Fahrpreiserhöhung beim Landsberger Stadtbus?

Der zahnlose Tiger im Nahverkehr

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Keine Preiserhöhung für die Fahrt mit dem Stadtbus? Beim Thema Öffentlicher Personennahverkehr erweist sich die Stadt Landsberg mittlerweile eher als „zahnloser Tiger“.

Landsberg – Soll Busfahren teurer werden? Die CSU sagt ja, die anderen Fraktionen sagen nein, bis auf zwei „Abweichler“ in jedem Lager. Ist die von Busunternehmen der „Landsberger Verkehrsgemeinschaft (LVG)“ vorgeschlagene Tarif­erhöhung im Stadtgebiet damit vom Tisch, bleibt alles beim Alten? So richtig weiß man das nicht, denn die Stadtrats-Diskussion in der vergangenen Woche hat verdeutlicht, dass die Große Kreisstadt beim Thema Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) wohl doch eher ein zahnloser Tiger ist.

Eigentlich müssten die Stadträte, die schon länger im Amt sind, voll im Bilde sein, wie das Bussystem konstruiert ist, doch auch sie sind es offenkundig nicht. „Ehrlich gesagt habe ich nicht verstanden, was passiert, wenn wir der Preisanhebung nicht zustimmen“, sagte etwa Dieter Völkel (SPD). Der zuständige Mitarbeiter des Land­­rats­amts hatte im Vorfeld noch einmal darauf hingewiesen, dass „es hier nicht um die Frage geht, ob eine Tarifanpassung kommt, sondern nur darum, ob die Stadt noch Änderungen im Detail wünscht. Der Stadtbus ist kein isoliertes Gebilde im Landkreis und Teil des Ganzen.“

In der Tat stellt sich die Lage offenbar so dar, dass die Bus­unternehmen die gewünschten Preise miteinander vereinbaren, das Landratsamt die Wünsche bündelt und die Regierung von Oberbayern darüber entscheidet. Die Stadt Landsberg ist in diesem System nicht vorgesehen, außer in der Rolle, die sie am 5. Februar 2018 verliert. Noch ist sie nämlich selbst Bus­unternehmerin. Da sie aber weder Fahrer noch Busse hat, hat sie die Firma Eisele beauftragt, die Fahrten durchzuführen. Genau betrachtet löst die Firma Waibel, die Gewinnerin der europaweiten Ausschreibung für den Stadtbusbetrieb, demnächst also nicht die Firma Eisele, sondern den Busunternehmer „Stadt Landsberg“ und den Subunternehmer „Eisele“ ab.

Diese Konstruktion führt dazu, dass man tatsächlich derzeit noch nicht weiß, welche Auswirkungen das „Nein“ des Stadtrats hat. Denn wenn die Regierung die beantragte Preis­erhöhung um bis zu 7,1 Prozent genehmigt und das Busunternehmen „Stadt“ diese Option nicht wahrnimmt, könnte der Betreiber der Linie 30, die Schneider Reisen GmbH, den neuen Preis trotzdem anwenden. „Ja, dann haben wir unter­schiedliche Preise“, bestätigte Ordnungsamtschef Ernst Müller in der Stadtratssitzung. Vom Bayertor zum Sankt-Ulrich-Platz würde die Einzelfahrkarte dann mal 1,40 und mal 1,50 Euro kosten, je nachdem ob man die Linie 3 oder die Linie 30 erwischt.

Deftige Preiserhöhung

Es gibt aber noch ein anderes Problem, auf das Müller hinwies: Der Landkreis trägt die Hälfte des Betriebskostendefizits. Wenn es sich durch die Beibehaltung der Landsberger Stadtbus-Preise erhöht, weil der Stadtrat keine Teuerung will, könnte das Landratsamt die Stadt bitten, den Fehlbetrag insofern selbst zu tragen.

Allerdings legte Stadtrat Stefan Meiser (ÖDP) in der Sitzung detailliert dar, warum eine solche Fahrpreiserhöhung unvertretbar ist. Die europaweite Ausschreibung hat nämlich zu einer deutlichen Kostenreduzierung geführt. Bisher entstand für den Stadtbus ein Aufwand von jährlich 885.000 Euro, künftig nur noch von 749.000 Euro. Auch das Defizit sinkt dadurch von 563.000 auf 427.000 Euro. Es könne nicht angehen, dass die Stadt ihren Bürgern höhere Preise zumute, nur weil andere Unternehmen im Landkreis die offenbar traditionell im Zweijahres-Rhythmus stattfindenden Erhöhung gerne hätten. Man könne auch nicht „nach der Pfeife des Betreibers der Linie 30 tanzen“.

Dass Meiser diese Zahlen mit einem gewissen Genuss vortrug, war unverkennbar. Er hatte sich vehement dafür eingesetzt, dass bei der Ausschreibung des Stadtbusses auch Hybridbusse vorgeschrieben werden. Von Verwaltungsseite und von Kollegen musste sich der ÖDP-Stadtrat, der auch Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses ist, harte Vorwürfe gefallen lassen: Das steigere die Kosten immens. Tatsächlich aber wird der Stadtbusbetrieb billiger. Inzwischen dürften fast alle über die knappe Entscheidung zugunsten der Hybridbusse dankbar sein. Ein Gutachten hat ergeben, dass am Hauptplatz der Grenz­wert bei den Stickoxyden nur noch knapp unterschritten wird. Und die Diesel-Diskussion verstärkt die Notwendigkeit, saubere Busse einzusetzen, noch einmal deutlich.

Kein Mitspracherecht

Auch das spreche übrigens gegen eine Preiserhöhung, merkte der Verkehrsreferent des Stadtrats, Henrik Lüssmann (Grüne) an: „Die Leute denken doch, jetzt kommt ein neuer Unternehmer mit Hybridbussen, jetzt wird’s teurer“. Und dann sprach er aus, was sukzessive wohl alle Mitglieder des Stadtrats verstanden haben: „Wenn wir im nächsten Jahr nicht mehr Unternehmer sind: Wir haben dann eigentlich kein Mitspracherecht mehr, richtig? Aber wir wollen doch, dass die Fahrt mit dem Stadtbus nicht immer teurer, sondern immer günstiger wird.“ Ordnungsamtschef Müller widersprach Lüssmann nicht: „Über Zukunftsvisionen müssten wir mit dem Landratsamt und der Regierung von Oberbayern sprechen“, sagte er.

Zukunftsvisionen? Sind die Reduzierung des Pkw-Verkehrs und die Stärkung des ÖPNV nicht eher Gegenwartsthemen? Wenn der Stadtrat auch dieser Meinung ist, sollte er die Wiederherstellung seiner Handlungsfähigkeit in Sachen Stadtbusse weit oben auf seine Agenda setzen.

Werner Lauff

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