Alles nur Schall und Rauch?

Trotz Beschluss: Standort des Stadtmuseums Landsberg infrage gestellt

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Die Schäden an der Außenmauer sind deutlich zu sehen: Das Stadtmuseum muss saniert werden. Wenn es denn auf dem Berg bleiben darf...

Landsberg – Das Stadtmuseum bleibt, wo es ist. Ein Beschluss, den der Stadtrat im April 2018 fasste. Einstimmig. Museumsleiterin Sonia Fischer erarbeitete daraufhin – nach Stadtratsbeschluss – ein 150-Seiten-Ausstellungskonzept. Schließlich bewarb sich die Stadt – nach Stadtratsbeschluss – für die Landesausstellung 2024. Und erhielt kürzlich die Zusage. Ein perfekter Eröffnungsevent. Eigentlich. Denn: Es klappt nur, wenn das Museumsgebäude bis Ende 2023 saniert ist. Scheinbar nicht machbar, da das Bauamt zu wenig Personal habe. Für Teile des Stadtrates ist das jetzt ein Grund, den einstimmigen Standortbeschluss nochmals grundsätzlich zu hinterfragen.

„Das Museum ist ein Schatz“, eröffnete Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) die Diskussion im Stadtrat. Zu Beschluss stand, das Konzept der Museumsleiterin zur Kenntnis zu nehmen und Haushaltsmittel für die Sanierung einzustellen. Für Fischers in einem Sachvortrag präsentiertes Ausstellungskonzept (siehe eigener Bericht) fand Neuner lobende Worte. Aber er müsse „Wasser in den Wein“ gießen. Man habe viele vorrangige Pflicht-Baumaßnahmen, wie den Bau von Kindergärten oder den sozialen Wohnungsbau. Alles sei nicht machbar. Dabei gehe es vorrangig nicht ums Finanzielle, sondern ums fehlende Personal im Bauamt. Deshalb müsse man Prioritäten setzen. „Wenn wir die Sanierung heute beschließen wollen, müssen wir etwas anderes weglassen.“

Das Museum stehe bis zur Wiedereröffnung 2024 bereits zehn Jahre leer, warnte Kulturbürgermeister Axel Flörke (Landsberger Mitte). „Wann wollen wir es eröffnen? 2028?“ Die Personal­engpässe seien schon länger bekannt. Ein Stadtmuseum sei ein weicher Standortfaktor. Und zudem liege der Stadt der fertige Vertrag für die Landes­ausstellung zur Unterschrift vor. Den zurückgeben zu müssen, weil bis dahin das Museum nicht fertig werde, sei „eine Peinlichkeit hoch fünf“, wetterte Flörke. Neuner hielt dagegen, man habe dem Direk­tor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Dr. Richard Loibl, die Vorbehalte von Anfang an geschildert.

Der finanzielle Aufwand für die Sanierung sei nur durch die Landesausstellung gerechtfertigt, sagte Christoph Jell (UBV). Bisher gibt es noch kein Kostenkonzept; Neuner schätzt den Aufwand für die Gebäudesanierung auf vier bis sechs Millionen Euro. Ein Beschluss wäre deshalb jetzt notwendig. Kultur sei auch eine Pflichtaufgabe – auch wenn er weiterhin den Standort wegen des schwierigen Zugangs nicht für ideal halte.

Flörkes Fraktionskollege Wolfgang Weisensee hatte bereits beim vorausgehenden Ortster­min im Stadtmuseum den Standort massiv infrage gestellt. „Ein Museum an diesem Standort ist Luxus.“ Man könne Fischers Konzept auch in einer Firmenhalle verwirklichen. Oder gar in einem virtuellen Museum „ganz ohne Räume“.

Haushaltsreferent Christian Hettmer (CSU) sprach sich generell für das Museum aus. Man könne aber die notwendige Infrastruktur für die Landesausstellung an diesem Standort nicht herstellen. Der Personalmangel im Bauamt sei nicht zu lösen. Man habe eine ‚Machbarkeits-Liste‘ mit 16 Projekten, „dahinter stehen noch andere, die wir nicht machen können“. Was man da noch streichen wolle?

Zudem habe sich im benachbarten Jesuitenkolleg ein völlig neues Nutzungskonzept ergeben. Das dort geplante Tagungszentrum (der KREISBOTE berichtete) sei notwendig, um die für die extrem kostenintensive Sanierung notwendige Förderung seitens des Staates zu bekommen. Zu diesem Zentrum brauche man auch Unterkünfte – weshalb man den Museumsbau in das Konzept mit einbeziehen solle.

Die in der museumsfachlichen Machbarkeitsstudie von 2018 nur „ansatzweise vorge­stellten“ Standortalternativen seien nochmals zu prüfen, insbesondere die Spitalplatzschule. Auch Partei­freund Berthold Lesch sprach sich in Anbetracht der Nutzungsänderung des Jesuitenkollegs für die Spitalplatzschule aus. Dort sei eine Museums-Eröffnung bis 2025 zu schaffen. Am bisherigen Standort könne man dem zu erwartenden Verkehrsaufkommen insbesondere bei der Landesausstellung nicht gerecht werden.

