Große Investitionen

Stadtwerke Landsberg: „Wir wollen weiter wachsen“

Inselbad Landsberg von oben
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Das Landsberger Inselbad – Jahr für Jahr großer Verlustbringer. Die große Sanierung ist für 2022 geplant – bisher.

Landsberg – Eigentlich hatten die Stadtwerke Landsberg im gerade vergangenen Jahr mit einem runden Geburtstag Anlass zu feiern. Zehn Jahre ist es her, dass aus den ehemals Städtischen Werken Landsberg die Stadtwerke Landsberg KU (SLW) geworden sind. Seitdem handeln sie als Kommunalunternehmen eigenständig. Doch Corona bremste alle Feierlichkeiten aus. Stattdessen: ein schwieriges und verlustreiches Jahr. Aber schon heuer sollen die Verluste ausgeglichen werden. Die Stadtwerke haben viel vor.  

„Eine schwarze Null“ solle in diesem Jahr herauskommen, sagt Christof Lange, Kaufmännischer Vorstand der Stadtwerke im Gespräch mit dem KREISBOTEN. So sehe es der Wirtschaftsplan 2021 vor. Dabei habe man vorsichtig geplant: Schließlich habe Corona Auswirkungen in verschiedenste Richtungen. Eine gab es bereits im vergangenen Jahr zu spüren: keine Jubiläumsfeierlichkeiten. Sommerfest, Führungen, Besichtigungen der Versorgungseinrichtungen und Betriebsstätten sowie Vorträge – all das sei im Rahmen des Jubiläums geplant gewesen. Und leider alles ins Wasser gefallen. Man versuche, das in diesem Jahr nachzuholen.

Verlustbringer

Hat sich Corona auch auf das Jahresergebnis 2020 ausgewirkt? Das sah am Jahresende mit einem Verlust von 136.800 Euro nicht so rosig aus. Die größten „Verlustbringer“: Parken und Baden, erklärt Lange. Hier habe man coronabedingt geringere Einnahmen gehabt. Für das Inselbad seien die Umsatzerlöse für 2021 nach dem langjährigen Durchschnitt geplant. Abweichungen könnten sich nicht nur wetterbedingt, sondern aufgrund bisher schwer abschätzbarer Auswirkungen der Pandemie ergeben, heißt es im Wirtschaftsplan, der einen Verlust von 491.800 Euro für 2021 vorsieht. Vor dem Saison­start würden zudem Sanierungsarbeiten anstehen, erklärt Lange. Etwa die Reparatur von Fliesen in den Becken. „Auch werden Unterhalts- und Betriebskosten bei einem alten Bad nicht günstiger.“ Das Inselbad sei ein kommunales Bad mit entsprechend beschränkten Eintrittspreisen. Das jedoch bei einem relativ großen Aufwand an Personalkosten und „nur“ 85.000 Badegästen in der Saison von Mai bis September. Die Anzahl der Badegäste im vergangenen Jahr sei mit circa 30.000 deutlich geringer gewesen – Corona geschuldet. „Wir betreiben das Bad und haben entsprechend auch die Verluste aus dem Betrieb zu tragen“, meint Lange. „Die versuchen wir mit Gewinnen aus anderen Sparten auszugleichen.“ Auch könne man sich jetzt besser auf die Saison vorbereiten und rechne daher sogar mit einer normalen Besucherzahl in diesem Sommer.

Beim Parken sei die Problematik ähnlich gelagert. Es habe sich eine Tarifsystematik herausgebildet, höhere Preise könnten so nicht gesetzt werden, erklärt Lange. Die wichtigsten Sanierungen der von den Stadtwerken betriebenen Parkflächen – Lechstraße, Schloßberg und Waitzinger Wiese – seien mittlerweile abgeschlossen. Die Sanierungskosten, notwendige Neuanschaffungen, Betriebskosten und coronabedingt geringere Einnahmen hätten zu einem Verlust von 298.700 Euro geführt. Auch die müssten mit Einnahmen aus anderen Geschäftsfeldern ausgeglichen werden.

Anbieten würden sich dafür zum Beispiel die Bereiche Strom und Gas: Die Erträge aus der Stromerzeugung sollen im aktuellen Jahr bei 61.800 Euro liegen. Über den Stromvertrieb kalkuliere man mit einem Gewinn von 35.500 Euro.

