Deutliches Signal gesendet

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Kurzer Prozess: Am Mittwoch gab der Stadtrat sein Okay für einen zweiten, gleichberechtigten Vorstand der Stadtwerke, am Donnerstag haben Oberbürgermeister Mathias Neuner (rechts) und der neue Vorstand Christof Lange bereits den Vertrag unterzeichnet.

Landsberg – „Das Ziel ist klar, der Weg auch, packen wir's an“, meint der neue kaufmännische Vorstand der Stadtwerke Landsberg zu seiner Aufgabe. „Wir haben ein super Team, sowohl in der kaufmännischen als auch in der technischen Abteilung, wir schaffen das auch.“

Die forsche Herangehensweise von Christof Lange gefällt Oberbürgermeister Mathias Neuner. „Das ist die Dynamik, die wir brauchen.“ Die Vorgaben, die der 31-Jährige mit auf den Weg bekommt, sind eindeutig: Das Kommunalunternehmen soll zurück in die schwarzen Zahlen, „das ist meine Aufgabe, innerhalb der nächsten fünf Jahre“, so Lange selbst bei der Unterzeichnung seines Vertrages.

Groß einarbeiten muss sich Christof Lange nicht. Der gebürtige Schwabmünchner arbeitet bereits seit Oktober 2010 bei den Stadtwerken, zuletzt als Leiter der Kaufmännischen Verwaltung. Zuvor war er für EON und ein Unternehmen aus dem Vattenfall-Konzern tätig. Zum Abschluss seiner bisherigen Tätigkeit wird er noch den Jahresabschluss für 2012 erstellen, „er hat mir versprochen, dass wir den im Juni noch bekommen“, sagt sein bisheriger Chef und neuer Co-Vorstand Norbert Köhler.

Ebenfalls in seiner bisherigen Tätigkeit hat Lange ein weiteres Projekt auf den Weg gebracht, mit dem das defizitäre Stromgeschäft der Stadtwerke wieder Gewinn abwerfen soll: „Der Preisantrag bei der Regulierungsbehörde ist gestellt, wir hoffen, dass er durchgeht. Wir müssen die Erlösobergrenze so weit wie möglich nach oben treiben.“ Inwieweit das für die Kunden in steigenden Preisen mündet, ließe sich allerdings noch nicht sagen. „Es ist noch nicht zu kalkulieren, was da weitergegeben wird. Wir haben auf der anderen Seite historisch niedrige Preise auf dem Markt und auch schon große Mengen Strom für 2014 und 2015 eingekauft.“

Damit will Lange auch ein weiteres Ziel erreichen: „Wir hoffen, dass wir möglicherweise in drei Jahren zum Grundversorger in Landsberg werden.“ Das sind bisher mit weitem Abstand immer noch die EWL, „aber wir sind in zweieinhalb Jahren von null auf 16 Prozent gekommen, das kann sich durchaus sehen lassen. Und wir können damit werben, dass es bei uns alles aus einer Hand gibt, während man von den EWL nur noch Strom bekommt.“

Die Werbung in eigener Sache gefiel auch dem Oberbürgermeister. „Mit jedem Kunden der Stadtwerke bleibt mehr Wertschöpfung in Landsberg“, so Mathias Neuner, „das Geld, das da verdient wird, kann man dann auch in die Hand nehmen, um es beispielsweise für das Inselbad zu verwenden.“

Der zusätzliche Vorstand, der ihm zur Seite gestellt worden ist, ist für Norbert Köhler aus seiner Sicht keinesfalls eine „Degradierung“. In den vergangenen Jahren seien die Aufgaben und das Unternehmen so stark gewachsen, dass sie von einem Einzelvorstand schlicht nicht mehr zu bewältigen gewesen seien. „Viele Kommunen haben schon zwei Vorstände. Und ich weiß jetzt auch, warum in ganz Deutschland keine einzige Stadt außer Landsberg das Stromnetz zu hundert Prozent in Eigenregie übernommen hat“, so Köhler.

Mit der Installation Langes dürfte Köhler wieder wesentlich mehr Freiraum für seine ureigensten Aufgaben haben: „Wir waren mit den Stadtwerken Landsberg technisch immer an der absoluten Spitze und da wollen wir auch in allen Bereichen wieder hin.“ 

Seinen neuen Kollegen bekam Köhler nach außen hin in einem reibungslosen Verfahren: Der Verwaltungsrat stimmte am Montag zu, am Dienstag gab es die Pressemitteilung, dass die Stadtwerke den zweiten Vorstand bekommen sollten, am Mittwoch gab der Stadtrat sein Plazet, am Donnerstag wurde der Vertrag unterschrieben.

Ganz so glatt, wie es nach außen hin schien, war der Prozess allerdings offenbar nicht abgelaufen, vor allem im Verwaltungsrat ging es hoch her, wie auch Mathias Neuner bestätigt. „Es war eine lange und intensive Sitzung“, so der Oberbürgermeister, „aber ich finde es durchaus in Ordnung, wenn Dinge offen ausdiskutiert werden, vielleicht musste sich auch mancher einfach einmal Luft machen. Für mich war wichtig, dass wir ein deutliches Signal gesendet haben, indem die Entscheidung für Herrn Lange zum Schluss einstimmig getroffen wurde.“

Der neue Vorstand selbst räumt ein, dass ihn der Verlauf der Sitzung ebenfalls nicht kalt gelassen hat: „Danach bin ich erst einmal nach Hause gefahren und musste das sacken lassen.“

Christoph Kruse

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