Man habe sich doch 2018 schon viele Gedanken gemacht, warf Stadtheimatpfleger Werner Fees-Buchecker ein. „Und trotzdem hat man am alten Jesuitenkolleg festgehalten.“ Er schlug vor, den Personalmangel zu umgehen, indem man einen externer Architekten einstelle. Auch Bürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) sprach sich für die Sanierung und die Landesausstellung aus. Weshalb eine „Stärkung des Bauamtes“ notwendig sei. Wolfgang Neumeier (UBV) betonte, es sei Pflicht der Stadt, das Haus, das auch massive Wasserschäden aufweise, zu erhalten. Man dürfe den „letzten Schritt“ jetzt nicht verweigern.

OB-Kandidat Moritz Hartmann (Grüne) drängte zum Beschluss. „Wenn wir das heute nicht machen, dann wird das nichts mehr“, kommentierte er das bereits mehrmalige Verschieben. Er verlangte eine konkrete Vorgabe der Verwaltung, was machbar sei. Petra Ruffing (CSU) sah die Museumssanierung zwar nicht als ‚Pflichtaufgabe‘ wie Kindergärten und Co. Aber es sei die Pflicht einer Stadt, ihre Geschichte darzustellen und „die Wurzeln zu pflegen“. Kultur lasse sich immer leicht aufschieben. Aber sie beeinflusse die Gesellschaft enorm.

SPD-OB-Kandidat Felix Bredschneijder stellte nochmals die Frage, weshalb überhaupt der Standort besprochen werde. An dem damaligen Ergebnis „gibt es nichts zu rütteln, die Entscheidung ist gefallen“. Weshalb man sich denn erst für die Landesausstellung beworben habe, wenn klar gewesen sei, dass man es nicht schaffen werde. Ein Stadtmuseum sei ein „Must-have“. Er kritisierte Neuner, die Entscheidung nicht gut vorbereitet zu haben. „Nebulöse Aussagen“, was man alles machen müsse, seien nicht zielführend. Vielmehr brauche es ein „Es ist möglich, wenn ...“. Auch Jell forderte Neuner auf: „Sie müssen doch eine Meinung dazu haben.“

Neuners Reaktion: „Ich kann nur versprechen, was ich halten kann. Wir schaffen das, was Sie alles wollen, nicht. Wir können diesen Beschluss heute nicht fassen. Man muss über die Spitalplatzschule nochmals nachdenken.“

Der Beschluss zur Museumssanierung wurde gemäß Neuners Vorschlag vertagt, folgerichtig ebenso der zur Landesausstellung. Man werde sich, so Neuner, am 4. November in der Montagsrunde mit Vertretern aller Fraktionen treffen, die anstehenden Bauprojekte analysieren und über den Museumsstandort sprechen. „Es geht um zehn Millionen, da kann man schon mal nachhaken.“ Eine Entscheidung ist in der Sitzung am 13. November geplant.

Sonia Fischers Kommentar zur Sitzung und deren Ergebnis: „Das ist für mich und mein Team schon sehr demotivierend. Und ein Armutszeugnis für die Kultur in Landsberg.“
Susanne Greiner

Kommentar

Soziale Keule trifft Kultur

Beschlüsse sind offensichtlich nichts wert. Zumindest, wenn es um Kultur geht. Rechtfertigung ist die ‚soziale Keule‘: Wenn ihr Kultur wollt, bekommt ihr keine Kindergärten. Eigentlich scheint es aber um eine ‚effizientere‘ Nutzung zu gehen. Schließlich hatte man sich trotz Personalmangels für die Landesausstellung beworben, die eine Sanierung erzwingt. Die Idee entstand 2017. 2018 beschloss man die Bewerbung, für die Landesausstellung 2024 und für die 2022. Im April dieses Jahres hatte man gar noch Zuschüsse vom Landkreis bewilligt bekommen. Egal. Man will das Haus fürs Tagungszentrum, das Museum muss weg. Trotz Beschluss, trotz Machbarkeitsstudie, trotz 150-Seiten-Konzept, trotz Aussage der Landesstelle für nichtstaatliche Museen, der Standort sei „ideal“. Die genauen Kosten für die Sanierung seien nicht bekannt. Was die Sanierung der Spitalschule kostet, weiß auch niemand. Ein Ausstellungskonzept für die Schule ist noch nicht einmal angedacht. Aber das vollständig ausgearbeitete Konzept Fischers – soviel zur Frage, was ‚die‘ da eigentlich arbeiten – tritt man in die Tonne? Wertschätzend ist das nicht. Ist ja auch egal. Ist ja nur Kultur.
Susanne Greiner

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