Perfides Mundart-Metzeln

Landsberg: Wirtshaus Mannschaft liefert bairisches "Gemetzel"

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Bairisches Metzeln: Corinna von Fürstenberg, Sebastian Edtbauer, Matthias Ransberger und Kathrin Anna Stahl (von links) im bairischen „Gott des Gemetzels“.

Landsberg – Es ist eines der Theaterstücke, das jeder kennt – und sei‘s vom Film: „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza hat seit seiner Uraufführung im Schauspielhaus Zürich 2006 und der Polanski-Verfilmung 2011 zahlreichen Ohren- und Augenpaaren Vergnügen bereitet. Kein Wunder, ist es doch Rezas Dialogen zu verdanken, dass sich hier zwei Ehepaare an die Decke jagen. Und zeigen, wie ‚hinterfotzig‘ Sprache sein kann. Und schon sind wir beim Bairischen. Dass Sprachnuancen im Dialekt besonders gut zur Geltung kommen, hat die Wirtshaus Mannschaft aus München mit dem Stücktransfer des „Gemetzels“ ins Bairische bewiesen. Auch wenn es gerne noch ein bisschen mehr hätte sein dürfen.

Die Handlung ist schnell erzählt: Ein Sohn schlägt dem anderen zwei Zähne aus, die Eltern treffen sich, um sich friedlich zu einigen. Dass das weder friedlich noch einigend ist, sagt schon der Stücktitel. Rezas Stück glänzt durch bösartige Leichtigkeit. Und das soll im Bairischen funktionieren? Ein Dialekt, der wie manch andere in Süddeutschland doch eher fürs Direkte, gar Derbe bekannt ist? Ja, es funktioniert. Denn was die vier Schauspieler Kathrin Anna Stahl, Corinna von Fürstenberg, Matthias Ransberger und Sebastian Edtbauer hier im Lokalkolorit auf die Bühne bringen, hat nichts vom Leichten verloren. Dafür aber einiges an Nähe – und somit Intensität – gewonnen.

Wenn der Bub dem anderen mit „am Stecken“ schlägt, weil der ihn „kloane Schwuchtel“ tituliert, wenn Mutter Vroni auf bairisch ausrastet und sich letztendlich exzessiv und konsequent an den Blumen aus der Großmarkthalle – extra aus Sendling geholt – vergeht, wirkt nichts gespielt – echtes Leben eben. Und wenn das Original in seiner französischen Raffinesse im Deutschen nicht ganz so zünden kann, weil es eben doch die Sprache der Bürokratie und nicht die der Liebe ist, dann füllt der Dialekt die Lücke bestens. Das Dialog-Duell sprüht Funken und jedes Wort sitzt. Oder wie die Kleinkunstbühne MUH schreibt: „Bairisch als satisfaktionsfähige Bühnensprache!“

Die Dialekt-Fassung wollte der Theaterverlag, bei dem die Rechte für den deutschsprachigen Raum liegen, erst nicht genehmigen. Reza lehne Dialektfassungen generell ab. Was half, war ein Brief des Regisseurs Johannes Rieder an die Autorin persönlich. Man wolle keine „zotig-bayerische Schenkelklopfkomödie“, sondern zeitgenössisches Theater, das „einen Seitensprung mit dem Volkstheater“ begeht. Rieder hatte Erfolg, Reza sagte zu. Und Rieder hat sein Versprechen gehalten. Wofür dem Ensemble der Innovationspreis Volkskultur der Landeshauptstadt München verliehen wurde.

Die vier Schauspieler sind großartig. Nichts zu meckern, an keiner Stelle. Was den Text angeht, hätte man sich noch einen kleinen Dreh mehr in den Dialekt gewünscht. Nichts Krachlederndes, kein bierseliges Jodeln. Vielleicht aber ein bisschen mehr dieser liebevoll fiesen Koseworte, von denen das Bairische doch so überquillt.
Susanne Greiner

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