Die Logik des Absurden

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Springen darf er, aber bitte ohne Frack und Brieftasche (Daniela Echterbruch und Harald Dollinger).

Landsberg – Was tun Sie, wenn Sie gemütlich auf dem Dach eines Hochhauses sitzen, über das hektische Treiben unter Ihnen philosophie- ren und plötzlich von einem Selbstmörder gestört werden? Rufen Sie Polizei und Feuerwehr oder versuchen Sie ihn, von seinem verzweifelten Plan abzubringen? Beides falsch.

In der Welt des Mr. Pilk quatschen Sie ihm seine chicen Klamotten und Brieftasche ab – wäre doch schade drum. Und was passiert, wenn bei einer Hinrichtung das Henkersbeil nicht aufzufinden ist? Klar, der Delinquent wird begnadigt, mit der Auflage, niemandem von dieser peinlichen Schlamperei zu erzählen. Sie verpassen den Zug, erzählen dem Bahnhofsvorsteher ihre Lebensgeschichte, und der stellt sich plötzlich als Ihr seit langem verschollener Mann heraus. Absurd? Nicht in der Welt des Mr. Pilk. Und ab welcher Tischbeinlänge ist ein Tisch eigentlich ein Tisch? Ist eigentlich derjenige verrückt, der sich für ein Huhn hält oder die, die so ein Verhalten für anormal halten?

Mit diesen und ähnlichen Fragen konfrontiert der britische Autor, Regisseur und Sprachakrobat Ken Campbell (1941 – 2008) das Publikum. Scheinbar alltägliche Szenen, dann ein falsches Wort, eine Geste, der Boden dreht sich und das Nor­- male steht auf dem Kopf. Das Geniale dabei ist, dass das total Abgedrehte einer absurden Logik folgt, die absolut zwingend ist. Ist es nicht plausibel, die tote Oma in Zeltplane zu wickeln, auf den Dachgepäckträger zu packen und auf der nächsten Carabinieri-Station abzugeben? Schon irgendwie. Blöd nur, wenn zwischenzeitlich das Auto geklaut wird.

Mit ihrer neuesten Inszenierung (Regie Florian Werner) nimmt die landsberger bühne die Zuschauer mit auf eine Reise nach „irgendwohin“, dorthin, wo jeder schon mal war, dorthin, wo jeder ein Huhn sein darf, dorthin, wo man auch mal im Gegenteil sprechen darf. Temporeich, mit viel Spielfreude und Virtuosität präsentieren die elf Schauspieler (plus vier Komparsen) die Mini-Dramen, ohne sich in den komplex-abstrusen Textstrukturen zu verheddern.

Gekoppelt werden die Campbell-Szenen mit Gedichten Karl Valentins, eines ebenso wahnwitzigen Wortjongleurs. Trotz aller Verschiedenheit ist beiden gemeinsam, dass der Zuschauer lacht und trotzdem fassungslos den Kopf schüttelt angesichts der Verrücktheit der Ideen – ein Kaleidoskop des Absurden, mit sehr hohem Spaßfaktor.

„Mr. Pilks Irrenhaus + Valentins Beitrag“: weitere Vorstellungen am 17., 18., 19., 24., 25. und 26. Januar jeweils 20 Uhr sowie am Sonntag, 20. Januar, um 18 Uhr, Stadttheater Landsberg. Patricia Eckstein

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