Im Gasvertrieb werde der Gewinn auf 36.300 Euro geschätzt. Aktuell habe man rund 9.400 Energiekunden, Tendenz leicht steigend. Bereits im letzten Jahr habe man rund 30 Prozent mehr Absatz aufgrund von Ausschreibungen in der Gasakquise erzielt. Auch hier habe man wegen der durch die Pandemie verursachten Unsicherheiten und der Gewerbe- und Gastronomiebetriebe, die geschlossen sind, „sehr konservativ geplant“, sagt Lange. Dennoch sei es ein Wachstumsfeld – wie auch die Bereiche Wasser und Entwässerung. Durch einen Anstieg des Wasserverbrauchs in Landsberg kalkulieren die Stadtwerke bei der Wasserversorgung mit einem Gewinn von 397.400 Euro. Bei der Planung berücksichtigt: die Neukalkulation der Wassergebühren, die eine Verringerung der Verbrauchsgebühr um neun Cent ergab. Auch beim Thema Entwässerung – Kanalnetze und Wasserreinigung – rechnen die Stadtwerke mit einem Gewinn von 326.700 Euro.

Weitere Bereiche, um Verluste auszugleichen: Dienstleistungen, etwa die Verpachtung des Glasfasernetztes. So seien die Stadtwerke an Projekten wie dem „Urbanen Leben am Papierbach“ bei der Erschließung mit Breitband-Internetanschlüssen beteiligt, berichtet Lange. „Auch im Bereich der Fernwärmeversorgung haben wir vor, weiter zu wachsen.“

Hohe Investitionen

Mit rund sieben Millionen Euro Investitionen haben die Stadtwerke in diesem Jahr Großes vor. Eine der prominentesten Maßnahmen: Die Planung eines neuen Gewinnungsgebietes am Rand eines Trinkwasserschutzareals und der Bau eines Horizontalfilterbrunnens im Westen der Stadt. Ein solcher Brunnen habe eine wesentlich bessere Förderleistung, erklärt Gerald Nübel, Technischer Vorstand. Rund 800.000 Euro seien für den Brunnen angesetzt. Anlass für das Projekt, das man schon länger im Hinterkopf habe: die Trockenheit der letzten Jahre. Man kämpfe hier gegen die Auswirkungen des Klimawandels, die „uns auch noch lange beschäftigen werden“, ergänzt Lange. Der Brunnenbau sei in das Projekt „Resilienz der Wasserversorgung“ eingebettet, das auf eine bessere Vernetzung der einzelnen Gewinnungsgebiete abziele.

Ein weiteres großes Vorhaben für die kommenden Jahre: die Sanierung des Inselbads. Grob neun Millionen Euro Kosten seien dafür veranschlagt, so Nübel. Die Ausschreibung eines Generalplaners sei erfolgreich beendet, ein Antrag für Fördergelder bereits gestellt. Der Beginn der Sanierung sei zum Start der Saison 2022 geplant. Auch wenn das Becken als statische Grundlage eventuell erhalten bleiben könne – gegebenenfalls mit neuer Edelstahlauskleidung –, müsse die Technik darunter komplett neu verlegt werden. Und beim Gebäude selbst stehe zur Debatte, ob ein wirtschaftlicher Erhalt überhaupt möglich sei, sagt Nübel. Schließlich sei das Bad fast 50 Jahre alt. „Also reden wir hier über eine Generalsanierung.“

Weitere Investitionen fallen auf Netzerweiterungen in den Baugebieten und Netzerneuerungen im Bestand, sowohl in der Strom- und Wasserversorgung als auch in der Entwässerung. Der Bau eines Entwässerungskanals im Zuge der Erschließung des neuen Wohnviertels „Urbanes Leben am Papierbach“ steht hier an vorderster Stelle.

Für die kommenden zehn Jahre haben die Stadtwerke einiges auf der Agenda. Auch Themen wie Digitalisierung würden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Den zukünftigen Herausforderungen blicken Gerald Nübel und Christof Lange mit Optimismus entgegen. „Natürlich gibt es jedes Jahr den ein oder

anderen vielleicht auch unerwarteten Einfluss“, so Lange, „aber wir sind auf einem guten Weg, in den Folgejahren wieder höhere Gewinne erzielen zu können.“
Andrea Schmelzle

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