlichkeit des Neubaus nicht gesichert. Schwarze Zahlen entstehen nur dann, wenn die Stadtwerke, die die Garage mit Finanzmitteln der Stadt bauen und auf eigene Rechnung betreiben sollen, eine Reihe von Kundengruppen gewinnen. Das sind zunächst diejenigen, die bisher auf der Warteliste für einen Dauer- oder Quartiersparkplatz stehen. Außerdem sollen Mieter von Plätzen in der Schloßberggarage das Angebot erhalten, in die Lechstraße umzuziehen. Dritte Kundengruppe sind Eigentümer und Mieter der neuen Wohnungen, die in einigen Altstadtbauten derzeit entstehen.

Die Erhöhung der Kapazität für Dauermieter hat einen positiven Nebeneffekt für die Schwaighofsiedlung, in der viele, die von außen kommen, um in Landsberg zu arbeiten, ihr Auto bislang abstellen. Daher könnte man nach Fertigstellung der neuen Plätze die dortigen Straßen nur noch für Anwohnerparken vorsehen, was seit Langem gefordert wird.

Problematischer wird es bei bisher oberirdisch im Vorder- und Hinteranger parkenden Anwohnern. Dass sie in die neue Garage „umziehen“ sollen, dazu gibt es bislang nur eine Absichtserklärung des Stadtrats. Auch ist unklar, wie viele Parkplätze wegfallen sollen. Beides will der Stadtrat erst nach einem Bürgerbeteiligungsverfahren festlegen.

Noch schwieriger ist es, zu prognostizieren, ob auch Kurzparkplätze benötigt werden. Zunächst einmal bewirkt der Wegfall von Anwohnerparkplätzen in den Angern nur eine unwesentliche Reduzierung des Parksuchverkehrs und auch keine nachhaltige Erhöhung der Aufenthaltsqualität, selbst wenn man die wegfallenden Parkplätze mit Gastronomieflächen und Blumenkübeln füllt. Erreichbar sind diese Ziele letztlich nur, wenn man auch das Kurzzeitparken auf Anliefern und Abholen beschränkt. Erst dann wird es für Aufenthaltsparker sinnlos, durch Vorder- und Hinteranger zu fahren, um nach oberirdischen Plätzen Ausschau zu halten.

Dann, aber auch nur dann, rechnet sich die neue Tiefgarage und erzielt einen Gewinn im unteren sechsstelligen Bereich. Das war auch der Grund, warum die UBV gegen die Maßnahme gestimmt hat: Sie befürchtete, mit dem Tiefgaragenbeschluss einen Automatismus auszulösen – entweder die Reduzierung der Parkdauer in den Angern oder, wenn das nicht geschieht, eine Erhöhung der Parkgebühren, über die die wirtschaftlich denkenden Stadtwerke alleine entscheiden könnten.

Zwar beträgt das errechnete Defizit im Fall, dass nicht mehr Kurzparker als bisher in die Garage fahren, nur 37.000 Euro jährlich. Tatsächlich hatten aber zuvor sowohl Stadtkämmerer Peter Jung wie auch Stadtwerke-Vorstand Christof Lange auf den Zusammenhang mit der Anger-Thematik hingewiesen. „Es scheint einen Bedarf zu geben, weil Sie sich entschieden haben, Stellplätze an Vorder- und Hinteranger zu reduzieren“, sagte Jung. „Alle Entscheidungen, die Sie in Sachen Vorder- und Hinteranger treffen, schaffen Nachfrage“, sagte Lange.

Daher forderte die UBV, die Garage auf ein Deck zu begrenzen. Allerdings ließen sich damit nur geringe Einsparungen für die Stadt erzielen. Das hatten eilig nachgeschobene Berechnungen von Kämmerer Jung aufgezeigt.

Garage am Bahnhof

Verkehrspolitisch bleibt ein Problem: Wer mehr Parkplätze schafft, führt mehr PKW an die Innenstadt heran. Darauf hatte zuvor der Verkehrsexperte Christian Fahnberg hingewiesen. Er plädierte dafür, zumindest die Route von der Katharinenstraße über die von-Kühlmann-Straße und die Schwaighofkreuzung zur Lechstraße überflüssig zu machen, indem man am Bahnhof ein zusätzliches Parkhaus baut.

Auf dem dortigen Gelände wird bereits jetzt (kostenlos) geparkt, vor allem von Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Mathias Neuner kündigte an, aus den ihm zur Verfügung stehenden Finanzmitteln eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Lässt sich dort ein Parkhaus errichten? Und was kostet es?

Letztlich war es dann mit 19 zu 5 Stimmen doch eine klare Entscheidung: Die Stadtwerke bauen die Garage unter dem Jugendzentrum, die Stadt finanziert den Bau. Einen entsprechenden Beschluss hatte der Verwaltungsrat der Stadtwerke zuvor bereits gefasst. Haushaltsreferent Christian Hettmer (CSU) rechnete vor der Abstimmung noch einmal vor: „Die Gesamtmaßnahme einschließlich Tiefgarage kostet uns 9,1 Millionen Euro. Davon zahlt 5,3 Millionen der Pflugfabrik-Investor. Wir erhalten Zuschüsse in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Hinzu kommen 0,3 Millionen an Stellplatzablösen. Bleiben 1,7 Millionen Euro unter dem Strich. Günstiger geht es nicht.“

 Werner Lauff

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