Stadtteile auf der Überholspur

Noch zeugen Baustellen in den Stadtteilen (hier Reisch) von der DSL-Aufrüstung; im Juli sollen dann die angekündigten 25- bis 50 Mbit/Sekunde zur Verfügung stehen. Foto: Kruse

In gut vier Wochen wird Landsberg von seinen Stadtteilen technologisch überholt: Dann steht dort nach jahrelangen Arbeiten ein DSL-Netz zur Verfügung, das wesentlich schneller ist als alles, was die Bewohner der Kernstadt bisher nützen können. Das könnte sich allerdings bald wieder ändern. Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) hat den Ausbau der Infrastruktur ganz oben auf seine Prioritätenliste gesetzt: „Da ist lange viel geredet worden und nichts passiert. Ich möchte das jetzt so schnell wie möglich umsetzen.“ Die Stadtwerke stehen bei diesem Vorhaben Gewehr bei Fuß – allerdings sind noch zwei Hürden zu überwinden: Der Ausbau würde für die Stadt nicht billig und sowohl der Verwaltungsrat der Stadtwerke als auch der Stadtrat müssen vorab zustimmen.

Bisher schielte man von Ellighofen, Erpfting, Pitzling und Reisch aus neidisch nach Landsberg, jetzt dreht sich der Spieß um: 25 bis 50 Mbit/Sekunde stehen den Stadtteilen ab Juli zur Verfügung, zu „marktüblichen Preisen“, so Stadtwerke-Chef Norbert Köhler. Von die­sen Geschwindigkeiten kann man in der Kernstadt nur träumen. 16 Megabit bieten die Telekom und ihre Mitbewerber auf dem Papier an. Da es aber nur eine Vermittlungsstelle gibt, in der Spöttinger Straße, werden diese Geschwindigkeiten in vielen Gebieten nur auf dem Papier er­reicht, teilweise müssen sich die Bürger mit 6 Mbit/s oder noch weniger begnügen. Dass sich daran etwas ändert, ist erklärtes Ziel des neuen Oberbürgermeisters, das weiß man auch bei den Stadtwerken. Der mögliche Weg ist hier allerdings klar vorgezeichnet. Köhler: „Wir haben Anfang Juli eine Verwaltungsratssitzung, da stellen wir zunächst einmal das Konzept vor. Danach müsste auch noch der Stadtrat zustimmen.“Das dürfte allerdings Hand in Hand gehen, da auch der Verwaltungsrat momentan vorwiegend mit Stadträten besetzt ist, ein Erbe aus Zeiten des „Aufsichtsrates“ vor der Selbstständigkeit des Kommunalunternehmens. Dass beide Gremien gefragt werden müssen, hat vor allem mit den Finanzen zu tun. Norbert Köhler will noch keine Summen nennen („Die Verwaltungsräte sollen das nicht aus der Zeitung erfahren.“), aber es ist klar, dass es um einen hohen Betrag geht, den die Kommune zuschießen muss, wenn sie das schnelle Netz haben will. „Wir brauchen finanzielle Unterstützung, die Stadt muss das bezahlen, daraus machen wir kein Geheimnis“, sagt Köhler. Ganz abwälzen will er die Kosten allerdings nicht, denn auch die Stadtwerke würden von den neuen Leitungen profitieren: „Das ist ein wichtiger Schritt zu einem intelligenten Netz.“ Damit könne dann künftig praktisch die gesamte Infrastruktur der Stadt zentral und flexibel geregelt und angesteuert werden, „egal ob Wasserleitung, Trafokasten oder Regenrückhaltebecken“. Bei der Verkabelung der Stadtteile hat man diese Philosophie bereits verwirklicht, „deswegen wurde da auch ein Teil der Kosten auf uns gerechnet.“ Vorausgedacht hat man auch schon bei den Neubaugebieten in Reisch und in den Oberen Wiesen in Landsberg. Dort wurden „Zentrale Kabelverteilungskästen“ aufgestellt, von denen aus jedes Haus einzeln „angefahren“ werden kann. „Für dieses Vorgehen hat man uns bei M-Net zunächst fast belächelt, inzwischen hat man dort auf genau dieser Basis eine neue Strategie für den ländlichen Raum entwickelt“, erläutert der Stadtwerke-Chef. Damit sei man auf dem Weg zum „Fiber-to-the-home“ (FTTH). Für alle, die mit diesen technischen Erläuterungen nicht allzu viel anfangen können, bringt Köhler die Vorteile für die Kunden auf einen einfachen Nenner: „Damit haben Sie dann Leistung, die Sie fast nicht mehr nützen können; das ist sozusagen jenseits von Gut und Böse.“ Selbst wenn sich die Stadt noch in diesem Sommer für diesen Weg entscheidet, wird es dauern, bis alle Landsberger in den Genuss der neuen Technik kommen. „Wenn die Stadt das an uns vergibt, machen wir einen Großteil der Bauarbeiten selbst“, betont Köhler. „Deswegen ist davon auszugehen, dass es bis zum Abschluss gut fünf Jahre dauert.“ DSL-Aufrüstung mit und ohne staatliche Förderung Landsberg – Die DSL-Aufrüstung in den Stadtteilen und in der Kernstadt verläuft im Grundsatz unterschiedlich: Für die Versorgung der Stadtteile gab es staatliche Fördermittel, weshalb der Auftrag öffentlich ausgeschrieben werden musste. Diese Ausschreibung gewannen die Stadtwerke gegen den Marktführer Deutsche Telekom. „Unser Vorteil war, dass wir mit dem Netz auch eine ganze Menge Leerrohre erworben haben, die Telekom hätte komplett aufgraben müssen“, erläutert Norbert Köhler. Die Verbesserung der Infrastruktur in der Kernstadt Landsberg ist dagegen keine kommunale Aufgabe, wird nicht gefördert und kann somit von der Stadt frei vergeben werden. Nach Abschluss der Bauarbeiten bieten die Stadtwerke das DSL nicht selbst an, sondern fungieren als Vertriebspartner von M-Net. Die Tarife und Konditionen sollen in etwa deckungsgleich wie bei den Angeboten von M-Net sein. Technisch bietet das neue Netz erhebliche Reserven. So sind etwa von den über 50 Fasern des Kabels in den Ortsteilen für die Telefonie nur vier „verbraucht“ worden, der Rest steht für Zusatzdienste zur Verfügung.

Meistgelesen

Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
"Es war kein Betrug"
"Es war kein Betrug"
Dobrindt soll helfen
Dobrindt soll helfen
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"

Kommentare