Ist die Gebühr schuld?

Städtische Forstamt klagt: Immer mehr Grünabfälle in der Landschaft

+
Geht gar nicht: Gartenabfälle einfach am Waldrand oder in städtischen Grünanlagen „wild entsorgen“.

Landsberg – Rasenschnitt, Äste und Küchenabfälle am Wald­rand sind weißgott kein schönes Bild. Und illegal. Doch das Problem der wilden Biomüll­entsorgung in freier Natur und auf öffentlichen Grünflächen nimmt offensichtlich deutlich zu. Ist die Einführung der Gebührenpflicht für die Biotonne dafür verantwortlich? Im Städtischem Forst­amt geht man davon aus, in der Kreisverwal­tung hingegen sieht man diesen Zusammenhang nicht.

Achtlos weggeworfene Taschentücher, zurückgelassene Alu-Grillschalen bis hin zu teils verseuchtem Bauschutt – zunehmend sei eine „gewisse Rückschrittlichkeit“ im Umweltbe­wusstsein zu beobachten, be­dauert der Leiter des Städtischen Forstamts, Michael Siller. Vermehrt würden Garten- und Hausabfälle im Wald, an Wald­rändern und sogar inner­halb städtischer Grünflächen illegal entsorgt. Statt in der Tonne oder auf dem Wertstoffhof lande viel Abfall in der freien Natur – bis hin zu höchst schädlichen Asbest-Platten, die im Wald abgeladen werden, oder Tüten mit Hundekot, die ebenso Sondermüll darstellen.

Besonders unschön sei dies an stadtnahen Siedlungsbe­reichen: Schanzwiese, Epfenhausener Siedlung, Wiesengrund, Stau­fen­straße oder an dem zum östlichen Steilhang angrenzenden Altstadtbereich. Dabei werde oft verkannt, dass selbst Bioabfälle schädlich sein können. Darunter liegende Pflanzen bekommen kaum Licht und werden möglicherweise durch das Gewicht der Abfälle im Wachstum behindert. Außerdem können Flächen und Wälder durch das unkontrollierte Ausbringen von Grünab­fällen überdüngt werden, lässt Siller weiter wissen. Im schlimmsten Fall lasse sich auch die Einschleppung und Verbreitung von Gartenkulturpflanzen oder -unkräutern in die heimischen Wälder feststellen.

Forstamtsleiter Michael Müller sieht in der zum 1. Januar dieses Jahres eingeführten Gebühr für die Biotonne die Ursache für das wilde Entsorgen auf städtischen Flächen. Landratsamtssprecher Wolfgang Müller hält dagegen: „Das kann man so nicht sagen!“ Schwarze Schafe, die alle möglichen Abfälle, auch Grüngut, in die Landschaft kippen und damit ihre eigene Umgebung verschandeln, habe es immer gegeben und werde es immer geben.

Weniger Biotonnen

Allerdings: Tatsächlich ging mit der Gebührenpflicht die Zahl der Biotonnen im Landkreis schlagartig zurück: von 23.946 im Dezember auf 21.290 im Januar und gar 20.665 im Juni. Jedoch können Grüngut und Gartenabfälle an allen 34 Wertstoffhöfen zwischen Lech und Ammersee kostenfrei angeliefert werden – in Hofstetten und Kaufering fünf Kubikmeter, ansonsten ein Kubikmeter pro Tag und Grundstück.

Wer Gartenabfälle aller Art, also Rasen-, Hecken- und Baumschnitt, oder auch Einstreu von Haustieren wild entsorgt, verstößt gegen das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Ordnungswidrigkeit und kann mit Geldbuße belangt werden. Forstamtsleiter Siller fordert aus diesem Grunde dringend dazu auf, derlei Abfälle nicht im Wald zu entsorgen.

Und das müsste eigentlich auch in eigenen Reihen gelten. Dem umweltbewussten Wanderer auf dem Fußweg nach Sandau fällt nämlich am Fuße der Epfenhausener Siedlung auf, dass das morsche, zum Teil imprägnierte Austauschgebälk und -gestänge der Treppenanlage regelmäßig an Ort und Stelle „wild entsorgt“ wird – von städtischen Mitarbeitern.

Toni Schwaiger

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auto brennt fast vollständig aus
Landsberg
Auto brennt fast vollständig aus
Auto brennt fast vollständig aus
Kauferinger Kinobetreiber kritisiert Gesundheitsamt Landsberg
Landsberg
Kauferinger Kinobetreiber kritisiert Gesundheitsamt Landsberg
Kauferinger Kinobetreiber kritisiert Gesundheitsamt Landsberg
Inzidenz knapp unter 200
Landsberg
Inzidenz knapp unter 200
Inzidenz knapp unter 200
Ein erster Schritt zur Bachl-Erweiterung
Landsberg
Ein erster Schritt zur Bachl-Erweiterung
Ein erster Schritt zur Bachl-Erweiterung

Kommentare